07. Februar 2007 Es ist gut und richtig, dass es den Angehörigen des Bundeskabinetts und des Bundestags nicht leicht fällt, deutsche Kampfflugzeuge nach Afghanistan zu schicken. Diese Entscheidung betrifft Menschenleben und nationale Interessen sowie die Frage, welchen Preis Deutschland bei der Verfolgung seiner Ziele zu zahlen bereit ist. Doch wird auch die Debatte über diesen sicherheitspolitischen Akt wieder von vielfältigen Versuchen gekennzeichnet, die schroffen Kanten einer unangenehmen Lage zu vernebeln.
Hinter all den Bemühungen, den Auftrag der Tornados zu begrenzen und deren Mission nicht als Kampfeinsatz erscheinen zu lassen, steht die Hoffnung, in der internationalen Politik auch ein bisschen schwanger sein zu können: am für unvermeidlich befundenen Kampf (der engsten Verbündeten) gegen den transnationalen Terrorismus und seine Unterstützer teilzunehmen, ohne sich dabei die eigenen Hände übermäßig schmutzig machen zu müssen oder gar zu verbrennen.
Schicksalsfrage am Hindukusch
Das ist, wie das aktuelle Beispiel zeigt, wirklichkeitsfremd. Die Tornados können zwar auch die Blumen im Garten des Verteidigungsministers fotografieren. In Afghanistan aber sollen sie den Feind aufklären, damit er bekämpft werden kann. Der Terrorist mit der Flugabwehrrakete auf der Schulter wird nicht die feinsinnige Unterscheidung zwischen guten Aufklärungsflugzeugen und den von ihnen herbeigerufenen bösen Bombern treffen, zu der Bundestagsabgeordnete in höchster Gewissensnot fähig sind.
Auch die Abschottungsversuche zum Antiterroreinsatz Enduring Freedom, an dem schon deutsche Kampfeinheiten teilnahmen, wirken zunehmend der Wirklichkeit entrückt. Die Einteilung in ein Kampf- sowie ein Stabilisierungs- und Wiederaufbaumandat ist eine Einteilung des Westens, nicht eine der Taliban und der Al Qaida.
Geradezu grotesk mutet die Vorstellung an, Aufklärungsergebnisse, die über Leben und Tod entscheiden, könnten den alliierten Truppen, deren Aufgabe die direkte Bekämpfung der Terroristen ist, unter Hinweis auf unantastbare Mandatsgrenzen vorenthalten werden. Solche Kautelen untergraben auf Dauer das Fundament jedes Bündnisses. In Afghanistan geht es aber nicht nur um das Niederhalten einer Gefahr, die Deutschland schon jetzt bedroht. Am Hindukusch entscheidet sich auch das weitere Schicksal der Nato.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, F.A.Z., picture-alliance/ dpa