Kein Mensch kann die Wahrscheinlichkeit von nicht angedachten Szenarien berechnen oder auch nur seriös schätzen, das ist nunmal zwingende Logik. Das Szenario von Tschernobyl mag man JETZT ausschließen können, aber was ist mit den Szenarien an die keiner gedacht hat ? Das man eine Grundlastversorgung mit alternativen Energieträgern nicht schaffen könnte ist schlicht falsch. Thermische Sonnenkraftwerke aus Südeuropa können durch Speicherung z.B. 24 Stunden lang eine Grundlastversorgung sicher stellen. Das gleiche gilt für Erdwärmekraftwerke oder Gezeitenkraftwerke. Auch Biokraftwerke der 2. Generation, z.B. solche welche Algen züchten und verwerden, wären in der Grundlastfähigkeit den KKW sogar überlegen. Bei KKWs müssen Sie nämlich in Zukunft davon ausgehen, daß grade in Sommermonaten (wie schon in Frankreich passiert) das Kühlwasser knapp werden kann, mit der Folge das der Strom genau zu der Zeit wenn er für Klimaanlagen an meisten benötigt wird, ausfällt. Zudem haben die langen Totalausfälle von Krümmel oder Brünsbüttel grade in jüngster Vergangenheit gezeigt wie schnell ein KKW KOMPLETT und für Monate(!) ausfällt !
wir drehen uns im Kreis, da Sie immer von einem GAU des Tschernobylformates ausgehen und sich damit alle anderen Argumentationslinien verbauen. Alles andere habe ich in meinen vorausgegangenen Beiträgen zu diesem Thema, so erschöpfend, wie es der begrenzte Platz in diesen Kommentarfeldern zuläßt ausgeführt. Weiterführend empfehle ich die wissenschaftlichen Studien zum Reaktorunfall in Tschernobyl (selbst Wikipedia kann hier eine gute Literaturliste vorweisen) und zu den epidemiologischen Erhebungen nach den oberirdischen Kernwaffentests. Zudem möchte ich als Einführung den Beitrag von Dr. Lutz Niemann im Novo-Magazin empfehlen Die Zukunft unserer Energieversorgung sehe ich nur mit modernen und sicheren KKW in Deutschland - EPR-Reaktoren der jüngsten Generation sind phantastisch. Mit den Blütenträumen der Grünen läßt sich kein moderner, wohlhabender Industriestaat machen, da für Netzsicherheit und günstige Strompreise die verläßliche Grundlast und nicht die volatile Spitzenleistung entscheidend ist.
Ich gebe ihnen gerne Recht, daß die Gefahr durch einen Verkehrsunfall ums Leben zu kommen wahrscheinlich deutlich höher ist als durch einen KKW Unfall. Ich sage deswegen 'wahrscheinlich' weil uns die Eintrittswahrscheinlichkeit von nicht angedachten Szenarien nicht bekannt ist. Wir reden also über UNBEKANNTE Risiken und nicht etwa über hinreichend kleine Risiken ! Aber wie gesagt, ich nehme auch an, daß diese unbekannten Risiken kleiner sind als meine alltäglichen privaten Risiken. ABER: Das Risiko, daß signifikante Teile der Bevölkerung am SELBEN Tag durch einen Verkehrsunfall tödlich verunglücken dürfte praktisch Null sein. Unsere GESAMTE Gesellschaft ist durch Verkehrsunfälle in keinster Weise gefährdet. Das ist bei den unbekannten(!) Risiken der Kernkraft eben ganz anders. Wenn größere Mengen an künstlich erzeugten Nukliden aus einem Kraftwerk entweichen, dann sind Millionen von Menschen vom Krebstod bedroht, die deutsche Wirtschaft würde zusammenbrechen, wenn wichtige Industriezentren zur Sperrzone erklärt werden müssen (Sperrzone um Tschernobyl=2800km2)
Lieber Herr Hahn! Mit Ihrer zuletzt an Herrn Rabe gerichteten Einschätzung "keinsefalls harmlos" und "hoher Sicherheitsaufwand" kommen Sie auch meiner Meinung entgegen. Zwar gibt es noch einige "Wenn" und "Aber" ihrerseits. Doch gestehen Sie Ihren Mitbürgern zumindest zu, dass es ihnen frei gestellt ist, wovor sie mehr Angst haben dürfen. Noch eine Anmerkung. Sie schreiben, dass es keine Wismutgruben gegeben habe. Eine Grube in der Kohle abgebaut wird, nennt man doch Kohlengrube, oder? Mehr zum Thema erfahren Sie z. B. unter http://de.wikipedia.org/wiki/Bismut. Ich verabschiede mich aus dieser überaus sachlichen Diskussion, da ich nach Ende meine Urlaubs mich nun wieder verstärkt meinen beruflichen Aufgaben zuwenden muss. Gruß Winfried Frenzle
