Väter an der Wiege

CDU ringt mit sich selbst um das Elterngeld

Die Vorschläge der Ministerin schmecken nicht jedem in der Union

Die Vorschläge der Ministerin schmecken nicht jedem in der Union

23. April 2006 Im Streit der Union über das geplante Elterngeld und die sogenannten Vätermonate hat Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) Rückenwind von den Ministerpräsidenten des Saarlandes und von Baden-Württemberg bekommen.

Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.), er halte die Kritik für überzogen. Ob eine „Väterkomponente“ eingeführt werde oder nicht, betrachtet Müller zwar als zweitrangig. „Durchaus positiv“ nennt er aber, wenn „sanfter Druck“ dazu führe, daß mehr Väter Erziehungsurlaub nähmen. In der Union ist umstritten, ob das Elterngeld nur dann ein Jahr lang gezahlt werden soll, wenn auch die Väter zwei Monate lang pausieren und sich um die Kinder kümmern.

Positive Signale auch aus Hessen

Franz Müntefering: Vätermonate “nicht verhandelbar“

Franz Müntefering: Vätermonate "nicht verhandelbar"

Auch Müllers baden-württembergischer Parteifreund Günther Oettinger sprach sich gegenüber der F.A.S. indirekt dafür aus, die angestrebte Honorierung der Erziehungsarbeit von Vätern im Gesetzesentwurf zu belassen. „Ich gebe den Rat, möglichst nah an der Koalitionsvereinbarung zu bleiben und diese Frage nicht zu einer Glaubensfrage zu machen“, sagte Oettinger.

Positive Signale für das Konzept von Frau von der Leyen kommen ebenfalls aus Hessen. Einerseits bekundeten viele Väter, mehr an der Erziehung ihrer Kinder beteiligt sein zu wollen, andererseits wüßten sie aber nicht, wie das in die Tat umzusetzen sei, wie es im Betrieb aufgenommen würde und was die Kollegen dazu sagten, führte die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger (CDU) aus. Sie sehe sich mit Ministerpräsident Roland Koch (CDU) „völlig einig, daß auch die Väter ihren Beitrag leisten wollten und sollten“.

Von Beust will keine „Bevormundung“

Zu dem Argument der Kritiker des geplanten Elterngeldes, der Staat solle nicht in die Familien hineinregieren, sagte Frau Lautenschläger der F.A.S., es gehe ja um einen freiwilligen Schritt, allerdings mit großer psychologischer Wirkung. Ministerpräsident Müller wiederum bezeichnete es als „entscheidend“, daß nichtberufstätige Mütter gegenüber erwerbstätigen Müttern nicht benachteiligt würden. Dies sei durch die Einführung eines Sockelbetrags von 300 Euro im Monat sichergestellt.

Zweifel an dem Modell der Bundesfamilienministerin meldete hingegen Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust (CDU) an. Mit Blick auf die „Vätermonate“ sagte er, er sei dagegen, „die Menschen bevormunden zu wollen“. Skeptisch äußerte sich von Beust zudem darüber, ob finanzielle Anreize der richtige Weg seien, um die Menschen wieder dazu zu bewegen, mehr Kinder in die Welt zu setzen. Wichtiger sei, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärker zu fördern.

SPD: „Vätermonate“ nicht verhandelbar

Auch CDU-Präsidiumsmitglied Dagmar Schipanski kritisierte das Vorhaben der Bundesfamilienministerin. Die Regelung sei praktisch nicht durchführbar, sagte sie der „Thüringer Zeitung“. Die Familie müsse entscheiden, wer wann zu Hause bleibe.

Die SPD nahm unterdessen Frau von der Leyen gegen die Kritik aus Unionsreihen in Schutz. Manche in der Union hätten offenbar das Konzept des Elterngeldes noch immer nicht verstanden, sagte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil der „Berliner Zeitung“. Bundesarbeitsminister Franz Müntefering bekräftige, für die SPD seien die „Vätermonate“ nicht verhandelbar.

Text: cw./rso./Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

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