Landtagswahlen

Lackmustest für die große Koalition

Von Georg Paul Hefty

Gesundheitsstreit weitet sich zum Machtkampf aus: Angela Merkel

Gesundheitsstreit weitet sich zum Machtkampf aus: Angela Merkel

19. September 2006 Jetzt kommt es auf die Kanzlerin an. Gelingt es Angela Merkel auf unterschiedlichsten Wegen, ihrem heimatlichen CDU-Landesverband doch noch die Beteiligung an der Landesregierung zu verschaffen, dann ist die Niederlage der CDU vom Wahlsonntag deutlich gemildert. Eine große Koalition in Schwerin wäre zwar eher Trostpreis als Siegerkranz, aber die CDU-Bundesvorsitzende darf nicht in den Ruch kommen, daß aus ihrer Kanzlerschaft die SPD größeren Nutzen ziehe als die Union.

Denn sonst bekämen die beiden unter recht provinziellen Verhältnissen erkämpften Landtagswahl-Ergebnisse bundespolitische Sprengkraft. Der Lackmustest ist einfach. Übergeht die SPD nonchalant die Argumentation des Schweriner CDU-Spitzenkandidaten Seidel, daß Mecklenburg-Vorpommern schon wegen der im NPD-Erfolg sichtbar gewordenen Gefahren eine breitabgesicherte Regierung braucht, dann gibt es nur zwei Deutungen: Entweder nimmt die SPD die NPD und deren Biotop gar nicht so ernst, wie sie tut, oder sie hat sich insgesamt schon vom Geist der großen Koalition als Lösungsgemeinschaft verabschiedet und arbeitet bereits auf eigene Rechnung, mit welchem Partner auch immer.

Schmelztiegel der Beliebigkeiten

Die öffentlichen Siegerposen von Wowereit und Ringstorff, Beck und Heil, sosehr sie auch die eigenen Reihen beglücken und die Öffentlichkeit irreführen, haben mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Wowereit hat zwar einen Prozentpunkt hinzugewonnen, aber die tief gefallene Wahlbeteiligung verrät, wie wenig er, der bei jedermann lieb Kind sein will, in der Bevölkerung verankert ist. Gleich, ob der bestätigte Regierende Bürgermeister nun wieder mit der Linkspartei oder mit den Grünen regiert, er wird Deutschlands größte Stadt nicht von der Hochburg der Sozialleistungsempfänger zum Dorado des Mittelstandes wandeln.

Ob er das überhaupt wollte, ist schon fraglich. Denn in diesem Schmelztiegel der Beliebigkeiten hat Wowereits politischer und geistig-moralischer Hauptgegner, die klassische Christlich-Demokratische Union, bis auf weiteres keine Chance. Das wußte die gesamte Parteiführung, aber nun mußte sie auch die Lektion lernen, daß Wowereit-Ähnlichkeitswettbewerbsgewinner von den Bürgern erst recht nicht unterstützt werden.

„Wahlsieger“ ohne echte Mehrheiten

Berlin und Mecklenburg-Vorpommern haben trotz des unterschiedlichen Ausländeranteils eines gemein: Die mit der Linkspartei regierende SPD kommt als „Wahlsieger“ auf 30 Prozent der Wählerstimmen, also etwa zwanzig Prozent der Wahlberechtigten. Dem sind zwei Angaben der Wählerschaft gegenüberzustellen: 79 Prozent sind überzeugt, daß die Wirtschaft mehr zu sagen hat als die Politik, und 74 Prozent meinen, daß keine Partei genug dafür tut, Gerechtigkeit zu erreichen.

Daraus lassen sich zwei Feststellungen ableiten: Auch linke, also sozialdemokratisch-sozialistische Mehrheiten, in denen die SPD weder mit der CDU noch gar mit der FDP faule Kompromisse eingehen muß, können die Gerechtigkeitserwartung nicht erfüllen. Schlimmer noch, auch eine linke Mehrheit kann keinen wirtschafts- und sozialpolitischen Aufschwung erreichen, der extremistischen Parteien den Boden entzöge. Der Blitzstart der NPD hat seine Verantwortlichen, nicht nur in deren Hinterzimmern.

