Umfrage

Union im Stimmungstief - Bürger suchen „Freie Wähler“

Anscheinend attraktive Alternativen: Gabriele Pauli und die Schlagersängerin Claudia Jung sitzen für die Freien Wählern nun im bayerischen Landtag

Anscheinend attraktive Alternativen: Gabriele Pauli und die Schlagersängerin Claudia Jung sitzen für die Freien Wählern nun im bayerischen Landtag

08. Oktober 2008 Die Union steckt einer Forsa-Umfrage zufolge im Stimmungstief. CDU/CSU verloren im Vergleich zur Vorwoche vier Punkte und kommen derzeit nur noch auf 33 Prozent - das ist der niedrigste Wert, den das Institut seit Anfang 2007 für die Unionsparteien ermittelt hat. Die SPD kletterte um einen Punkt auf 27 Prozent, wie aus der am Mittwoch veröffentlichten Umfrage für die Zeitschrift „Stern“ und den Fernsehsender RTL weiter hervorgeht.

Damit verkürzte sich der Abstand der Sozialdemokraten zur Union von 17 Punkten im August auf nur noch sechs Punkte. Von der Schwäche der Union profitiert auch die FDP, die um zwei Punkte auf 13 Prozent stieg. Die Grünen kommen demnach auf 9 Prozent (plus eins). Die Linkspartei steht wie in der Vorwoche bei 13 Prozent.

Jeder Zweite zieht Stimme für Freie Wähler in Betracht

Fast jeder zweite Bürger kann sich der Umfrage zufolge vorstellen, seine Stimme bei der nächsten Landtagswahl den Freien Wählern zu geben. 45 Prozent ziehen dies in Betracht. Damit ist das Wählerpotential der freien Wählergruppe größer als das von FDP oder Grünen. Für eine dieser Parteien zu stimmen, können sich demnach jeweils 30 Prozent der Wahlberechtigten vorstellen.

Die größte Zustimmung erfahren die Freien Wähler mit 50 Prozent in Süddeutschland, am geringsten ist sie mit 39 Prozent im Norden der Republik. Arbeiter und Beamte zeigen der Erhebung zufolge mit jeweils 54 Prozent überdurchschnittlich oft Sympathien für die Freien.

Bei der bayerischen Landtagswahl vor anderthalb Wochen erhielten die dortigen Freien 10,2 Prozent der Stimmen. Im kommenden Jahr wollen Freie Wählergruppen auch bei den Landtagswahlen im Saarland und in Thüringen antreten, 2010 auch in Schleswig-Holstein. Forsa befragte 2008 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger.

Studie: Anhänger der Linken aus allen Schichten

Die Partei Die Linke hat indes einer Studie zufolge in den vergangenen Jahren in allen sozialen Schichten der Bundesrepublik an Rückhalt gewonnen. Anders als oft unterstellt werde, seien die treuen Anhänger der Partei nicht ausschließlich in den einkommensschwachen Teilen der Bevölkerung zu finden, heißt es in der Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, die am Mittwoch vorgestellt wurde. Vor allem im Osten Deutschlands könne die Partei auf überwiegend gut situierte und gebildete Unterstützer vertrauen.

„Die Sympathisanten der Linkspartei befinden sich in allen Einkommensgruppen - und nicht vorwiegend unter denjenigen, deren finanzielle Situation prekär ist oder sich verschlechtert hat“, betonten die Autoren Martin Kroh und Thomas Siedler. In Ostdeutschland sei der Anteil der „Linken“-Anhänger bei der gehobenen Mittelschicht am stärksten ausgeprägt, aber auch im Westen habe sie Anhänger in allen Einkommensgruppen, der Schwerpunkt liege jedoch in den niedrigeren Gruppen. Insgesamt könnten in den neuen Ländern etwa 30 Prozent der Menschen zu Anhängern der Linkspartei gezählt werden, in den alten Ländern dagegen nur drei Prozent.

Sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland sei diese Anhängerschaft - die nicht automatisch mit Wählern gleichzusetzen ist - in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen und rekrutiere sich nun zu großen Teilen aus Menschen, die sich zuvor keiner Partei verbunden gefühlt hätten. Überläufer von anderen Parteien seien dagegen eher selten.

Als Heimat für die Linken in Deutschland kann sich die Partei der Studie zufolge noch nicht etablieren. Nur 14 Prozent der Bundesbürger, die sich selbst als politisch links bezeichnen, seien den Anhängern der Linkspartei zuzuordnen. Der Rest - vor allem im Westen des Landes - halte überwiegend SPD und Grünen die Treue. Starke Unterschiede zwischen alten und neuen Ländern fanden die Wissenschaftler auch bei den Motiven für die Zuwendung zur Linkspartei. Während die Menschen im Westen hauptsächlich Angst um die eigene wirtschaftliche und soziale Lage haben, sorgen sich die Ostdeutschen Parteianhänger vor allem um die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa

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