Kommentar

Generäle unter sich

Von Eckart Lohse

19. Januar 2008 Die Klagen der Militärs über zu viel Bürokratie, einen zu großen Einfluss der Politik, zu wenig Geld für die Truppe im Allgemeinen und unzureichende Ausrüstung für einen sicheren Auslandseinsatz im Besonderen sind seit je groß an Zahl. Um der Kritik Nachdruck zu geben, darf der Hinweis auf die extreme Gefährdung der Soldaten im Auslandseinsatz nicht fehlen - der auch völlig berechtigt ist.

Vor diesem Hintergrund kann es nicht erstaunen, dass sieben ehemalige Bundeswehrgeneräle, einst in hohen Rängen, in einem jetzt öffentlich gewordenen Gutachten rügen, dass komplizierte Führungsstrukturen und ein Übermaß an Bürokratie sehr hinderlich seien für die Auslandseinsätze bis hin zu einer unnötig großen Gefährdung der Soldaten. Die militärische Führung ärgert sich - naturgemäß, möchte man sagen - über omnipräsente Volksvertreter, die noch dazu durch ständige Besuche im Einsatzgebiet ihre Soldaten vom Arbeiten abhalten, und über eine langsame Ministerialbürokratie, die ihnen zudem das Leben schwermacht. Die Generäle a.D. haben nicht ohne Auftrag gearbeitet und befürworten die Schaffung einer in der Hierarchie des Verteidigungsministeriums "höher angesiedelten Operationsabteilung", die - auch das ist kaum erstaunlich - dem Generalinspekteur unterstellt sein soll.

Schon ist zu hören, bereits im Sommer solle eine solche Instanz geschaffen werden. Wenn nicht alles täuscht, gibt es eine Versuchung in der Generalität (nicht nur unter den Pensionären), die hohe Belastung der Truppe durch Auslandseinsätze und die fehlende Stärke der politischen Führung zu nutzen, um eigene Interessen voranzutreiben. Dass der Bericht der sieben Ehemaligen vor der Zeit an die Öffentlichkeit kam, könnte der Versuch von interessierter Seite sein, solche Pläne zu durchkreuzen.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 20.01.2008, Nr. 3 / Seite 10

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