Hilfeschrei nicht als Protest abtun

Da niemand in der Bundesrepublik die Erfahrung haben kann, daß der Einzug einer rechts- oder linksextremen Partei in die Landtage irgend etwas im Lande verbessert hätte, muß die Stimme von Arbeitslosen und jungen Leuten für die NPD wie ein Hilfeschrei von politisch Suizidgefährdeten gewertet und darf nicht als Protest von Gelegenheits- oder Berufsprotestwählern abgetan werden. Auch wenn große Koalitionen längst nicht mehr Hoffnungsträger sind, so könnten sie doch nach der Lektion vom Sonntag mehr Hilfe leisten als das bisherige Schweriner Versagerbündnis.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa, F.A.Z., Reuters

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Landtagswahlen

Merkel: Reformkurs ohne Alternative

Merkel will an höherer Mehrwertsteuer festhalten

Bundeskanzlerin Merkel will trotz der Verluste ihrer Partei bei den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern an ihrem Reformkurs festhalten. Für den SPD-Vorsitzenden Beck ist die SPD der Wahlgewinner. Den Koalitionspartner rief er zu mehr Geschlossenheit auf.

Analyse

Berliner Beständigkeit

Wowereit knüpft an Erfolge an, Pflügers Wähler blieben weg

Klaus Wowereit (SPD) ist in seinem Kurs bestätigt worden und weiterhin Regierender Bürgermeister von Berlin. Die CDU hat mit drastischem Stimmenverlust dem rot-roten Regierungsexperiment nichts entgegenzusetzen.

Analyse

Schweriner Lasten

Ministerpräsident Ringstorff (SPD)

In Mecklenburg-Vorpommern werden fortan fünf statt drei Parteien im Schweriner Landtag vertreten sein. Großer Verlierer ist die CDU, von ihrem Stimmenverlust profitierten besonders die FDP, die Linkspartei und die NPD.

Landtagswahlen

SPD und FDP fühlen sich als Gewinner

Am Tag nach den Landtagswahlen bemühten sich zumindest FDP und SPD, die Wahlergebnisse in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern als Erfolg zu verkaufen.

Ueckermünde

Wahlnachlese in NPD-Hochburg

Die Idylle ist nur vordergründig: Ueckermünde im Osten Mecklenburg-Vorpommerns ist eine der Hochburgen der NPD. Bei den Landtagswahlen entfielen hier rund 18 Prozent hier auf die Rechtsextremen.

Kommentar

Gegen die SPD geht nichts

Ein guter Wahlsonntag für die Sozialdemokraten

Zur Wahl standen die einzigen Koalitionen, in denen die Sozialdemokraten mit der Linkspartei regieren. Trotz drastischer Verluste in Mecklenburg-Vorpommern und einem lediglich soliden Ergebnis in Berlin kann die SPD zufrieden sein: Sie wird in beiden Ländern an der Macht bleiben.

NPD

Mit „Kameradschaften“ in den Landtag

Rechtsextreme im Parlament: Udo Pastörs mit dem NPD-Fraktionschef in Sachsen, Holger Apfel

Der Masseneintritt militanter Neonazis und kräftige Finanzhilfe aus Sachsen haben den NPD-Wahlerfolg in Mecklenburg-Vorpommern möglich gemacht. Mit vordergründig unverdächtigen Bürgerinitiativen ist es den Braunen gelungen, sich im Nordosten zu verwurzeln.

Wahl zum Abgeordnetenhaus

In Berlin reicht es für Rot-Grün

Leichte Gewinne und ein haushoher Vorsprung für die SPD

Die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus hat die SPD klar gewonnen. Bürgermeister Wowereit kann sich seinen Koalitionspartner nun aussuchen: Sowohl mit den Grünen als auch mit der Linkspartei käme die SPD auf eine knappe Mehrheit der Sitze.

