Kritik an Steinbach

„Skandalöses Interview“

Erika Steinbach: “Alles wird auf den Kopf gestellt“

Erika Steinbach: "Alles wird auf den Kopf gestellt"

07. September 2006 Als „empörend“ haben SPD-Politiker Äußerungen der Vertriebenenpräsidentin Erika Steinbach im Deutschlandfunk bezeichnet. Frau Steinbach habe sich durch ein „skandalöses Interview“ im Radio „endgültig für jeden Dialog mit unseren polnischen Nachbarn disqualifiziert“, sagte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Angelica Schwall-Düren.

Frau Steinbach hatte zur Erläuterung ihres Verständnisse von Ursachen und Folgen des Zweiten Weltkrieges gesagt, daß „selbstverständlich“ das NS-Regime und der von Deutschland begonnene Weltkrieg auslösender Faktor für Flucht und Vertreibung von etwa zwölf Millionen Deutschen aus ihrer Heimat gewesen seien.

„Ohne Hilter, ohne den Nationalsozialismus hätten all die Wünsche, Deutsche zu vertreiben, die es in der Tschechoslowakei schon davor gegeben hat, die es in Polen schon davor schon gegeben hat, niemals umgesetzt werden können“, sagte Frau Steinbach. „Hitler hat die Tore aufgestoßen, durch die andere dann gegangen sind, um zu sagen, jetzt ist die Gelegenheit, die packen wir beim Schopfe. Unrecht war es dennoch.“

„Keine ernsthafte Ansprechpartnerin mehr“

Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Weisskirchen, sagte, Frau Steinbach schiebe die Verantwortung für die Verbrechen, die Hitler verübt habe und die unzählige Deutsche mit Tod und Vertreibung bezahlt hätten, auf die Polen. Mit diesen Äußerungen sei das Ansinnen von Frau Steinbach, mit Hilfe der Bundesregierung ein „Zentrum gegen Vertreibung“ einzurichten, vom Tisch, sagte Weisskirchen. Die SPD ist der Auffassung, Frau Steinbach sei keine „ernsthafte Ansprechpartnerin mehr“, wenn es darum gehe, daß die Vertriebenen „selbstverständlich“ daran mitwirkten, daß ihrem Leid angemessen gedacht werde.

Gegen eine andere Äußerung aus dem am Dienstag ausgestrahlten Interview hatte es schon am Mittwoch in Polen heftigen Protest gegeben. Es handelte sich dabei um einen Vergleich zwischen einer Berliner Erinnerungsstätte gegen Vertreibungen und dem Warschauer Denkmal für den Aufstand der Bewohner gegen die nationalsozialistischen Unterdrücker. Zu dieser Kritik sagte Frau Steinbach: „Es ist völlig unerheblich, wer was in Deutschland zu Polen in bestem Willen sagt und tut, es wird fast alles auf den Kopf gestellt“.

Text: pca.; F.A..Z.
Bildmaterial: dpa

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