20. November 2009 Niemand kann sagen, Ministerpräsident Günther Oettinger sei nicht stark genug gewesen, seinem ständigen Verfolger Stefan Mappus standzuhalten. Begründet ist es jedoch zu sagen, dass die schwindende Anziehungskraft des baden-württembergischen CDU-Vorsitzenden Oettinger auf die Wähler allein Mappus zugutegekommen ist. Wer sich was immer in Berlin – ob der Unionsfraktionsvorsitzende Kauder oder CDU-Vorsitzende Merkel selbst – über die Lösung der Stuttgarter Misere vorgestellt haben mag, er hätte mit dem Durchmarsch des CDU-Landtagsfraktionsvorsitzenden Mappus rechnen müssen.
Kaum hatte ihm Oettinger mitgeteilt, er selbst werde nach Brüssel entsandt – wieso hatte das eigentlich niemand Mappus schon vorher wissen lassen? –, organisierte dieser seine Mehrheit in seiner Hausmacht, dem Fraktionsvorstand. Damit schuf er Tatsachen, bevor andere im Lande, etwa die Minister, auch nur Luft holen konnten.
Schönrednerei
Mappus scheint bisher nicht viele Freunde im Land und in der Partei gehabt zu haben; sein Vorgehen und der Umstand, dass er niemanden finden wollte oder konnte, der ihn sofort öffentlich vorgeschlagen hätte, deuten zumindest darauf hin. Aber er hatte von Anfang an, das heißt zumindest seit seiner ersten Wahl in den baden-württembergischen Landtag 1996, einen Förderer: Ministerpräsident Teufel machte ihn rasch zum Politischen Staatssekretär, bei nächster Gelegenheit zum Minister. Vielleicht setzte er, Jahrgang 1939, darauf, mit Hilfe des kraftstrotzenden Mannes vom Jahrgang 1966 den drängelnden Möchtegernnachfolger des Jahrgangs 1953 sich vom Hals zu halten. Oettinger gelang es aber, sich dazwischenzudrängen.
Schon am Tag der Wahl des neuen Ministerpräsidenten stand der Anwärter auf seine Nachfolge fest. Mappus ließ keinen Zweifel daran, dass er dieses Ziel so rasch wie möglich zu erreichen wünschte. Der Vater zweier Söhne, verheiratet mit der früheren CDU-Landesgeschäftsführerin Susanne Verweyen-Mappus, die ihm in seinem Wahlkampf in Pforzheim geholfen hatte, den Wechsel der SPD-Landesvorsitzenden Vogt aus dem Bundestag in den Landtag zu verhindern, nahm immer etwas volksnäher Stellung, bodenständiger“ nennt er das, als gerade Oettinger. Als dieser, im Rufe eines Wirtschaftsliberalen stehend, mit einer Änderung seines Images und einer damals noch als Aufbruch zu neuen Ufern gedachten Koalition mit den Grünen liebäugelte, legte ihn neben anderen auch Mappus auf die FDP fest.
Zugleich machte er sich Gedanken, wie er sich von Oettinger unterscheiden könne, und formulierte mit Markus Söder, Philipp Mißfelder und Hendrik Wüst ein Papier zum bürgerlichen Konservatismus“, von dem sich allerdings nichts anderes einprägte als der Titelbegriff. Der Hinweis der Autoren, seither werde über das Papier dauernd gesprochen, ist Schönrednerei. Doch könnte Mappus in der trotz ihrer Größe und Bedeutung recht grau gewordenen baden-württembergischen CDU wieder eine farbige Gestalt werden.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp, dpa