dies ist ein freies Land, in dem sich jeder fürchten kann wie es ihm beliebt. Ich hatte versucht, mit sachlichen Argumenten auf die Gefährdungsrelation hinzuweisen. Schließlich ist es wahrscheinlicher bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen, oder an den Folgen der Risiken und Nebenwirkungen der täglichen Medikation zu sterben, als durch einen Unfall in einem KKW Schaden zu nehmen. Sicher sind die Zerfalls- und Spaltprodukte keinesfalls harmlos, dafür spricht schon der hohe Sicherheitsaufwand in den kerntechnischen Anlagen. In der Abschätzung der tatsächlichen Gefährdung sind die täglichen Bedrohungen, mit denen wir gelernt haben umzugehen, jedoch oft geringer eingeschätzt, als fiktive Szenarien. Wenn Sie glauben, daß die Spaltprodukte eines KKWs mehr Gefahr für Sie bedeuten, als ein viel wahrscheinlicherer Verkehrsunfall, dann ist das Ihre Sache. Die Zahl der Verkehrstoten (derzeit ca. 5000p.a.) spricht eine andere Sprache. Übrigens gab es keine Wismutgrube, sonder die SDAG Wismut. Eine Art Holding unter deren Dach die einzelnen Bergbaubetriebe im Gebiet des heutigen Sachsen und Thüringen Uran in bis zu 2000 Metern Tiefe für das sowjetische Atomprogramm förderte.
In der Natur existieren etwa 70 radioaktive Nuklide. Weit über tausend radioaktive Nuklide sind vom Menschen künstlich (z. B. in einem Kernreaktor) erzeugt worden. Die sind um viele Größenordnungen gefährlicher, weil sie enrgiereichere Strahlung emmitieren. In Tierversuchen ist nachgewiesen worden, daß die Krebsrate schon bei geringsten Mengen mit der Verseuchung mit solch künstlichen Nukliden ansteigt. Ein Mikrogramm genügt oft schon. Der Vergleich mit den natürlichen Nukliden ist deshalb völlig falsch, diese sind in der Tat wirklich 'relativ' harmlos, aber auch nicht ungefährlich. Das von ihnen angeführte natürliche Radon hat z.B. bei den Arbeitern der Grube Wismut nachweislich zu Krebs geführt welcher offiziell(!) inzwischen als Berufskrankheit anerkannt wird. Die Gefährlichkeit wird im übrigen auch von der Atomindustrie gar nicht bestritten, weswegen man dort ja auch die (angebliche) Unmöglichkeit betont, daß diese in Freie gelangen, würde man, wie Sie, probieren auf deren potentielle Ungefährlichkeit zu argumentierten, wäre der Gegenbeweis leicht. Er wurde längst erbracht.
Sehr geehrte Herren, nun hat Daniel J Hahn (137) sich schon so ein Bein ausgerissen, um Ihnen sachlich mit Fakten Ihre paranoiden Albträume zu vertreiben und Sie ergötzen (aus Egomanie?) sich weiterhin in unsachlichen Horrorvorstellungen und –Behauptungen, die an den Haaren herbei gezogen sind. Ich selbst bin wahrlich kein promovierter Physiker, aber dennoch wissenschaftlichem Denken nicht immer fern gewesen. Deshalb schlage ich Ihnen jetzt mal vor, sich der Materie unvoreingenommen und unbelastet erneut mit jugendlichem Wissensdrang zuzuwenden (man lernt bekanntlich nie aus). Das ersparte Ihnen in Zukunft zumindest die Peinlichkeit sich beständig mit Tatsachen widerlegen zu lassen. Mit freundlichen Grüßen Sönke Peters
Der Mensch lebt, seit er diese Erde betrat mit Radioaktivität, und er hat sich an diese Bedingungen angepaßt. Es gibt z.B. Gebiete in Deutschland, die Sie, sehr geehrte Herren Frenzle und Rabe, wohl nie betreten würden, wenn Sie wüßten, wieviel Uran unter Ihren Füßen lagert. Mit jedem Atemzug nehmen Sie radioaktive Substanzen auf, atmen Radon ein. Dennoch werden die Menschen in diesen Landstrichen bei normal gesunder Lebensweise deutlich über achtzig Jahre alt. Niemand kam bisher auf die Idee, diese Landstriche zu evakuieren, um die Menschen vor der dort hohen, aber natürlichen Radioaktivität zu 'schützen'. Das Fürchten vor dem Atom als Unheilstifter ist die Folge von gezielter Fehlaufklärung, die nur auf die Folgen eines GAUs abzielte abstellte, und damit auch jede noch so kleine Panne verbinden konnte; kommt dann immer in den Nachrichten. Würden ihre Verseuchungsthesen zutreffen, müßte die Gegend um die Anlage Eurodif wegen der ausgetretenen uranhaltigen Lösung nun wohl evakuiert und für Jahrzehnte Sperrgebiet bleiben. Sie trinken hoffentlich keinen französichen Rotwein und essen auch keinen französichen Käse mehr!? Wie aber Heidegger so tröstend sagte:'Der Tod als Ende des Daseins im Sein des Seienden ist zu seinem Ende.'
