07. Juni 2006 Die 73 Jahre alte Charlotte Knobloch ist neue Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. Der Zentralrat wählte Knobloch am Mittwoch in Frankfurt einstimmig bei ihrer eigenen Enthaltung zur Nachfolgerin des Ende April verstorbenen Paul Spiegel.
Die bisherige Vizepräsidentin und langjährige Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde von München ist damit die erste Frau an der Spitze der politischen Vertretung der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland. Knobloch hatte bereits zum zweiten Mal für das Amt kandidiert: Im Januar 2000 wollte sie die Nachfolge des im August 1999 gestorbenen Ignatz Bubis antreten, unterlag damals aber in einer Kampfabstimmung Paul Spiegel.
Zu nachgiebig gegenüber Iran
Für Knobloch rückt als Vizepräsident neben Salomon Korn aus Frankfurt Dieter Graumann nach, der ebenfalls aus der Mainmetropole kommt. Der Zentralrat als höchste politische und religiöse Repräsentanz der jüdischen Gemeinschaft spricht für die etwa 100.000 Juden in Deutschland. (Siehe auch: Hintergrund: Zentralrat der Juden in Deutschland)
Nach ihrer Wahl kritisierte Frau Knobloch die internationale Haltung im Atomstreit mit Iran als zu nachgiebig. Die Appeasement-Politik, die hier betrieben wird, ist etwas, was ich aus historischer Erfahrung kenne, sagte Knobloch am Mittwoch. Man müsse Iran aber energisch entgegentreten.
Zentralrat würde gegen Ahmadineschad-Besuch demonstrieren
Als appeasement (englisch für Beschwichtigung) wird die Politik vor allem Großbritanniens gegenüber Nazi-Deutschland am Ende der dreißiger Jahre bezeichnet, dessen Expansionsdrang als Vorbote des Zweiten Weltkriegs gesehen wird. Die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen (die Vereinigten Staaten, Rußland, China, Großbritannien und Frankreich) und Deutschlands haben sich auf ein Paket aus Anreizen und Drohungen geeinigt, mit dem sie Iran zu neuen Verhandlungen über sein Atomprogramm bewegen wollen.
Irans Präsident Mahmud Ahmadineschad hatte mehrfach mit der Vernichtung Israels gedroht und zudem den Holocaust in Frage gestellt. Korn kündigte an, wenn Ahmadineschad zu Spielen der iranischen Mannschaft bei der Fußball-WM nach Deutschland komme, werde der Zentralrat die geplanten Demonstrationen gegen seinen Besuch unterstützen.
(Siehe auch: Charlotte Knobloch im Porträt)
Text: FAZ.NET
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