Mecklenburg-Vorpommern

Weiter Rot-Rot oder große Koalition in Schwerin?

Herbe Verluste für die SPD unter Ministerpräsident Ringstorff

Trotz drastischer Verluste bleibt die SPD unter Ministerpräsident Ringstorff im Nordosten stärkste Partei. Das rot-rote Bündnis hätte weiter eine knappe Mehrheit. Die CDU hofft auf eine große Koalition. Erstmals hat die NPD den Sprung ins Schweriner Parlament geschafft.

Landtagswahlen

Trotz Verlusten: Mehrheiten für Rot-Rot

Wowereit hat haushoch gewonnen, Ringstorff herbe Verluste erlitten

Die SPD bleibt in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern die stärkste Kraft. Die CDU verfehlte ihre Wahlziele um Längen. In Schwerin hat neben der FDP auch die NPD den Sprung in den Landtag geschafft.

Wahlen

Wowereit gewinnt in Berlin, Zitterpartie in Schwerin

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Kommentar

Debattenfrüchte

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Der drohende Einzug der NPD in den Landtag war in den letzten Wochen das zentrale Wahlkampfthema in Mecklenburg-Vorpommern. Jetzt ist das Land blamiert. Es braucht eine große Koalition der Demokraten.

Kommentar

Nützliche Idioten

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Vor fünf Jahren ging Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit entschlossen eine Koalition mit der PDS ein. Sie bestimmte die Richtung seiner ganzen Politik. Als nützliche Idioten sind die Sozialisten nur so lange unentbehrlich, wie man sie braucht.

Landtagswahlen

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Landtagswahlen

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CDU

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Schwarz-Rot im Bundesrat womöglich vor Zweidrittelmehrheit

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Berliner Grüne

Günstige Signale

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Der Jubel der Berliner Grünen über das Wahlergebnis ließ nicht lange auf sich warten. Selbstbewußt forderten sie, die SPD müsse sich nun entscheiden, ob sie mit den Wahlverlierern von der Linkspartei oder ihnen weiterregieren wolle.

Berlin

Bürgermeister Wowereit zeigt Stehvermögen

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Sein Wahlspruch lautet „Konsequent Berlin“. Klaus Wowereit (SPD), der amtierende Bürgermeister der Landeshauptstadt, hat seine Rolle als „regierender Partymeister“ gegen bundespolitischen Ehrgeiz getauscht.

Berlin

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Mit Fleiß hat sich der CDU-Spitzenkandidat den Berlinern bekannt gemacht, doch populär ist er nicht geworden. Ein Machtmensch, das zeigt seine Berliner Mission, ist Friedbert Pflüger trotz seiner großen politischen Erfahrung nicht.

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In Mecklenburg-Vorpommern geht ein Wahlkampf zu Ende, dem es an Themen fehlte. In den Umfragen liegen CDU und SPD gleichauf - bei mageren 30 Prozent.

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Bei der Schweriner Landtagswahl tritt am Sonntag der relativ unbekannte Jürgen Seidel (CDU) gegen den landesväterlichen Regierungschef Harald Ringstorff (SPD) an. Zwischen den beiden Parteien könnte es trotzdem eng werden.

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Mit Sprüchen wie „Berlin ist arm, aber sexy“ wurde der seit 2001 amtierende Regierende Bürgermeister Wowereit (SPD) überaus populär. Doch hinter den markigen Worten verbergen sich grobe politische Mißstände in der Haupstadt.

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Die Partei ist radikaler geworden, gleichwohl sind gewalttätige Auftritte nicht mehr üblich - auch keine Glatzen und Springerstiefel. Mit einem bürgerlichen Auftritt will die NPD bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ins Parlament einziehen.

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Berliner Wahlkampf

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Im lahmen Berliner Wahlkampf müht sich Friedbert Pflüger für die CDU ab. Dabei rechnet er mit einer Niederlage. Sein Kontrahent Klaus Wowereit dagegen präsidiert und genießt.