05. April 2007 Bestechliche Mitarbeiter des Bundeskriminalamts (BKA) haben jahrelang Informationen zu terrorverdächtigen Aktivitäten in Deutschland an Journalisten verkauft. Es handle sich um einzelne korrupte Beamte, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke am Donnerstag in Wiesbaden.
Zu den Abnehmern hätten drei Focus-Mitarbeiter gehört, die durch das BKA jedoch nie abgehört oder bespitzelt worden seien, erklärte Ziercke und widersprach damit dem NDR-Politikmagazin Panorama, das laut Vorabmeldungen am Donnerstagabend von groß angelegten Ausforschungen berichtet.
Keine Bespitzelung von Journalisten
Der Nachrichtenhandel habe eine Dimension gehabt, wie ich es nicht für möglich gehalten habe, sagte Ziercke. Es habe einen schwunghaften Handel mit Behördenunterlagen gegeben. Die schwarzen Schafe seien bis heute nicht enttarnt, die Ermittlungen jedoch eingestellt. Zum Abgleich der Verbindungsdaten sei man durch richterlichen Beschluss verpflichtet gewesen. Deshalb kann man nicht von einer Bespitzelung von Journalisten sprechen, betonte der Behördenleiter.
Informant des BKA war nach Angaben Zierckes der deutsche Agent Werner Mauss. Ende 2002 habe dieser das BKA erstmals darüber unterrichtet, dass der Focus-Redakteur Josef Hufeschulte ihm vertrauliche BKA-Protokolle über terroristische Bedrohungen Deutschlands zum Kauf angeboten habe.
Einen Auftrag vom BKA habe Mauss nie erhalten, sagte Ziercke. Die Informationen seien über einen sehr langen Zeitraum und an mehrere Journalisten geflossen. Vermutlich stehe auch der Freitod eines BKA-Direktors im Jahr 1993 mit den Vorgängen im Zusammenhang. Unter den weitergegebenen Informationen seien Daten über terroristische Netzwerke, geplante Sprengstoffanschläge im Ausland und Beurteilungen zur Gesamtlage der ABC-Waffen in Deutschland gewesen.
Text: FAZ.NET mit ddp, AP
Bildmaterial: dpa