Gnadengesuch Christian Klars

Anschlag auf Buback wird neu untersucht - Klar schreibt an Köhler

18. April 2007 Die Tatbeteiligungen des zu lebenslanger Haft verurteilten RAR-Terroristen Klar an Mordanschlägen im Jahr 1977 sollen neu überprüft werden. Dies teilte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) mit.

Michael Buback, der Sohn des am 7. April 1977 ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback, hatte in einem Gastbeitrag in der „Süddeutschen Zeitung“ geschrieben, er habe „aus dem Bereich der RAF“ Informationen erhalten, wonach Klar nicht der Mörder seines Vaters sei und „auch nicht an der frühen Planung des Attentats teilgenommen“ habe. An der Ermordung des Bankiers Ponto habe Klar hingegen „mitgewirkt“; doch sei es der Plan gewesen, Ponto zu entführen. Weil die Entführung misslungen sei, sei es „nachvollziehbar, dass - wie ich höre - Christian Klar nicht in die Entführung von Hanns-Martin Schleyer einbezogen wurde“. (Siehe auch: Kommentar: Bubacks Mitleid mit Klar)

Anwalt Klars zeigt sich überrascht

Frau Zypries äußerte dazu: „Die Generalbundesanwaltschaft weiß seit einigen Tagen, dass jemand bei Herrn Buback vorstellig geworden ist und bestimmte Dinge erzählt hat.“ Die Behörde werde diese Person zu einem Gespräch einbestellen und den Sachverhalt erörtern. Der Anwalt Klars, Hans-Jürgen Schneider, sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, er sei über den Artikel und den Inhalt „überrascht“. Er habe selbst keine Kenntnisse über „Fakten und Hintergründe“ dieser Art. Die Informationen seien „völlig neu für mich“.

Das Bundespräsidialamt hingegen war vor einiger Zeit von Michael Buback unterrichtet worden, dessen Vater von einem Motorrad aus ermordet worden war. Bundespräsident Köhler prüft seit geraumer Zeit ein Gnadengesuch des zu lebenslanger Haft verurteilten Klar. Unter Hinweis auf die ihm zugekommenen Erkenntnisse plädierte Michael Buback in seinem Aufsatz für eine Begnadigung Klars. Er wolle „im Zweifel“ diesen Informationen glauben, „dass er (Klar) keiner der Täter auf dem Motorrad war“.

Buback schrieb, „als mögliche Schützen blieben aus dem stets genannten Täterkreis Günter Sonnenberg und Knut Folkerts“. Sonnenberg habe das Motorrad ausgeliehen und „es wohl auch gefahren“. Buback fügte an: „Der Schütze auf dem Beifahrersitz müsste demnach Knut Folkerts gewesen sein, aber ich höre, Folkerts sei nicht an der Tat beteiligt gewesen.“ Nähere Angaben zu seiner Quelle machte Buback nicht.

Köhler sprach am Mittwoch mit Buback. In den vergangenen Wochen hatte Köhler auch mit anderen Opfern des RAF-Terrorismus Gespräche geführt. Eine Unterredung Köhlers mit Klar, zu der dieser nach Ankündigung seines Anwaltes bereit war und ist, gab es bisher nicht. Nach Angaben aus dem Bundespräsidialamt sei ein Gespräch zwar nicht auszuschließen, werde aber derzeit nicht geplant. (Siehe auch: Die RAF-Opfer vor Augen)

Klar erläutert umstrittenes Grußwort

Klar hat sich einem Zeitungsbericht zufolge inzwischen in einem weiteren Brief an den Bundespräsidenten gewandt, um sein Gnadengesuch voranzutreiben. Klar präzisiere darin seine Beweggründe für das umstrittene Grußwort, das er im Gefängnis in Bruchsal verfasst hatte und das Anfang Januar auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin verlesen worden war, wie der Berliner „Tagesspiegel“ berichtet.

Der Text mit einer scharfen Kapitalismuskritik hatte Klar den Vorwurf eingebracht, er hänge immer noch RAF-Gedanken an. Eine Haftentlassung sei daher unangebracht. Das Bundespräsidialamt wollte dazu am Mittwoch keine Stellung nehmen.

Nach Informationen des „Tagesspiegel“ zeigt sich Klar in dem Brief an Köhler von der Heftigkeit der Debatte irritiert und verweist darauf, dass sein Grußwort auf persönlichen Wunsch des ehemaligen PDS-Bundestagsabgeordneten Heinrich Fink verfasst worden sei. Fink war es auch, der den Text auf der Konferenz verlesen hatte. (Siehe auch: „Klars Text entspricht Position der Linkspartei“)



Text: ban.; F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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