Bundeswehr

Robbe: Deutsche Soldaten nicht fit genug

Von Stephan Löwenstein

Die Bundeswehr werde vom “passiven Lebensstil“ der Gesellschaft getroffen

Die Bundeswehr werde vom "passiven Lebensstil" der Gesellschaft getroffen

04. März 2008 Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Robbe, wirft der Bundeswehrführung vor, unzulänglich auf Sicherheitsmängel im Afghanistaneinsatz zu reagieren. Es sei nicht zu tolerieren, dass noch im sechsten Jahr des Einsatzes regelmäßig Nachschubprobleme aufträten, schreibt Robbe in seinem Bericht über das Jahr 2007, den er am Dienstag dem Bundestagspräsidenten übergab.

„Das Ausbleiben von Ersatzteilen für die unverzichtbaren, besonders geschützten Fahrzeuge ist kein bloßes Ärgernis, sondern gefährdet Menschenleben“, rügt Robbe. So sei ihm während eines Besuchs im vergangenen Frühsommer ein Dingo-Transporter vorgeführt worden, der seit sieben Monaten nicht mehr einsatzbereit gewesen sei. Ein weiteres „Sicherheitsproblem“ liege darin, dass „seit Jahren“ die Kraftfahrer unzureichend ausgebildet seien.

Jeder fünfte Soldat treibe keinen Sport

Robbe: Zu keiner Zeit der Streitkräftereform habe eine “richtige Anschubfinanzierung stattgefunden“

Robbe: Zu keiner Zeit der Streitkräftereform habe eine "richtige Anschubfinanzierung stattgefunden"

„Fast die Hälfte von ihnen wird ohne eine vorherige Typeinweisung für schwere Fahrzeuge wie den ,Dingo‘ oder den ,Fuchs‘ nach Afghanistan geschickt.“ Das sei in zweierlei Hinsicht gefährlich: Die Unfallgefahr sei wesentlich größer, und Ausbildungsfahrten in einem Einsatzgebiet wie Afghanistan seien „grundsätzlich nicht zu verantworten“. „Angesichts der zunehmenden Bedrohung in Afghanistan fehlt mir das Verständnis dafür, dass sich die Umsetzung notwendiger Absicherungsmaßnahmen über mehrere Monate erstreckt. Aus meiner Sicht sind die zuständigen Dienststellen in den genannten Fällen ihrer Verantwortung für die Sicherheit der Soldaten nicht ausreichend gerechtgeworden“, schreibt er.

Einen Schwerpunkt legte Robbe bei der Vorstellung seines Berichts darauf, dass es um die Fitness der Soldaten nicht zum Besten stehe. Er berief sich auf eine Studie der Sporthochschule Köln und des Bundeswehr-Sanitätsdienstes. Danach seien 40 Prozent der Soldaten übergewichtig, in einer zivilen Vergleichsgruppe nur 35 Prozent. Stark übergewichtig seien 8,5 Prozent der Soldaten, hingegen 7,1 Prozent der Zivilisten. Jeder fünfte Soldat treibe keinen Sport.

Mehr als die Hälfte aller Soldaten gebe an, regelmäßig zu rauchen. Robbe zeigte sich von diesen Ergebnissen „sehr beunruhigt“. Der Dienstherr müsse Sport und Gesundheit einen höheren Rang einräumen. Die FDP-Verteidigungspolitikerin Hoff kritisierte Robbe, er verfehle sein Thema und seine originären Aufgaben als Wehrbeauftragter, wenn er die mangelnde Fitness der Soldaten thematisiere anstatt den Schutz ihrer Grundrechte oder die Ausübung parlamentarischer Kontrolle.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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