Machen wir uns doch nichts vor. Selbst wenn der Atomausstieg hinausgeschoben wird, werden wir keinen günstigeren Strom bekommen. Hier geht es einzig und allein um Wahlkampf, dem Wähler wird vorgegaukelt, das er Strom zum Spottpreis haben kann, er muß es nur wollen und Atomkraft befürworten.
Nukleare Stoffe sind potentiell tödlich weil sie das Risiko für Krebs drastisch erhöhen, wenn sie selbst in geringsten Mengen in ihrem Körper gelangen. Diese Erhöhung ist nicht vergleichbar mit Rauchen oder fettem Essen. Bei einem einzigen Mikrogramm eines Alphastrahlers in ihrem Körper ist ihre Überlebensrate bezogen auf die nächsten 20 Jahre (dazu gibt es viele Studien an Hand von Tierversuchen) schlechter als wenn sie 'Russisch Roulette' spielen. Natürlich können sie da Glück haben, aber ich nehme an die meisten Menschen wollen sich nicht darauf einlassen, die wollen die nächsten 20 Jahre überleben. Was also wäre die Konsequenz bei einem Unfall ? Das konterminierte Gebiet würde für Menschen praktisch unbewohnbar, denn wer wollte sich und seine Kinder schon solch einer Gefahr aussetzen ? Man kann sich vorstellen was die wirtschaftlichen Konsequenzen für Deutschland wären, wenn dies einen Ballungsraum trifft.
Lieber Herr Hahn! All die von Ihnen genannten möglichen Gefahrenquellen ließen sich beliebig ergänzen. Sie unterscheiden sich jedoch ganz wesentlich von dem Gefahrenpotential, das von einer Vielzahl der uns umgebenden Atomkraftwerke und der mit ihnen im Zusammenhang stehenden Maßnahmen, wie der Urangewinnung , Transport und unsicheren Endlagerung ausgeht. Fest steht, dass eine atomare Bedrohung vorhanden ist, der sich die Bevölkerung nur schwerlich entziehen kann. Dies ist selbst im AKW-freien Land Österreich nicht möglich, in dem der Verzicht auf Kernkraftwerke im Grundgesetz verankert ist. Es ist von Atommeilern umgeben. In Europa stehen allenfalls Italien und Griechenland bedingt als Zufluchtsorte vor einer direkten Gefährdung zur Verfügung. Im politische Handeln muss die Sicherheit der Bürger primäres Ziel sein. Einem ausufernden und vielfach verschwenderischem Energieverbrauch muss auf geeignete andere Weise begegnet werden, wobei Italien, das 1990 aus der Atomenergie ausgestiegen ist und nun unter der neuerlichen Regierung von Berlusconi Kernkraftwerke zur eigenen Energieversorgung in Albanien bauen will, wohl nicht die Lösung sein kann. Winfried Frenzle
Keine der von ihnen genannten Technologien stellt auch nur näherungsweise eine solche Gefahr dar wie die Kernkraft. Wenn ein Chemiewerk explodiert, dann kann man die Folgen beseitigen, kein chemischer Stoff ist auch nur näherungsweise so langlebig und in geringsten Dosen schon tödlich wie Nuklearmaterial. Wenn ein Chemiewerk, wie z.B. in Seveso einen großen Unfall hat, dann ist das schlimm, aber für die gesamte Gesellschaft locker verkraftbar. Würde aus einem KKW, wie z.B. Biblis, z.B. wegen eines defekten Ventils, eine Wolke radioaktiver Substanzen austreten (bei denen schon ein Mikrogramm bei einem Menschen mit großer Wahrscheinlichkeit Krebs auslöst), dann könnten sie weite Teile Deutschlands für die nächsten 20 Jahre zum Sperrgebiet erklären. Man kann sich vorstellen was mit der deutschen Wirtschaft passiert, wenn das RheinMain Gebiet oder das Ruhrgebiet gesperrt werden muss. Sie können nämlich keine Stoffe restlos beseitigen, die schon im Mikrogramm Bereich tötlich sind. Die bekommen sie NIE WIEDER weg !
