25. Juni 2008 In einer kämpferischen Rede vor der SPD-Bundestagsfraktion hat der SPD-Vorsitzende Beck um Zustimmung zu seiner Person und um Geschlossenheit geworben. Beck versicherte: Ich lasse mich nicht von außen wegpusten. Beck wurde mehrfach vom Beifall der Abgeordneten unterbrochen. Seine Äußerung Wenn ich Teil des Problems sein sollte, klebe ich an keinem Stuhl wurde auch als Andeutung auf den Verzicht auf die Kanzlerkandidatur verstanden.
Weiterhin sagte er: Klar ist, ich werde weiter für diese Partei kämpfen. Zur offenen Frage der Kanzlerkandidatur kündigte Beck an: Zwischen Frank-Walter Steinmeier und mir wird es in freundschaftlicher und klarer Weise abgehen. Wir werden uns keinerlei Schwierigkeiten machen, aber auch keinen Terminkalender von außen aufschwätzen lassen. Auch diese Bemerkungen wurden als Ankündigung wahrgenommen, Beck wolle nicht Kanzlerkandidat werden, sondern Steinmeier den Vortritt lassen. Er wolle aber das Heft des Handelns in der Hand behalten.
Später sagte Beck im ZDF zu Presse-Interpretationen, er habe seinen Rücktritt angeboten: Die Agenturen irren. In dem Fall bin ich einfach nicht richtig wiedergegeben worden. Fraktionschef Peter Struck sagte dazu: Das steht überhaupt nicht zur Debatte. Der Parteichef habe großen, demonstrativen Beifall für seine politische Rede erhalten. Jeder in der Fraktion sei überzeugt, dass Beck der richtige Parteivorsitzende sei und dass er den richtigen Weg gehe, sagte Struck. Er selbst habe dies mit den Worten zusammengefasst: Kurt, du kannst dich auf die SPD-Fraktion verlassen! Teilnehmer sagten, es sei definitiv keine Rücktrittsdrohung gewesen. Am Abend wurde Struck noch deutlicher. Einen solchen Schwachsinn kann ich überhaupt nicht mehr ertragen, sagte er auf einem Sommerfest seiner Fraktion.
Man muss nicht in jedes Mikrofon beißen
Spekulationen in der Partei, auch Finanzminister Steinbrück komme als Kandidat in Betracht, haben sich damit erledigt. Zudem hieß es, dieser habe sich nicht in dieser Rolle gesehen. Auf dem SPD-Landesparteitag in Niedersachsen war Steinmeier schon am Wochenende von Weggefährten als Kanzlerkandidat ausgerufen worden. Beck rief in der Fraktion: Gemeinsam nach vorn. Das ist die Aufgabe. Lasst uns daran glauben.
Wegen des Trommelfeuers von Umfragen und öffentlicher Kritik könne er manche Nervosität nachvollziehen. Die Partei müsse zu inhaltlichen Diskussionen zurückkehren. Das stärkt die Partei. Das gibt Kraft. Der Fraktionsvorsitzende Struck sagte nach der Rede Becks: Kurt, Du kannst Dich auf die SPD-Fraktion verlassen. Struck verwies in einer Übersicht auf Erfolge der SPD. Er schrieb in seinem Bericht: Leider haben wir in den vergangenen Monaten diese Erfolge nicht in den Vordergrund gestellt, sondern lieber mit uns selbst beschäftigt. Er wünschte den Abgeordneten eine erholsame Sommerpause. Struck schrieb: Damit das gelingt, eine wichtige Empfehlung: Man muss nicht in jedes Mikrofon beißen.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa