
das Protokoll der Katastrophe unter der Überschrift "Erfolg" zu publizieren; ungefähr so, wie Versicherungsbetrüger von "Warmsanierung" sprechen.

Sehr geehrter Vorredner, Ihre Meinung von einem "Kulturschock" für Kinder aus Migrationsfamilien bei einer Einschulung in die Grundschule ist ja wohl schlichtweg übertrieben und bietet den Immigranten wohl nur eine einfache Ausrede. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich von einem Mädchen berichten, welches ohne Deutschkenntnisse aus den USA vor einem 3/4 Jahr in das vierte Schuljahr einer deutschen Grundschule eingeschult wurde. Dieses Mädchen verfügt mittlerweile über genügend Deutschkenntnisse, hatte eine Empfehlung für das Gymnasium bekommen und wird im nächsten Schuljahr das 5. Schuljahr auf einer katholischen Realschule beginnen, mit der Option bei guter weiteren Entwicklung auch auf das katholische Gymnasium wechseln zu können. Man sieht also bei weniger Wehklagen und mehr Willen, sind viele Dinge in dem deutschen Bildungssystem möglich. Insbesondere bietet das dreigliedrige Schulsystem sowohl den talentierten als auch den weniger talentierten Kindern die Möglichkeiten ihre Stärken und ihre Schwächen entsprechend zu fördern.

Der Vergleich hinkt. Mädchen aus den Einwandererfamillein dürften nicht besser dran sein als Jungs aus den Einwandererfamillien. Bei den Einwanderefamillien ist es wohl so, dass sich die Lebenssituation der Eltern, überall am Ende der sozialen Kette zu sein, auf die Kinder überträgt. Dann kommt da noch die Sache mit dem dualen Lernsystem, wo Einwandererkinder aus ihrem häuslichen Einwanderermillieu plötzlich einem Kulturschock durch die Einschulung ausgesetzt werden. Diesen Kulturschock müssen sie erst überwinden. Selbst wenn sie es schaffen, reicht die Zeit in der Grundschule nicht mehr dafür um auch noch hervoragende Lernleistungen erbringen zu können. Aber auch insgesamt haben viele Schüler, sowohl Einheimische als auch Einwanderer, nach 4 Grundschuljahren noch nicht die geistige Reife um die notwendigen Schlüsse für ihre Zukunft aus dem Potential Schule zu ziehen. Es sind meistens dann immer die Eltern, die über die schulische Bildung der Kinder entscheiden. Da ist es doch nicht verwunderlich, wenn Statistiken ausweisen, dass das Bildungsniveau der Kinder von demjenigen der Eltern abhängt. Weg mit dem dualen Schulsystem und die Sitiation wird sich verbessern.

Es heißt doch immer, die Mädchen reifen schneller als die Jungen. Wenn das stimmt, hätten sie gegenüber Jungen einen Vorteil, insbesondere wenn die Schulzeit verkürzt wird. Das ist wie mit großen und kleinen Weinen. Ein großer Wein braucht eben ein paar Jahrzehnte mehr, bevor er genießbar wird. Aber deshalb schüttet man ihn doch nicht weg.

Das duale System sei „nicht mehr in der Lage, Jugendliche mit geringem Bildungsniveau zu integrieren". Da frage ich mich, war es jemals in der Lage Jugendliche mit geringem Bildungsniveau zu integrieren? Das duale System funktioniert sehr gut. Nicht umsonst ist der Bildungsstand nach einer Ausbildung im dualen System sehr hoch. Nur, wenn die Jugendlichen nicht mal die Mindeststandards erreichen um eine Ausbildung oder Studium zu beginnen, wie soll dann was gutes bei raus kommen? Und was soll die Alternative sein? Keine Ausbildung? Wenn man von 45min Unterricht 30 min damit beschäftigt ist die Klasse ruhig zu bekommen, dann kann da auch keine Bildung bei raus kommen. Warum schafft man es nicht, durch gezielte Förderung in den Regionen/Schulen, in denen nachweislich Probleme herrschen, diese Nachteile aufholen. Kleinere Klassen, mehr (gute) Lehrer, bessere Konzepte. Was heute nicht in die Bildung investiert wird, wird sich in der nächsten und übernächsten Generation rächen. Heute mehr Bildung, bedeutet morgen weniger Kriminalität, weniger Armut und mit etwas Glück auch wieder einer höhere Mündigkeit des Bürgers (zumindest im Schnitt).