Von Stefan Dietrich
05. September 2007 Für die Ergebenheitsadressen, die am Tag nach seinem Wutausbruch im Parteirat an ihn gerichtet wurden, wird sich der SPD-Vorsitzende Beck nicht viel kaufen können. Sie kamen aus der zweiten und dritten Reihe der Partei – also gerade von dort, wo Beck die Heckenschützen verortet, die ihm das Leben schwermachen.
Doch wer war eigentlich gemeint mit jenen, die hinter den Büschen sitzen“ und ihn mit Zwischenrufen“ ärgern? War es der Saarländer Maas, der wie der sprichwörtliche getroffene Hund – gut, dass die mal einen Anpfiff bekommen haben“ – gleich den Pfeil auf andere lenkte? War es der ebenfalls vor einem schweren Wahlgang stehende Niedersachse Jüttner? Die hätte sich der Parteivorsitzende längst zur Brust nehmen können.
Skepsis an der Basis
Das Schwierige an Becks Lage ist, dass das Gegrummel über seine Führungsfähigkeiten weit tiefer in die Partei hineinreicht als sein Arm und dass die Skepsis an der Basis – und genauso in der um ihre Mandate bangenden Bundestagsfraktion – mit jeder Woche wächst, in der die Umfragewerte der SPD und ihres Vorsitzenden im Zwanzig-Prozent-Tief verharren.
Umfragen, da hat Beck recht, können sich ändern. Doch es hängt nicht nur von der Stärke seiner Nerven ab, ob er darauf warten kann, dass ein gütiges Geschick (oder ein Fehler der Bundeskanzlerin) diese Trendwende einleitet.
Mehr als faule Kompromisse nötig
Die SPD steht vor einer Richtungsentscheidung, die Beck selbst noch nicht so recht wahrhaben will. Auf dem Parteitag im Oktober wollen die Delegierten wissen, wohin die Reise geht: weiter mit einer abgespeckten Agenda 2010 oder auf Gegenkurs; weiter mit der Wehrpflicht oder ohne sie; weiter an der Seite der Amerikaner in Afghanistan oder nur noch im europäischen Verbund.
Die Bataillone, welche die SPD in diesen und anderen Fragen nach links oder rechts ziehen wollen, sind längst aufmarschiert. Solange die Debatte über das Grundsatzprogramm andauerte, konnte sich Beck auf die Rolle des Moderators zurückziehen.
In sechs Wochen aber erwarten die Delegierten von ihm mehr als faule Kompromisse à la freiwillige Wehrpflicht“. Nicht so sehr die Umfragen und die Zwischenrufe aus der Partei ließen Beck jetzt aus der Haut fahren – vielmehr war es seine Angst vor Festlegungen, die ihn und die SPD zerreißen könnten.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa