17. Januar 2005 Nach den Dioxin-Funden in Freilandeiern hat Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) verstärkte Anstrengungen in der Umweltpolitik gefordert.
Wir müssen mit konsequenter Umweltpolitik dafür sorgen, daß Dioxin reduziert wird und aus unserer Umwelt verschwindet", sagte die Politikerin der Berliner Zeitung. Dioxin finde sich im Fisch, in der Milch und in der Muttermilch. Die Wissenschaft wisse schon seit Jahrzehnten über die generell höhere Dioxin-Belastung bei Freiland-Eiern. Deshalb gebe es den neuen Grenzwert der EU und deshalb müsse alles getan werden, daß Dioxin aus Nahrung und Umwelt verschwinde. Der auch als Seveso-Gift bekannte Stoff ist krebserregend.
Künast wiederholte ihre Forderung an die Länder, Freilandeier mit überhöhten Dioxinwerten vom Markt zu nehmen. Das sei deren Pflicht und erhöhe die Sicherheit für die Verbraucher.
Weit über den Grenzwerten
Presseberichten zufolge enthielten in Baden-Württemberg in den vergangenen vier Jahren sieben Prozent aller Bio- und Freilandeier im Handel zuviel Dioxin. Die Europäische Union erlaubt bis zu drei Pikogramm - also drei Billionstel Gramm - Dioxin pro Gramm Fett.
Dagegen ermittelte das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt in Freiburg Spitzenwerte von bis zu 16,5 Pikogramm - gemessen in einem Betrieb nördlich von Ulm im Jahr 2003. In der Stadt Kehl entdeckten die Kontrolleure um die Jahreswende bei 8 von 18 Proben in kleineren Betrieben deutlich überhöhte Giftmengen von 4,3 bis 22,2 Pikogramm Dioxin. Messungen in Bayern ergaben, daß in den vergangenen beiden Jahren mehr als 20 Prozent der Freilandeier den Dioxin-Grenzwert der EU überschritten. In Niedersachsen lagen sogar 28 Prozent der Freilandeier über dem Grenzwert für Dioxin.
Verbraucherschutz der Ideologie untergeordnet
Niedersachsens Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) hat schwere Vorwürfe gegen Künast erhoben. Er habe sie immer darauf hingewiesen, daß bei Hygiene und Schadstoffen große Bedenken gegen die Freilandhaltung bestehe, sagte Ehlen der in Hannover erscheinenden Neuen Presse. Doch das habe Künast laufend vom Tisch gewischt. Sie hat den Verbraucherschutz schlicht und einfach ihrer Ideologie untergeordnet, den Tierschutz ganz nach oben zu stellen, sagte Ehlen.
Die Hühner nehmen das Dioxin Experten zufolge durch ständiges Picken aus belasteten Böden auf. Deshalb schnitten Eier von Käfighühnern in allen Tests besser ab und liegen zu 99 Prozent unter dem Grenzwert. Generell sei die Dioxin-Belastung bei Freilandeiern um das 2,5 fache höher als bei Eiern aus Käfighaltung.
Text: FAZ.NET mit Material von Reuters, AP und ddp
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