
Wenn die Bahn teilprivatisiert wird, dann steigen die Fahrpreise, prophezeien die Freunde der Staatsbahn. Kann sein, kann aber genauso gut auch nicht sein.
Was wir derzeit beobachten ist ja wohl Folgendes: Jetzt gehört die Bahn zu 100% dem Staat. Und? Die Fahrpreise steigen.

Hier ein paar Details dazu:
Die Relationspreise werden in der 2. Klasse durchschnittlich um 2,9 % angehoben. Der Fahrpreis in der 1. Klasse wird !zusätzlich! um 1,9% im Fernverkehr bzw. 1,6% im Nahverkehr angehoben. In der 1. Klasse ergeben sich somit Preiserhöhungen von durchschnittlich 4,5 bzw. 4,8%!
Zusätzlich werden die Preise für Reservierungen erhöht und, als völlige Neuerung Preisunterschiede bei Reservierungen 1. und 2. Klasse einführt:
Schalter neu:
2.Klasse: 4 €
1.Klasse 5 €
online/Automat neu:
2.Klasse: 2 € (alt 1,50 €)
1.Klasse 3 € (alt 1,50 €)
Dieses Vorgehen ist völlig dreist, da der Buchungsaufwand absolut der gleiche ist. Normalerweise sollte in der schamhaft teuren und nur andersfarbig gepolsterten 1. Klasse die Reservierung eigentlich zum guten Service dazugehören…. Auf diese Art gewinnt man keine Neukunden!

Man fragt sich, mit welcher Berechtigung die DB diese Preiserhöhung gerne hätte. Die Preise sind bereits so hoch und werden je nach Zug und Tageszeit so undurchsichtig festgelegt, sodaß man als Fahrgast durchaus den Eindruck gewinnt, die DB habe das Verhalten von Raubrittern. Es ist schlimm, daß seitens der Politik die Herren Manager nicht zur Ordnung gerufen werden.

Wettbewerb schafft man, in dem man liberalisiert, das heißt im Klartext, man läßt es zu, dass andere Unternehmen sich gründen und die gleichen Dienstleistungen anbieten. In Deutschland würde es wahrscheinlich schon reichen, Busverkehr zuzulassen auf Fernstrecken. Im Moment hat die DB ein Monopolrecht auf das Anbieten von Überlandfahrten im Bus. (Deshalb gibt es keine - mit einer Ausnahme - zw. 2 Städten, habe vergessen, welche - ein "Fehler" im Gesetz).
Wettbewerb senkt die Preise und führt dazu, dass die Anbieter sich um Marktanteile, und somit um die Zufriedenheit ihrer Kunden bemühen.
Privatisierung ist grob vereinfacht eine Veränderung der Rechtsform, evtl verbunden mit einem Eigentümerwechsel. Sie entlässt ein Unternehmen, das in aller Regel staatstragende Aufgaben erfüllt (Aufgaben, die dem Volk wichtig sind, zB Infrastruktur..) aus dem strengen Korsett der Regeln für öffentliche Unternehmen. Außerdem entlässt die Privatisierung das Unternehmen aus der reinen Kostendeckung - wieso sollte ein privater Investor in ein Nullsummengeschäft investieren? Eine Marge muss also her, dh der Service schlechter oder die Preise höher werden - ZWANGSLÄUFIG.
Es wird Zeit, dass diese Differenzierung mal beachtet wird!

Werden sie mit der Preiserhöhung den Transrapid finanzieren? Langfristige Investitionen, die niemandem dienen, mit kurzfristigem Geld?

Das ganze Konzept ist eine Frechheit. Die Bahn soll kein Gewinn Unternehmen sein sondern ein staatlicher Dienstleister. Und nun soll quasi das, was eigentlich Eigentum eines jeden Bundesbürgers ist verkauft werden. Da bin ich mich schon fast nicht mehr sicherer was perverser ist, das den Bundesbürgern ihr Eigentum zum Kauf angeboten werden soll oder das es auslandischen Aktionären angeboten wird die dann nur noch der Shareholder-Value interessiert.
Vielleicht sollte man erkennen das gewisse betribswirtschaftliche Maßstäbe und finanzwirschaftliche Instrumente nicht mit Staatsunternehmen vereinbar sind und auch nicht für diese entwickelt worden sind.
Die Bahn hat eine infrastrukturell und umweltpolitisch wichtige Funktion, die nicht einfach in die Zwangsjacke der Rentabilität gepackt werden kann und darf.

