17. Januar 2006 In der Berliner CDU wird damit gerechnet, daß der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Friedbert Pflüger, Spitzenkandidat der Partei bei den Abgeordnetenhauswahlen im September wird.
An diesem Mittwoch wollen sich Pflüger und die Führung der Berliner CDU dazu abermals treffen. "Wir befinden uns auf der Zielgeraden", sagte Berlins CDU-Generalsekretär Frank Henkel der dpa. "Pflüger ist eine gute Option für die Berliner CDU." Zuvor hatte der Berliner CDU-Vorsitzende Ingo Schmitt gesagt, er werde in dieser Woche noch mit anderen Personen verhandeln, um dann am kommenden Montag einen Spitzenkandidaten zu präsentieren.
An einem Engagement interessiert
Der 50 Jahre alte niedersächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Pflüger hatte früh erkennen lassen, daß er an einem Berliner Engagement interessiert sei. Er hatte jedoch, wohl auf die Erfahrung anspielend, daß der heutige Bundesinnenminister Schäuble vor der Wahl 2001 von den Berliner CDU-Kreisvorsitzenden abgelehnt wurde, immer betont, die Entscheidung liege allein bei der Berliner Union. Da die Berliner Union, seit sie 2001 in die Opposition ging, ihr Führungspersonal rasch verschlissen hat, wurde eine Findungskommission damit beauftragt, einen Kandidaten von außen zu suchen, der gegen Amtsinhaber Wowereit (SPD) antreten könne.
Mit einem Sieg rechnet in der CDU kaum jemand, es geht - bei Umfrageergebnissen um die zwanzig Prozent - um ein achtbares Ergebnis. Kritik an Pflüger aus der Berliner CDU wurde in den vergangenen Tage nicht mehr laut; zunächst aber waren Äußerungen zitiert worden, Pflüger habe sich 1991 bei der Umzugsentscheidung zu stark für Bonn als Hauptstadt engagiert.
Mit einem Sieg rechnet kaum jemand
Die anderen Kandidaten, die genannt wurden oder sich selbst ins Gespräch brachten, hätten nur schwer erfolgreich arbeiten können. Die populäre Bezirksbürgermeisterin von Reinickendorf, Marlies Wanjura, hätte als Geschöpf des 2001 gescheiterten Spitzenkandidaten Steffel gegolten. Dem als schwach geltenden Fraktionsvorsitzenden Nicolas Zimmer hätte die Spitzenkandidatur zur Festigung seiner Stellung verholfen, was nicht alle in der Fraktion wünschen. Zu welchen Bedingungen Pflüger antreten wird, ob er etwa den Landesvorsitz und die Führung eines einflußreichen Kreisverbandes verlangt, und wie er sich nach der Wahl verhalten wird, ist bislang nichts bekannt.
Pflüger wurde von dem früheren Regierenden Bürgermeister und späteren Bundespräsidenten Weizsäcker empfohlen. Ihm diente Pflüger als Büroleiter und Sprecher. Eine Nominierung Pflügers gilt als verträglich mit dem Wunsch der CDU-Bundesführung nach ruhigerem Fahrwasser für den Berliner Landesverband.
Text: F.A.Z., 18.01.2006 / Seite 1
Bildmaterial: REUTERS