
<<Von insgesamt 451.300 gemusterten Wehrpflichtigen entsprachen demnach im vergangenen Jahr nur 54,9 Prozent den körperlichen und psychischen Anforderungen.>>
Sport und Politik lassen sich nicht voneinander trennen.

Merkwürdig, dass man sonst so sehr auf die Einhaltung der Verfassung erpicht ist und dem Staat verbietet entführte Flugzeuge abzuschießen, aber dabei ganz und gar den permanenten Verfassungsbruch übersieht, den dieser Staat Tag für Tag begeht. Das Grundgesetz verleiht Männern und Frauen gleiche Rechte und damit auch gleiche Pflichten, eine Bevorzugung oder Benachteiligung aufgrund des Geschlechtes untersagt es, folglich hätte es von Anfang an eine Wehepflicht für Frauen und Männer geben müssen. Dies mag zwar der konservativ-patriarchalischen Sichtweise nicht gefallen, ist aber von der Verfassung zwingend vorgeschrieben.
Ferner ist die Vernachlässigung der Wehrfähigkeit eine politische Torheit ohne gleichen: Jeder halbwegs renommierte Experte prophezeit ein unruhiges 21. Jahrhundert, aber die Regierung vernachlässigt die militärische Ausbildung der Bürgerschaft in sträflichster Weise. Die Wehrpflicht dient weder dem Beschaffen von Zivildienstleistenden noch dem Weltfrieden oder sonstigen humanitären Humbug, sondern der Landesverteidigung. Das Volk in Waffen ist nicht umsonst Ideal der Demokratie. Was hier versäumt wird lässt sich im Ernstfall nicht ohne weiteres korrigieren und der kommt schneller als man denkt.

Vergleichen wir einmal zwei Durchschnittpersonen:
Person A hat mit 13 Jahren Abitur gemacht, leistet danach seinen Zivildienst und fängt ein Jahr nach dem Abitur mit seinem Diplomstudium an. Hört sich ganz normal an, oder? So war es doch bis jetzt meist...
Person B, der moderne Durchschnittsmensch, macht mit 12 Jahren Abitur, wird ausgemustert, ist weiblich oder wird nicht eingezogen (Wahrscheinlichkeit weit über 50%) und fängt direkt nach dem Abitur mit dem Bachelor-Studiengang an. Die neue Generation...
Fühlt man sich da nicht ein wenig verarscht als Person A, zumal Person B mit der gleichen Qualifikation (so soll es zumindest sein) viel jünger in die Arbeitswelt geht (über 3 Jahre...) ?
Außerdem ist es für Leute wie mich, die direkt nach dem Abitur studieren wollte, eine absolute Schweinerei, aus dem Lernprozess rausgeworfen zu werden und Tätigkeiten nachzugehen und mit Leuten zu tun zu haben, die einen wie der letzte Dreck behandeln. Da geht der ganze Elan und die ganze Motivation, die man aus der Schulzeit mit ins Studium nehmen wollte, nahezu verloren. Ein Jahr eher mit dem Studium fertig zu sein hätte dem Staat mehr gebracht als mein Zivildienst. Man denke nur mal an die Steuern und an den Kosum...

Verfassungsrechtlich bedenklich ist ja wohl eher die gegenwärtige Situation, in der die Hälfte der männlichen Bevölkerung benachteiligt wird. Schließlich müssen die Ausgemusterten keinen Ersatzdienst leisten und gewinnen dadurch gegenüber den Wehr- oder Zivildienstleistenden ein Jahr in Studium und Berufsleben.
Desweiteren verstehe ich ihren Einwand nicht, der Zivildienst allein könne nicht verfassungsgemäß sein: Auch zum Wehrdienst wird man schließlich gezwungen, wenn man nicht ethische Bedenken vorweisen kann. Nominell gibt es also gar keine Wahlmöglichkeit. Warum sollte jemand also zum Militärdienst gezwungen werden können, nicht aber zum ethisch einwandfreien Zivildienst.
Auch halte ich die Diskussion um die Wehrpflicht für relativ ideologiefrei. Ganz pragmatisch muss man sich fragen, ob eine große Armee mittelmäßig Ausgebildeter den heutigen Heurausforderungen noch gewachsen ist, oder ob eine kleinere Truppe von Spezialisten nicht besser geeignet ist.
Dass die gegenwärtigen Musterungspraktiken bei der Bundeswehr oft auf Willkür und der Laune des Arztes basieren, ist doch bekannt. An meiner Schule wurde fast der gesamte Sport-LK ausgemustert, während ein physisch eher Minderprivilegierter wie ich T2 erhielt.

