10. April 2006 Er ist der letzte Landesfürst der SPD in einem westdeutschen Flächenland und hat seine Position gerade durch einen grandiosen Wahlsieg gestärkt: Nun soll Kurt Beck auch die Bundespartei steuern, nachdem deren Vorsitzender Matthias Platzeck aus gesundheitlichen Gründen nach nur 146 Tagen im Amt aufgeben mußte.
Dabei galt der 57 Jahre alte Beck lange als einer der wenigen Politiker, denen keine Ambitionen in Berlin nachgesagt wurden. Als er vergangenen Herbst schon einmal als neuer Parteivorsitzender im Gespräch war, vermißten etliche bei dem eher bodenständigen Landesvater den nötigen Schliff für das Amt.
Die Seele der Partei streicheln
Doch mit dem überraschenden Rückzug Platzecks hat sich die Lage geändert, andere Hoffnungsträger sind bei den Sozialdemokraten nicht in Sicht. Und Beck hat Statur in der Partei, sein Wort hat Gewicht.
Der gelernte Elektromechaniker gilt als Sozialdemokrat vom alten Schlag und nach Jahren an der Spitze einer sozial-liberalen Regierung als erfahrener Brückenbauer. Bei der Landtagswahl vor zwei Wochen eroberte Beck erstmals in der Landesgeschichte die absolute Mehrheit für die SPD. So könnte der Konsenspolitiker Beck in seinem neuen Amt die geschundene Seele der Partei streicheln, die nach der Niederlage bei der Bundestagswahl, dem anschließenden Führungsstreit und den Querelen um Altkanzler Gerhard Schröder nun binnen weniger Monate schon wieder einen Führungswechsel zu verkraften hat.
Vermittler mit Einfluß im Bund
Der Ministerpräsident gilt als Vermittler, der oft auch die Bundespolitik beeinflußte. So hatte Beck entscheidenden Anteil an der Verabschiedung der rot-grünen Steuerreform im Bundesrat, brachte dort aber auch einen frühen Anlauf für ein Pflichtpfand auf Dosengetränke zu Fall. Den Ärger Schröders zog sich Beck zu, als er nach der Bundestagswahl 2002 auf Steuererhöhungen beharrte.
In der Partei ist der Fußball-Fan und Weinliebhaber Beck beliebt: Mit 92,2 Prozent der Stimmen wählten ihn die Delegierten im November zu Platzecks erstem Stellvertreter. In Rheinland-Pfalz verbuchte der joviale Beck selbst bei CDU-Wählern regelmäßig höhere Zustimmungswerte als sein Konkurrent von der Union, deren Spitzekandidat Christoph Böhr.
Unverdächtig
Die politische Karriere fiel Beck nicht in den Schoß: 1949 in Bad Bergzabern in der Südpfalz geboren, machte der Maurer-Sohn eine Ausbildung als Elektromechaniker, arbeitete später bei der Bundeswehr. Nebenher schaffte er auf der Abendschule den Realschulabschluß und stieg Anfang der siebziger Jahre in die Politik ein. Damals regierte die CDU das Land noch mit absoluter Mehrheit.
Die Wende kam 1991 mit dem Wahlsieg von Rudolf Scharping, den Beck 1994 im Amt beerben sollte: Unter ihm wurde Beck Fraktionsvorsitzender und tat sich bei Vermittlungen mit dem Koalitionspartner FDP hervor. Gerade im eher konservativen, in vielen Gegenden noch sehr bäuerlich geprägten Rheinland-Pfalz jagt der Katholik Beck der CDU auch dadurch Punkte ab, daß er nicht als Anhänger extrem linker Ideologien verdächtig ist. Beck ist verheiratet und hat einen Sohn, der als Rechtsanwalt tätig ist.
Text: Reuters
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb, picture-alliance / dpa/dpaweb, picture-alliance/ dpa/dpaweb
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