Terrorverdacht

Ermittlungen gegen deutsch-türkische Gruppe

Von Peter Carstens, Berlin

War Nenas Konzert ein Ziel von Islamisten?

War Nenas Konzert ein Ziel von Islamisten?

15. September 2006 Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt ermitteln bislang ohne eine abschließende Einschätzung gegen eine Gruppe türkischer und deutsch-türkischer Männer, die möglicherweise einen Terroranschlag ausführen wollten. Verfassungsschützer hatten die Gruppe Ende August bei verdächtigen Aktivitäten beobachtet. Am 25. August, eine Woche nach der Festnahme des ersten mutmaßlichen Koffer-Bombers, verfolgten Verfassungsschützer Mitglieder der Gruppe auf eine Brücke am Rhein-Herne-Kanal in Gelsenkirchen. Von dort aus konnte man ein Tankschiff sehen, für das sich die Gruppe möglicherweise interessierte. Nicht weit entfernt sollte bald darauf ein Konzert der Sängerin Nena stattfinden.

Aus abgefangenen SMS-Nachrichten und anderen Umständen gelangten die Verfassungsschützer zu der Auffassung, es könnte ein Terroranschlag geplant werden, dessen möglicher Ablauf wie folgt gedacht wurde: Zunächst solle das Tankschiff gekapert werden, das dann wenige hundert Meter weiter während der Musikdarbietung vor Hunderten Zuhörern an der Konzert-Arena zur Explosion gebracht werden sollte.

Hausdurchsuchungen blieben ergebnislos

Die Anhaltspunkte oder die Phantasie der Beobachter legten ihnen diese Möglichkeit immerhin so nahe, daß die Mitarbeiter des Verfassungsschutzes die Polizei informierten und um sofortige Festnahme ersuchten, was auch geschah. Auf diese Weise wurde möglicherweise ein Anschlag verhindert, vielleicht wurden aber auch nur böse Phantasterei jäh beendet. Jedenfalls griff die Polizei im Zuge der Gefahrenabwehr so früh zu, daß nun die Beweiserhebung schwierig ist. Hausdurchsuchungen blieben dem Vernehmen nach ergebnislos.

Haftbefehle sind nicht ergangen. Die Bundesanwaltschaft hegt einen Anfangsverdacht, dem zufolge eine Vereinigung mit terroristischen Absichten sich gebildet haben könnte. Ob etwas und was eventuell geplant war, sei unklar, hieß es gegenüber dieser Zeitung.

„Der Tag des jüngsten Gerichtes ist bald gekommen“

Das Bundeskriminalamt und der Verfassungsschutz erkennen angeblich eine „islamistische Struktur“, die sich im Raum Essen, Gelsenkirchen und Duisburg verbreitet habe. Möglicherweise habe sich die Gruppe oder „Struktur“ mit der finanziellen Unterstützung des Terrors im Irak, in den palästinensischen Gebieten und Pakistan beschäftigt.

Beim Bundeskriminalamt liegen nach einem Bericht der „Ruhr-Nachrichten“ Erkenntnisse über zwei Personen, Yalcin I. und Harkan B. vor. Harkan B. solle bereits am 3. August an mehrere Personen eine Handy-Kurzmitteilung mit dem Text „Der Tag des jüngsten Gerichtes ist bald gekommen“ verschickt haben. Der Fall beschäftigt seit seinem Bekanntwerden sowohl die Strafverfolgungsbehörden als auch die Innenministerien des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen.

Text: F.A.Z., 15.09.2006, Nr. 215 / Seite 2
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa

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