Hessen

Ypsilanti tritt 2008 gegen Koch an

Im zweiten Wahlgang bekam Ypsilanti 175 Stimmen

Im zweiten Wahlgang bekam Ypsilanti 175 Stimmen

02. Dezember 2006 Die hessische SPD-Landesvorsitzende Andrea Ypsilanti tritt bei der Landtagswahl Anfang 2008 gegen CDU- Ministerpräsident Roland Koch an. Ein SPD-Parteitag wählte sie am Samstag im osthessischen Rotenburg an der Fulda im zweiten Wahlgang mit 175 Stimmen zur Spitzenkandidatin.

Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Jürgen Walter, erhielt 165 Stimmen. Insgesamt wurden 344 Stimmen abgegeben, drei Delegierte enthielten sich, eine Stimme war ungültig. Im ersten Wahlgang hatte es ein Patt gegeben. Auf beide Kandidaten entfielen 172 der 347 abgegebenen Stimmen. Drei Delegierte enthielten sich. Die Abstimmung wurde daraufhin wiederholt.

„Zeichen von demokratischer Reife“

Der Gegenkandidat Jürgen Walter verlor knapp

Der Gegenkandidat Jürgen Walter verlor knapp

Sie sei sehr glücklich, sagte Ypsilanti nach der Wahl. Jetzt müsse der Wahlsieg für ein besseres Hessen das Hauptziel der ganzen Partei sein. Der unterlegene Walter bot der Parteichefin ausdrücklich seine Unterstützung an. Jetzt solle die Partei wie ein Mann zusammenstehen. Vor der Wahl hatte er angekündigt, Ypsilanti im Fall einer Niederlage in den nächsten Wochen auch den Vorsitz der Landtagsfraktion in Wiesbaden anzubieten. Vom Parteitag bekam Walter für seine Kooperationszusage lauten Beifall. Der SPD-Bundesvorsitzende Kurt Beck sprach von einem „Zeichen von demokratischer Reife und menschlichem Anstand“ und versprach die Unterstützung der Bundespartei im hessischen Wahlkampf.

Ypsilanti hatte die Delegierten mit einer emotionalen Rede gewonnen, in der sie für eine sozial gerechte Gesellschaft warb. Die Wirtschaft müsse für bessere Lebensverhältnisse der Menschen sorgen. „Die Wirtschaft ist für die Menschen da, nicht umgekehrt.“ Walter präsentierte sich dagegen mit scharfen Angriffen auf Koch und insgesamt nüchterner. Der amtierende Ministerpräsident zerstöre das soziale Gleichgewicht im Land und lasse Hessen wirtschaftlich zurückfallen, sagte Walter.

Hessen-Wahl als wichtiges Signal

1999 wurde Ypsilanti Landtagsabgeordnete. Ihre Hauptthemen sind Jugend, Bildung und Familie. Sie will mehr Ganztagsschulen und mehr Geld für die Kleinkinderbetreuung, um allen Frauen den Weg in den Beruf zu öffnen. Ypsilanti, die für die ausgeprägt linke Tradition der hessischen SPD steht, führt den Landesverband seit März 2003. In dieser Zeit hat sie sich immer wieder als Kritikerin der Partei- und Regierungsentscheidungen unter Bundeskanzler Gerhard Schröder profiliert, vor allem bei den Reformen der“Agenda 2010“. Sie gilt vielen in der Partei daher als zu links. Die Diplom-Soziologin gehört auch dem SPD-Bundesvorstand an.

Bei Abstimmungen der SPD-Unterbezirke hatte Walter stets klar vorne gelegen. Die Delegierten waren daran aber nicht gebunden. Die Bundes-SPD hatte bestritten, daß sie auf eine Entscheidung für Walter hoffe, weil dieser bessere Chancen gegen Koch habe. Die Hessen-Wahl im Frühjahr 2008 gilt als wichtiges Signal im Jahr vor der Bundestagswahl. Bei der Landtagswahl im Jahr 2003 hatte die SPD mit 29,1 Prozent der Stimmen ihr schlechtestes Nachkriegsergebnis erzielt. Koch regiert seither mit absoluter Mehrheit.

Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: AP, ddp

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Sie möchten Zuschuss zur Ihrer neuen Brille? Vergleichen Sie jetzt online einfach und bequem verschiedene Krankenzusatzversicherungen und sparen Sie bares Geld!

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche