05. August 2005 Wenn am Sonntag ein neuer Bundestag gewählt würde, könnten Union und FDP nicht mehr mit einer Mehrheit rechnen.
Nach Angaben der ARD ermittelte das Meinungsforschungsinstitut infratest-dimap in seiner jüngsten Umfrage einen Stimmenanteil von konstant 42 Prozent für CDU/CSU, aber nur noch sechs Prozent (minus eins) für die FDP. Zusammen kämen SPD (29 Prozent, plus eins), die Grünen (acht, wie zuvor) und die Linkspartei (elf, minus eins) ebenfalls auf 48 Prozent der Stimmen.
Deutlich gestiegene Wechselstimmung
Erstmals seit Februar verpaßt Schwarz-Gelb damit in einer repräsentativen Umfrage eine Regierungsmehrheit. Laut einer Emnid-Befragung im Auftrag des Nachrichtensenders N24 vom selben Tag reicht es dagegen noch für einen Machtwechsel: Danach kämen CDU/CSU auf 43 Prozent (plus 1), die FDP auf 7 Prozent (minus 1). Die SPD bliebe bei 26 Prozent, das Linksbündnis auf 13 (plus 1) die Grünen verlören einen Punkt auf 8 Prozent.
Emnid stellte dennoch eine deutlich gestiegene Wechselstimmung in Deutschland fest. Wünschten sich um Juli 2005 noch 60 Prozent der Deutschen einen Regierungswechsel, so seien es im August 2005 bereits 64 Prozent.
Schröder baut Vorsprung zu Merkel aus
Im direkten Vergleich mit der Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU) kann Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) abermals hinzugewinnen. Im Falle einer Direktwahl würden 48 Prozent für ihn stimmen (plus 3), 39 Prozent würden sich für Merkel als Kanzlerin entscheiden (minus 2), ermittelten die Infratest-dimap-Forscher.
70 Prozent der Deutschen glauben zudem, daß bei dem vereinbarten TV-Duell Schröder besser abschneiden wird als seine Herausforderin. Für ein Fünftel der Befragten sei das Duell für die persönliche Wahlentscheidung wichtig.
Nach der Entscheidung für nur ein TV-Duell zwischen Schröder und Merkel wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nun auch ein Live-Streitgespräch zwischen Außenminister Joschka Fischer, FDP-Chef Guido Westerwelle und dem Spitzenkandidaten der Linkspartei, Oskar Lafontaine, geben. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender sagte der dpa, mit Westerwelle und Lafontaine habe man sich bereits auf einen Sendetermin am 1. September um 20.15 Uhr geeinigt. Fischers Sprecher erklärte, der Grünen-Spitzenkandidat sei zu einem solchen Live- Gespräch bereit.
Mehrheit für Große Koalition
Fast zwei Drittel der Deutschen (63 Prozent) glauben nach der Emnid-Umfrage nicht, daß die SPD ein Bündnis mit der Linkspartei und den Grünen eingehen wird. 29 Prozent halten diese Konstellation dagegen für möglich.
Infratest-dimap zufolge halten 10 Prozent eine rot-rot-grüne Koalition für am besten. 39 Prozent hielten eine große Koalition für am besten für Deutschland. Schwarz-Gelb befürworten 29 Prozent (minus 5), Rot-Grün 14 Prozent.
Mit der Arbeit der rot-grünen Bundesregierung seien 75 Prozent der Befragten unzufrieden. Gleichwohl glaubt die Mehrheit (54 Prozent) auch, daß eine unionsgeführte Bundesregierung nicht in der Lage wäre, die anstehenden Aufgaben und Probleme besser zu lösen.
Linkspartei im Osten weiter stärkste Kraft
Die Linkspartei muß auch im Osten Einbußen hinnehmen. Mit nun 32 Prozent (minus 1) bleibt sie in den neuen Bundesländern aber weiter mit Abstand stärkste Kraft. Die Union liegt im Osten bei 29 Prozent (plus 2), die SPD bei 26 Prozent (minus 1). Infratest-dimap befragte vom 1. bis 3. August für die Sonntagsfrage 1.620 Bürger und für die Frage zum TV-Duell am 3. August 500 Bürger.
Für alle anderen Fragen wurden am 1. und 2. August 1120 Menschen befragt. Die Fehlertoleranz liegt bei 1,4 bis 3,1 Prozentpunkten. Emnid befragte für die Sonntagsfrage am 1. und 2. August rund 3000 Menschen, für alle anderen Fragen etwa 1000 Bürger.
Text: FAZ.NET mit Material der dpa
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb