24. Januar 2005 Etwa 700 Euro im Monat braucht ein deutscher Student im Durchschnitt. Wer zu lange studiert, muß zusätzlich in einigen Bundesländern Strafgebühren entrichten.
Bald könnten für alle Studenten an staatlichen Hochschulen Studiengebühren fällig werden. 500 Euro im Semester sind im Gespräch. Studenten an privaten Hochschulen zahlen schon jetzt Gebühren - und die sind deutlich höher. Bei der Finanzierung dieser Kosten unterstützen die Eltern nicht immer. Viele Studenten jobben, doch das verlängert die Studiendauer. Bafög und Stipendien bieten seit langem einen Ausweg. Jetzt helfen auch Fonds und Kredite.
Private Bildungsfonds
Unternehmen, Stiftungen und Privatpersonen zahlen in einen Fonds ein, der Studenten unterstützt. Sie müssen die Förderung später im Berufsleben verzinst zurückzahlen. Das Geld wird unabhängig vom Einkommen der Eltern und im Gegensatz zu herkömmlichen Krediten ohne Hinterlegung von Sicherheiten gewährt. Um zu verhindern, daß die Studenten nach der Uni keine Arbeit finden und der Kredit nicht zurückgezahlt wird, werden nur überdurchschnittlich begabte Bewerber gefördert.
Führend bei Bildungsfonds ist der Münchner Dienstleister Career Concept. Er bietet spezielle Programme in Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule München, der Handelshochschule Leipzig, der Gisma Business School Hannover, der Macromedie Akademie für Neue Medien und in Zusammenarbeit mit der Deutschen Kreditbank für alle Hochschulen in den neuen Bundesländern und Berlin. Für alle Hochschulen in den alten Ländern gibt es begrenzte Kontingente. Gezahlt werden je nach Modell bis zu 500 Euro im Monat oder bis zu 80 Prozent der Studiengebühren. Die Rückzahlung der Kredite erfolgt später einkommensabhängig.
Bildungskredit der KfW
Das Darlehen wird in monatlichen Raten von 300 Euro ausgezahlt, längstens 24 Monate lang, das heißt 7.200 Euro höchstens. Wenn ein entsprechender Bedarf nachgewiesen wird, etwa für die Anschaffung kostenintensiver Arbeitsmaterialien, kann zusätzlich eine einmalige Zahlung von bis zu sechs Raten zu 300 Euro in einer Summe beantragt werden. Der Höchstbetrag von insgesamt 7.200 Euro darf dabei nicht überschritten werden.
Sicherheiten sind nicht erforderlich. Das Darlehen ist vom Tag der Auszahlung an zu verzinsen. Bis zum Beginn der Rückzahlung werden die Zinsen gestundet. Der Zinssatz ist variabel und beträgt derzeit 3,22 Prozent. Die ersten vier Jahre, beginnend mit der ersten Zahlung, sind tilgungsfrei. Danach beginnt die Rückzahlung in monatlichen Raten zu 120 Euro. Voraussetzung für den Kredit ist die bestandene Zwischenprüfung. Studienanfänger werden also nicht gefördert. Es wird aber an einem neuen Angebot gearbeitet. Es ist unabhängig von der Einführung der Studiengebühren, versichert Sonja Höpfner von der KfW. Spekuliert wird über eine höhere Förderung, die zudem schon im ersten Semester einsetzt.
Bankendarlehen
Private Finanzinstitute haben noch keine Modelle im Angebot, arbeiten aber daran. Wir prüfen Möglichkeiten zur Studienfinanzierung, die nicht mehr nur von der Bonität der Studenten abhängen, sagt Michael Lermer von der Deutschen Bank. Einen Zeitplan gibt es jedoch noch nicht. Einzelne Sparkassen wie die am Bodensee oder in Koblenz kooperieren mit lokalen Hochschulen und bieten vergünstigte Kredite an.
Hochschulprogramme
Private Hochschulen, die hohe Studiengebühren verlangen, bemühen sich auch teilweise um die Finanzierung. An der Privatuniversität Witten/Herdecke etwa wurde ein umgekehrter Generationenvertrag eingeführt. Das heißt: In den ersten acht Berufsjahren zahlen Absolventen der Hochschule monatlich acht Prozent ihres Brutto-Einkommens an die Studierende Gesellschaft, die damit die derzeitigen Studenten fördert. Nachteil: Wer nachher gut verdient, zahlt selbst unter Berücksichtigung einer angemessenen Verzinsung eventuell deutlich mehr, als er an Förderung bekommen hat. Und wer schnell studiert hat, zahlt nicht weniger als Bummelstudenten.
Nähere Informationen unter www.career-concept.de und www.kfw-foerderbank.de
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 23.01.2005, Nr. 3 / Seite 51
Bildmaterial: F.A.Z.