Bericht des Bundesrechnungshofs

Ein-Euro-Jobs werden missbraucht

Nach Informationen der F.A.Z. fällt der Bundesrechnungshof ein vernichtendes Urteil über Hartz-IV-Maßnahmen: Ein-Euro-Jobs seien kein geeignetes Mittel, Erwerbslose zurück auf den Arbeitsmarkt zu bringen. Vielmehr verdrängen sie reguläre Arbeitsverhältnisse.

Lesermeinungen zum Beitrag

08. Mai 2008 16:39

Mißbrauch von 1 Euro - Jobbern

Alexander Berg (AlexanderBerg)

Das Bild zieht sich in größerem Maßstab durch die ganze Gesellschaft. Ob Praktikanten, Geringverdiener, die 40 Stunden die Woche arbeiten, ohne davon wirklich leben zu können, Mitarbeiter in Personalagenturen, die die Hälfte von dem verdienen, was ihr Nebenmann für die gleiche Arbeit verdient etc. etc. Arbeitgeber und deren Lobbyisten sagen dann einfach "Globalisierung-Abrakadabra und alle senken die Köpfe dazu. Auch wenn also die BA schlechte Arbeit verrichtet in der Vermittlung, hat sie doch eine gesamtgesellschaftliche Ausgangspostion, die dies relativiert. Viele zu vermittelnde "Arbeitssuchende" können einfach nicht motiviert werden mit Jobs zu Hungerlöhnen und ohne Zukunftsperspektiven. Das kann man ihnen noch nicht einmal verübeln. Mit der Lupe auf Arbeitsamt und Co. sieht man nur einen kleinen Ausschnitt des neokapitalistischen globalen Debakels, dem wir uns momentan gegenübersehen. Die Politik, die als Gegen- und Regulierungskraft der Profitmaximierer nicht mehr taugt, im Gegenteil, versagt hier auf ganzer Linie und es wäre nur zu schön für die Regierungen, die Schuld an dieser Entwicklung auf exekutive Beamtenorgane wie die Arbeitsagenturen abwälzen zu können.

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08. Mai 2008 16:32

Die kapitalistische Wirtschaft benötigt die Menschen nicht

Paul Rabe (heidelpaul)

Man sollte sich endlich von der Illussion der Vollbeschäftigung verabschieden. Die statistische Normalverteilung der Talente hat sich sich seit der Steinzeit kaum geändert aber die benötigten Qualifikationen für einen Menschen den man im Kapitalismus noch sinnvoll beschäftigen kann erhöhen sich fast täglich. Das ist das Grundproblem. In unserem Unternehmen beschäftigen wir z.B. zu 90% Akademiker. Menschen mit unterdurchschnittlichen geistigen Fähigkeiten bzw. Ausbildung (und dazu gehört nunmal exact die Hälfte der Bevölkerung) können wir kaum gebrauchen, damit würden wir im Wettbewerb nur verlieren. Einfache Tätigkeiten erledigt bei uns der Computer.... Vollbeschäftigung wird unter kapitalistischen Bedingungen zunehmend eine Illussion, die nur noch zutrifft wird man mutwillig ineffizient ist, also bewusst auf Automatisierung verzichtet. Aber wer will schon mutwillig den technischen Fortschritt aussperren ?

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08. Mai 2008 16:16

Reale 8 Mio Arbeitslose stehen 700.000 offenen Stellen gegenüber

Martin Gürsch (Betroffener)

Daran hat sich seit 2004 auch nicht wirklich etwas geändert. Was soll also das Geschrei um bessere Vermittlung, wenn es gar nichts zu vermitteln gibt? So viele Junkies, Alkoholiker, vermeintlich Unqualifizierte und was auch sonst immer angeführt wird als sogenannte "Vermittlungshemmnisse" haben wir nun wirklich nicht - von einem Großteil der Sozialhilfeempfängern mal abgesehen, die 2005 von den Kommunen in Hartz IV abgeschoben wurden zur Kassensanierung. Maßnahmen dienen überwiegend der Statistikverschönerung. Kein Wunder, dass fast 50% der Arbeitslosen in diesen Statistiken erst gar nicht auftauchen. In den letzten Monaten ging der Rückgang der Arbeitslosenzahlen zum größten Teil auf Teilnahme an Maßnahemn zurück - nicht durch Einstellung in Arbeit. Fürs Wahljahr sollen es unter 3 Mio werden - und das werden die Statistiker der BA in 2009 liefern - koste es was es wolle. Auch die kommunalen Jobkombis werden daran nichts ändern, da die für die Kommunen teurer sind als Ein-Euro-Jobber, für die sie noch "Verwaltungsgebühren" bis 250 € kassieren können. Es muss mehr bezahlte Arbeit her - das ist die einzige Lösung. Aber da ist die Wirtschaft nicht dran interessiert, um das Lohndumping bebehalten zu können.

