Wenn man, von ausserhal deren Kreise, mit denen diskutierte, musste man feststellen, dass die uimmer eine Frage besprachen. Möglichst eine Frage, von der sie annahmen, der Andere versteht sie nicht. Damit konnten sie Eindruck schinden. Die wollten und wollen immer noch angeblich für die "Arbeiterklasse" sprechen, die es nie gab und auch nie geben wird. Wenn sie dann mal mit einem Arbeiter sprachen, wußten die nicht um was es bei den Arbetern geht. Wenn da mal einer einige Tage oder Wochen in einer Fabrik arbeitete, schrieb er ein Buch. Und aus diesem Buch wurde dann immer zitiert - ob das Geschriebene richtig war oder nicht, konnten die nicht nachprüfen. Und dennoch sprachen die von "nachvollziehen" und so reden die immer noch. Die herrschen heute ohne den Willen des Volkes zu kennen besser: ihn nicht kennen wollen. Bei Schröder hatte man das am bessten sehen können.
Eine höchst interessante Analyse: Dutschke und die Sprache!
Als Jahrgang 1972 habe ich Dutschke nicht direkt wahrgenommen. Allerdings erinnere ich mich an die Wiederholung einer Fernsehdiskussion aus den 70ern unter Beteiligung von Dutschke, Cohn-Bendit (lümmelte sich postpubertär auf dem Sofa rum), Kurt Sontheimer und einem Springerjournalisten. Dutschke wirkte auf mich höchst charismatisch, beeindruckend die Ausstrahlung, Authentizität und Aufrichtigkeit, mit der er Menschen - selbst den Springermann- für sich einnehmen konnte.
Bei Dutschke zeigt sich aber auch eine typische Unart der deutschen Geisteswissenschaft: Sich durch unverständlichen, aber schön klingenden Sprachkauderwelsch unangreifbar zu machen. Der Sprachkleister um fehlende analytische Durchdringung zu übertünchen!
Als jemand, der 1977 geboren wurde, übrigens mitten im deutschen Herbst, kann ich mit einer politischen Unvoreingenommenheit auf Rudi Dutschke blicken.
Jedoch muss ich immer wieder feststellen, wenn ich Rudi Dutschke sehe und versuche seine Reden geistig nachzuvollziehen (ich maße mir an zu behaupten, die geistige Fähigkeit dazu zu besitzen), ich einfach immer wieder zum Schluss komme, dass der Mann eigentlich nur mit marxistisch angehauchten Satzbausteinen um sich warf, ohne irgendetwas Sinnvolles zu sagen. Ich stehe dann immer da und denke mir, "was will der jetzt eigentlich mitteilen? Ist das jetzt ein Hyper-Intellektueller und ich bin einfach zu doof? Benutzt der subtile Kommunikationsmechanismen und ich kapier die nicht oder was? Der sagt doch eigentlich gar nix. Der hat keine echte Botschaft, keinen Leitfaden, kein Dogma das er verkündet".
Ich glaube er schwang seine Reden im Endeffekt nur, um irgendwelchen Mädels zu imponieren, die anscheinend noch blöder waren, als ich es bin.
Aus diesem eher peinlichen Beitrag zur allfälligen 68er-Debatte spricht dieselbe provinzielle Feindseligkeit, die vor vierzig Zahren hierzulande das Atmen schwer machte. Anstelle kritischer Würdigung seiner Rolle als Protagonist einer politischen Bewegung nur persönlich diffamierende Polemik. Dutschke war, was auch seitens zahlreicher politischer Gegner zugestanden wurde, eine bedeutende Persönlichkeit seiner Zeit, deren Einfluss auf die politische Kultur dieses Landes immer noch verkannt wird.
Wenig überraschend, wenn man betrachtet, aus welcher Denkrichtung der Autor selbst kommt. Einen solchen Verriß jedoch zum Jahrestag des Attentats zu veröffentlichen, ist schlechter journalistischer Stil.
<<Er lief blutüberströmt noch ein ganzes Stück den Kurfürstendamm entlang, rief wiederholt nach Vater und Mutter. Er schrie auch »Ich muss zum Friseur« und »Soldaten, Soldaten«. >>
oder ideologischer Augenzeugen-Schwindel ?
Ganz ausgezeichneter Bericht über Rudi Dutschke. Ja, so war er. Nicht immer verständlich, doch glaubwürdig. Es war eben nicht so sehr ein eleganter Fluß der Sprache, sondern ein verwickeltes Girlanden-Deutsch, das eben deswegen so faszinierte, weil es von einem geborenen Prediger gesprochen wurde.
Man muss auch das Umfeld sehen. Die alte Adenauer-Republik im Umbruch. Der Marxismus entschlackt von der düsteren Ostblock-Realität...und Rudi Dutschke war
sein neuer - glaubwürdiger Prophet.
Nicht nur der Dutschke-Attentäter mehr noch die irren Baader-Meinhofs haben das
was da aufblühte - mit ihrer blödsinnigen Gewalt kaputt geschossen.
Angesichts der historischen Bedeutung der 68-er Bewegung, bin ich über die Ignoranz erschüttert, mit der Timo Frasch mit dem Gestus des Intellektuellen die Inhalte der damaligen Springer-Berichtserstattung wiederkäut und rechtfertigt.
Frasch macht noch nicht einmal den Versuch, zu verstehen. Er urteilt.
Und das ist, heute wie damals, die Geisteshaltung der Bequemen, die Ausgrenzung und Gewalt befördern und die Räume eng werden lassen.
Wenn unsere Welt auf etwas gut verzichten könnte, ist es das.
Arnold Steimle (50)
Bildhauer