Ich selbst habe Mitte der 90er meinen Wehrdienst abgeleistet. Schon damals ein eher sinnloses Unterfangen, durfte ich doch doch jedes WE eine fahrt mit dem Zug von 6 bis 8 Stunden in Kauf nehmen, nur um beim Bund zu sein - toll!
Ich bin fest der Meinung, dass der Wehrdienst überaltert ist! Stellen Sie sich einmal vor die Bundeswehr müsste tatsächlich das Land verteidigen. Dann ist die beste Verteidigung die Flucht!

ich selbst bin auch jahrgang 84 und aus meiner erfahrung bei der musterung muss ich schließen das die bundeswehr die meisten bewerber einfach los werden möchte.
das zeigt sich auch darin das man die angaben der wehrpflichtigen nicht mehr kontrolliert werden; "mein knie tut weh, ich kann schlecht hören" etc lassen sich schnell vortäuschen.
auch wurden, glaube ich, ab 84 nur noch die tauglichkeitsgrade 1 und 2 einberufen.
mit kurzfristiger zahnspange und als ANGEBLICHER drogennutzer habe ich t3 bekommen und konnte gehen - kein wehrdienst, kein zivildienst

... von der Faz dass man den Artikel mit einer herablassenden Beschimpfung der per se zwangsdienstleistenden als "schlappe Jungs" eröffnet und nahezu im gleichen Atemzug ein Photo mit dem Titel "Frauen gegen den Krieg" darstellt. Was wird bitteschön hiermit suggeriert? Männer als Täter und Frauen als pazifistisches Opfergeschlecht? oder verstehe ich das falsch!
Ist das nicht schön, wenn Frau aufgrund ihres Gelechts sich leisten kann, pazifistisch zu sein und kein Zwangsdienst leisten muss. Wenn Mann aber dies möchte, dann wird Mann als schlapp bezeichnet. Da wird hier bewußt oder unbewußt entlarvt, dass die Wehrgerechtigkeit eine Farce ist.

...des "Wehrdienstes" sollten die meistens Jungs doch noch geeignet genug sein: Spindsaufen, Rauchpausen, Willkür durch Vorgesetzte, Zeit-tot-schlagen usw.
Da lernt man(n) fürs Leben!

Wenn der volkswirtschaftliche Schaden durch
ein Jahr weniger produktiver Arbeit und in
Folge geringerem BIP, Steuer- und Sozialabgaben etc.
dem Verteidigungshaushalt angelastet wuerde,
waere wahrscheinlich schon laengst Schluss mit
dem Unsinn ...

Sind wir mal ehrlich. Wie viele von den tauglichen Jungs gehen denn überhaupt zum Bund? Zivildienstleistung mittlerweile ein fester Teil des Systems. Wenn aber die Untauglichkeitsrate steigt und die Geburtenrate gleichbleibt sinkt folglich die Anzahl der Wehrpflichtigen und damit auch die Anzahl der Wehrdienstverweigerer. Und wo bitte ist die Gerechtigkeit, wenn die Hälfte der Deutschen ein Jahr früher das Studium beginnen und die andere Hälfte - aufgrund körperlicher Tauglichkeit - in Krankenhäusern und Kindergärten arbeiten.
Im übrigen bin auch ich wehrtauglich gemustert und habe Zivildienst geleistet. In meinem Bekanntenkreis war ich damit fast der einzige. Dritte Sohn Reglung, fehlender Einzugsbescheid und Untauglichkeit ließen schon damals die Frage aufkommen, ob das Ganze mittlerweile nicht willkürlich ist.

Aus dem Artikel geht nicht eindeutig hervor, warum eigentlich ausgemustert wird.
Wird nur wegen körperlicher "Nicht-Eignung" ausgemustert, oder was sind noch Argumente, die über den Eignungsgrad für den Dienst an der Waffe entscheiden? Unter Umständen wäre nämlich das Auswahlkriterium hinter der Musterung zu hinterfragen. Warum gibt es eigentlich keine "Gewissensprüfung" für Soldaten, wie sie zur Zeit meines Staatsdienstes (1991/92) für Zivildienstleistende üblich war?