Warum soll die Kernkraft soviel gefährlicher sein, als z.B. Chemie, Kohle oder Stahl? Haben Sie schon einmal einen kleinen Schluck Salzsäure probiert, oder Arsen? Kennen Sie die Folgen der Emissionen von Chemieanlagen, Kokereien oder Stahlwerken? Der Mensch ist unvollkommen, darum benötigt er Technik zur Kompensation seiner Schwächen. Sein Handeln ist mit der Gefahr des Scheiterns behaftet, dennoch fliegt er ins All und entwickelt sich ständig weiter. Hätten die großen Erfinder Menschheit zuerst an das Scheitern gedacht - kein Zug führe, kein Flugzeug flöge, wir hätten weder Licht noch Wärme in unseren Häusern. Können Sie sich noch an die Zeiten erinnern, als das giftige und hochexplosive Stadtgas zum Beleuchten, Kochen und Heizen verwandt wurde? Saßen Sie als Kind im Kindersitz gesichert in einem Auto, vollgestopft mit elektronischen Fahrhilfen und Airbags? Es ist nicht allzu lang her, als es auf deutschen Straßen noch zehntausend Verkehrstote gab. Zynisch gefragt: kennen Sie ein deutsches Kernkraftopfer? Nicht nur daran gemessen ist die Kernkraft eine Hochsicherheitstechnologie. Jede Technologie hat Risiken, doch sie wäre noch gefährlicher, wenn es nicht Menschen gäbe, die sich den Herausforderungen stellten und noch stellen.
Oha, hier habe ich mich noch nicht verewigt! OK, Herr Rabe, Sie müssen zwischen Radioaktivität und Toxizität (=Giftigkeit) differenzieren. Sie haben durchaus recht, daß die Aufnahme kleinster Mengen radioaktiver Substanzen tödlich sein kann. Das hängt aber mit der Giftigkeit zusammen, nicht mit der Radioaktivität. Plutonium zu verspeisen, wäre in der Tat unklug. Das hat aber nichts mit der Radioaktivität des Materials zu tun. Uran allerdings ist - in den Mengen, über die wir sprechen - nicht hochtoxisch. So. Sie argumentieren ferner, daß die Aufnahme selbst kleinster Mengen radioaktiven Materials zwingend zum Tode führt. Das Leben, Herr Rabe, ist eine Krankheit, die zwingend tödlich endet. Wenn Sie ein Glas Mineralwasser trinken (das, wenn es aus natürlichen Quellen kommt, in der Regel radioaktiv ist), haben Sie eine null-komma-ziemlichwenig-prozentige Chance, davon an Krebs zu erkranken, und zu versterben. Gleiches gilt für die Aufnahme anderer radioaktiver Substanzen. Klar, sie erhöhen die Krebs*wahrscheinlichkeit* - wie das Rauchen, das Röntgen, das Mineralwasser. Aber das heißt nicht, wie Sie implizieren, daß man von der Aufnahme radioaktiven Materials zwingend *daran* stirbt.
Sie brauchen mich im Zusammenhang mit dieser Studie nicht zu erwähnen, als jemand der etwas von Statistik versteht zweifle ich selber deren Stichhaltigkeit stark an (was nicht bedeutet, daß man mit einer ungenügenden Methode nicht doch eine richtige Tatsache ermittelt haben könnte) Auf meinen Punkt zur Gefahreneinschätzung sind sie aber leider nicht eingegangen. Sie sollten sich dazu äußern wie sie mit der Tatsache menschlicher FEHLBARKEIT umgehen wollen. Es steht nunmal fest (auch von der Atomindustrie unbestritten), daß bereits winzigste Mengen an radioaktivem Material tödlich sind. Die veröffentlichten (und oft akzeptabel kleinen!) Risiken der Atomindustrie betreffen eben nur solche Szenarien an die gedacht wurde. Erinnern sie sich, auch die Titanik galt als "unsinkbar", weil man nur den Fall von klassischen Lecks beachtete und man deren mehrfaches Auftreten (in dem beachteten Szenario völlig richtig !) als hinreichend unwahrscheinlich beurteilte. Das eingetretene Untergangsszenario aber war ein ganz anderes, dessen Eintrittswahrscheinlichkeit konnte man gar nicht angeben weil es gar nicht beachtet wurde. Das selbe gilt für die Atomkraft, sie können keine 'Sicherheiten' für Ereignissketten berechnen, die sie nicht kennen.
