SPD-Spitzenkandidat Schäfer-Gümbel

Thorsten wer?

Von Thiemo Heeg

Weitgehend unbekannt: Thorsten Schäfer-Gümbel

Weitgehend unbekannt: Thorsten Schäfer-Gümbel

08. November 2008 Nachdem Andrea Ypsilanti nach zwei vergeblichen Anläufen ihr Ziel aufgegeben hat, sich zur hessischen Ministerpräsidentin wählen zu lassen, soll es jetzt der Landtagsabgeordnete Thorsten Schäfer-Gümbel für die SPD richten. Wer ist der neue weithin unbekannte Herausforderer des geschäftsführenden Ministerpräsidenten Roland Koch?

Schnelle Auskunft gibt seine Homepage. Darauf präsentiert sich der „gläserne Abgeordnete“ aus dem Wahlkreis Gießen-Land als Familienmensch. „Verheiratet, 3 Kinder“ weist sein Lebenslauf aus. Zum Beweis zeigt ein Bild den Sozialdemokraten im Kinderzimmer. Weitere Auffälligkeiten: Schäfer-Gümbel ist „reingeschmeckter“ Hesse und Konvertit. Geboren wurde er am 1. Oktober 1969 in Oberstdorf im Allgäu. Sein Abitur absolvierte er im Wendejahr 1989 in Gießen. Daneben wurde er „römisch-katholisch getauft“, ist aber „heute evangelisch“.

In die SPD trat er schon mit 16 ein

Auf ihm ruhen die Hoffnungen der hessischen SPD: Thorsten Schäfer-Gümbel

Auf ihm ruhen die Hoffnungen der hessischen SPD: Thorsten Schäfer-Gümbel

Auf dem SPD-Ticket fährt der 39-Jährige schon seit mehr als zwei Jahrzehnten: Seit August 1986 - also im Alter von 16 Jahren - führt ihn die Partei als Mitglied. Schäfer-Gümbel studierte in Gießen Agrar- und Politikwissenschaft, war Stipendiat der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung, brachte es in der Gießener Stadtverwaltung bis zum wissenschaftlichen Mitarbeiter des Oberbürgermeisters und sitzt seit Februar 2003 im Landtag. Dort beschäftigt er sich unter anderem mit Industrie- und Forschungspolitik.

Frau Ypsilanti hat Schäfer-Gümbel nicht zuletzt deswegen auf den Thron gehoben, weil er als enger Vertrauter der umstrittenen Politikerin gilt. Er ist stellvertretender Vorsitzender des linken SPD-Bezirks Hessen-Süd und äußerte im Sinne der Parteivorsitzenden Zweifel an der Lauterkeit der vier Abweichler aus der eigenen Partei, die Ypsilantis Regierungsambitionen zunichte machten. Eines Tages würden die Abweichler erklären müssen, „was ihre wirklichen Motive waren“, forderte er nach dem Debakel.

Der ländliche Raum als „persönliches Schwerpunktprojekt“

„Welche Ziele verfolgen Sie eigentlich persönlich oder welche Schwerpunkte haben Sie, auch dies sind häufige Fragen von Besuchergruppen im Landtag“, erzählt Schäfer-Gümbel auf seiner Internet-Seite. „Aus diesem Grund“ habe er den „Menüpunkt Politische Ziele“ aufgenommen.

Und was ist dort zu finden? „Zweierlei“ sei für ihn „wichtig“: „Es gibt die allgemeine Grundlage für mein politisches Handeln als Abgeordneter der Sozialdemokratischen Partei. Diese allgemeinen Grundlagen sind das aktuelle Grundsatzprogramm der SPD, das sogenannte Hamburger Programm, und das Landtagswahlprogramm der hessischen SPD.“

Daneben gebe es „natürlich auch persönliche Schwerpunktprojekte“. Besondere Schwerpunkte der letzten Monate seien die Themen „Internationale Bauausstellung Frankfurt/Rhein-Main, Gute Arbeit und der Ländliche Raum“ gewesen. Künftig wird für den Ministerpräsidenten-Anwärter noch einiges dazukommen müssen.

Text: FAZ.NET

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