Bayern

Schnappaufs Fell

Von Albert Schäffer

Schnappauf und Stoiber

Schnappauf und Stoiber

05. September 2007 Mit dem angekündigten Rückzug des bayerischen Umweltministers Schnappauf aus der Landespolitik hat ein beliebter Zeitvertreib in der CSU neuen Schwung erhalten: das Spekulieren, wer was in der CSU und einem Kabinett Beckstein werden könnte. Zumindest bis zum 16. Oktober, dem Tag, an dem Beckstein seine Mannschaft präsentieren will, ist Artikel 43 der Landesverfassung außer Kraft gesetzt, der bestimmt, dass die Staatsregierung höchstens18 Mitglieder umfassen darf. Bis dahin dürfen großzügige Tableaus skizziert werden, mit immer neuen Namen - jeder zweite Landtagsabgeordnete der CSU wird später seinen Kindeskindern berichten können, er sei auch einmal als Staatssekretär, ja sogar als Minister im Gespräch gewesen.

Die Entscheidung im Bundesverband der Industrie (BDI), Schnappauf zum Hauptgeschäftsführer zu berufen, soll am 24. September fallen. Es wird sich anbieten, dass Schnappauf, sollte seine Kandidatur für das BDI-Amt nicht noch einem Berliner Intrigenspiel zum Opfer fallen, zusammen mit den anderen Ministern des Kabinetts zum Ende der Regierungszeit Stoibers ausscheidet. In München ist aufmerksam registriert worden, dass die Nachricht über die Kandidatur Schnappaufs für die BDI-Aufgabe früh in Berlin durchsickerte - zumal solche Indiskretionen oft ein Mittel sind, um unerwünschte Bewerber zu Fall zu bringen.

Söders Begeisterung für den Umweltschutz

Werner Schnappauf

Werner Schnappauf

Viel Energie wird in der bayerischen Landeshauptstadt auf die Analyse möglicher Berliner Ränkespiele aber nicht verwandt - schließlich bieten die eigenen virtuellen Welten genügend Raum für Personalspekulationen. Zu den Lieblingsverdächtigen gehört CSU-Generalsekretär Söder, der schon zum Umweltminister ausgerufen wird, noch bevor Schnappauf in seine neue Berliner Aufgabe berufen worden ist. Söder ist in der komfortablen Lage, in der Generation der Vierzigjährigen in der CSU nicht viele Konkurrenten zu haben. Seinen Ruf, allzu leichtfüßig durch die Programmatik der Partei zu wandeln und mal hier, mal da eine bunte Blume zu pflücken, ist er in seinem Amt als Generalsekretär, das er seit der Landtagswahl im Jahr 2003 ausübt, zwar nicht ganz losgeworden, doch übergehen kann Beckstein ihn nicht.

Söder hat schon einmal vorsorglich seine ganz große Begeisterung für den Umweltschutz unter besonderer Berücksichtigung von Klimafragen entdeckt. Die lästige Lebensmittelüberwachung an ein anderes Ressort abzugeben und als Minister für Umwelt- und Klimaschutz aufzutreten, wäre ganz nach Söders Geschmack, samt der angenehmen Perspektive, in einen medialen Dauerclinch mit Bundesumweltminister Gabriel von der SPD zu gehen.

Dreifache Frauenpower

Die Überlegungen, Söder in das Umweltministerium zu versetzen, sind noch um so reizvoller, als sich damit Gedankenspiele um das Amt des CSU-Generalsekretärs verbinden lassen. Die kommende Führungsspitze der CSU wird mit einem Ministerpräsidenten Beckstein und einem Parteivorsitzenden, der entweder Huber oder Seehofer heißt, sehr männlich und nicht sehr jugendlich sein; die Kandidatur der Fürther Landrätin Pauli für den Parteivorsitz gilt als aussichtslos. Eine jüngere Frau zur nächsten Generalsekretärin zu küren, läge nahe - schon um, salopp formuliert, der Frauenpower der Schwesterpartei CDU, von der Bundeskanzlerin bis zur Bundesfamilienministerin, etwas entgegenzusetzen. Und die CSU ist in der Lage, zumindest im Reich der Spekulationen mit mehreren Namen für die Position einer Generalsekretärin aufwarten zu können.

Zwei Politikerinnen werden bevorzugt genannt - die Landtagsabgeordnete Christine Haderthauer und die Bundestagsabgeordneten Ilse Aigner, beide in den Vierzigern. Mit einer der beiden Politikerinnen, die als durchsetzungsfähig und eloquent gelten, könnte die CSU nicht nur in Berliner Fernsehrunden ein neues, jüngeres, weibliches Gesicht erhalten. Wenn der Blick zum künftigen Kabinett Beckstein schweift, fällt noch auf eine dritte Frau ins Auge, die Europaabgeordnete Angelika Niebler. Alle drei Politikerinnen haben den Vorzug, zum Bezirksverband Oberbayern zu gehören, der mächtigsten Parteigliederung in der CSU, die darauf achten wird, dass bei einer Doppelspitze aus dem Franken Beckstein und möglicherweise dem Niederbayern Huber ihr regionales Gewicht beachtet wird.

Intermezzo mit Beckstein

Die Lust an großen und kleinen Konjunktiven wird noch weiter geschürt durch die Notwendigkeit, ein Übergangsquartier für einen Parteivorsitzenden Huber zu finden. Huber will erst nach der Bundestagswahl nach Berlin wechseln. Seine gegenwärtige Aufgabe als Wirtschaftsminister bringt viele Termine in ganz Bayern mit sich; weniger zeitlich beanspruchend wäre das Finanzressort, dessen Chef Faltlhauser in diesem Monat 67 Jahre alt wird. Dass Huber an die Spitze der Landtagsfraktion rückt, ist wenig wahrscheinlich. Zu frisch dürfte bei manchen Abgeordneten noch die Erinnerung an die Verwaltungsreform sein, die Huber vorangetrieben hatte.

Könnte bald bayerischer Umweltminister werden: CSU-Generalsekretär Markus Söder

Könnte bald bayerischer Umweltminister werden: CSU-Generalsekretär Markus Söder

Es ist also eine spekulative Hochzeit in der CSU angebrochen - zu deren schönsten Blüten gehört, dass der Berliner Regierungssprecher Ulrich Wilhelm als möglicher Ministerpräsident nach einem Intermezzo mit Beckstein genannt wird, der im November 64 Jahre alt wird. Kühn wird ein Zeitplan entworfen, in dem 46 Jahre alte Wilhelm zunächst im Ministerrang die Leitung der Staatskanzlei übernehmen könnte, um dann nach dieser Art Traineeausbildung Beckstein zu ersetzen.

Schließlich sei es Stoibers beste Zeit gewesen, als Wilhelm dem bayerischen Ministerpräsidenten als Sprecher diente, lautet eine beliebte Lesart - und die Kanzlerin stehe schließlich auch exzellent da in der öffentlichen Wahrnehmung. Merkels Wilhelm kommt als neuer Stoiber nach München zurück - es sind erregende Szenarien, die spätestens beim dritten Schoppen Frankenwein in der Landtagsgaststätte ausgemalt werden: Fortsetzung mindestens bis zum 16. Oktober garantiert.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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