Gestern bin (musste) ich seit längerem mal wieder mit der Bahn fahren. Von Berlin nach Emden. In den fast 6 1/2 Stunden die die Fahrt dauerte (inkl. Verspätung - natürlich), fliege ich normalerweise nach New York. Und der Flug ist nur unwesentlich teurer. Hm.
Da würde ich an Stelle der Bahn auch die Preise erhöhen - denn Bahnfahren ist immer noch nicht unattraktiv genug.
Mal im ernst - die spinnen doch..

... "damit brächten Sie Tiefensee in Bedrängis", und das darf natürlich nicht sein! Somit wird am Ende wieder einmal Staatsvermögen und poltische Handlungsfähigkeit in unermesslicher Größenordnung verschleudert um das Ego einzelner Wahnsinniger zu befriedigen ! Das greift derzeit überall dermaßen um sich, daß es geradezu unverständlich ist, daß sich dagegen nicht mehr Widerstand formiert.

Ich bin jetzt 1 Jahr ohne Auto in einem ländlichen Gebiet ausgekommen. Jetzt ist langsam Schluß, denn die jährlichen Kosten für den öffentlichen Personennahverkehr sind höher als die eines Mittelklasseautos.
Anstatt dafür zu sorgen, daß der ÖPNV richtig attraktiv wird, macht man ihn immer unattraktiver - teurer, miserable Züge und Busse, katastrophale Fahrpläne.
Ich habe in den 90er Jahren an einem Bürgergutachten über den ÖPNV in Hannover teilgenommen. Interessanterweise wurden uns damals die Finanzdaten vorenthalten (die waren nur für die richtige Unternehmensberatungen da). Es hieß, wir Bürger würden die Kostenverteilungen nicht verstehen, daher wollte man uns vor den unverständlichen Zahlen bewahren. Aber eins habe ich mitbekommen, für die städtischen Baufirmen war immer Geld da ( eine Verkehrsverengung für eine Bushaltestelle 180.000,-DM ).
Wenn die Bahn sich auf ihre eigentliche Aufgabe besinnen würde, Menschen und Güter preiswert, schnell und komfortabel zu befördern, würde möglicherweise mehr Menschen mit der Bahn fahren, was höheren Umsatz bedeuten würde. Also nicht mit weniger Menschen durch höhere Preise das Geld verdienen, sondern durch viele Menschen mit niedrigen Preisen - richtigen Service eben.

die Bahn ist ein Staatsunternehmen und hat das alleinige Recht Personen innerhalb Deutschlands von A nach B zu befördern (ausgenommen Flugverkehr). Aus diesem Grund kann dieses Monopol jährliche Preiserhöhungen durchsetzen, wobei die Ticketpreise schon jetzt extrem hoch sind.
Deutschland sollte sich ein Beispiel an anderen Ländern wie den USA oder der Türkei nehmen. In diesen Ländern gibt es außer dem Auto eine Alternative zur Bahn; den Reisebus.
In Amerika gibts es die Greyhound Busse, in der Türkei unzählige Busunternehmen, die zu günstigen Preisen unzählige Verbindungen zwischen den Städten anbieten.
(Z.B. Istanbul - Izmir, ca. 10 stündige Busfahrt bei dem besten Busunternehmen, für umgerechnet 20 €)
Warum nicht auch in Deutschland komfortabel und günstig mit dem Bus reisen?? Sobald es Konkurrenz gäbe würden automatisch auch die Bahnpreise fallen, aber über diese Möglichkeit redet hierzulande niemand. Es wird nur über eine sinnlose Privatisierung diskutiert.
Privatisierungen sind nur dann von Vorteil, wenn auch Konkurrenz herrscht.
MfG
Emre N. Akyol