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08. Mai 2008 16:07

das was zu erwarten war...

Stanislaus Swerd (Olympionike)

Bitte schön: das was zu erwarten war, und wovor auch deutlich gewarnt wurde, ist nach den Gesetzmäßigkeiten dieser linkisch-linken Krummenrepublik auch prompt eingetreten!

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08. Mai 2008 13:47

vermittlungshemmnisse

Dirk Häßner (Cobalt60)

ohne die teils katastrophale arbeitsvermittlung der argen schön reden zu wollen, aber was ist denn häufig der grund dafür, daß ALG II-empfänger schwer vermittelbar sind, oder nach beschäftigungsaufnahme auch schnell wieder arbeitslos werden? das ist in vielen fällen die mangelnde und/oder nicht passende qualifikation - daß erstmal qualifizierte leute eine arbeit finden ist logisch - daher ist auch die vermittlungsquote der agentur höher als die der arge neben den fragen der qualifikation stehen noch personenbedingte gründe (sog. vermittlungshemmnisse) - dazu zählen alkohol- und drogenprobleme, gesundheitl./psychische Einschränkungen, Vorstrafen u.ä. und meines erachtens muß auch dazugezählt werden: mangelde bereitschaft eine tätigkeit aufnehmen zu wollen, alleinerziehende mit mehreren kindern und verwahrlostes erscheinungsbild - es gibt im bereich alg-II einfach menschen die schlichtweg nicht vermittelbar sind

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08. Mai 2008 13:45

Untaugliche Mittel - wider besseres Wissen

Lars Uhlson (Uhlson)

@Irene Henning Entspricht auch dem was ich beobachten konnte. Die Maßnahmen gehen an den Betroffenen vorbei, sie müssen sie aber über sich ergehen lassen, weil sonst Kürzungen drohen. Wie sollen auch Fallmanager, die manchmal selber zuvor arbeitslos waren und diesen Job auch eher aus Not denn aus Neigung annehmen - sich in kürzester Zeit in die vielen Berufsbilder und den Gegenbenheiten auf den regionalen Arbeitsmärkten einarbeiten? Wirklich Sinnvolles findet selten statt - das alles scheint eher der Legitimation der Jobcenter und als kosmetische Maßnahme zur Schönung der Statistiken zu dienen. Würde man dieses Mittel den Jobsuchenden zur Verfügung stellen statt ihnen Ketten ans Bein zu binden, um eigentlich diejenigen zu erreichen, die nicht arbeiten wollen - und die dann letztlich doch nicht erreicht werden. Erschreckend ist, dass vieles abzusehen war und man es trotzdem gemacht hat - nach dem Motto: Hauptsache irgendetwas wird gemacht, den Schaden tragen ja andere.

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08. Mai 2008 12:48

Wer ist der Adressat?

Karl Mielke (karo02)

Die Defizite der Bundesagentur für Arbeit, die sich für Deutschland zu einem erheblichen Schaden summieren, sind hinreichend veröffentlicht. Dieser Moloch ist zu einem rationalen Diskurs nicht fähig, und damit quasi "Schuldunfähig". Aber welche Gründe liegen vor, wenn die Politik unentwegt ihr Vertrauen ausspricht?

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08. Mai 2008 12:25

Mißbrauch von 1 EUR Jobs

Jens Harke (jha2000)

Bedürfen höchstbezahlte Politiker für diese Feststellung den Rechnungshof? Die Vedrängung von 5 EUR Jobbern durch 1 EUR Jobber ist gängige Praxis und mit einem Funken Grips auch nachzuvollziehen. Die 1 EUR Jobber sind alles andere als motiviert; die Qualität der Leistung sinkt. Schlimm ist, das gegen diesen offensichtlichen Mißstand nichts unternommen wird. Noch schlimmer, das selbst in öffentl. Verwaltungen 1 EUR Jobber eingesetzt werden. Dafür müsste jeder Verantwortliche sofort gefeuert werden.

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08. Mai 2008 12:11

Statistik

Irene Henning (Ganzweitvorn)

Die ganzen Nachfolgeorganisationen der Arbeitsämter haben die milliardenschwere Aufgabe, so viele Leute wie möglich aus der Arbeitslosenstatistik zu bekommen. Bei echter Arbeitsvermittlung würde dies nicht zu schaffen sein. Wer wirklich Arbeit haben will muß dies häufig gegen den Widerstand dieser Organisationen tun, da er durch allerlei bürokratischen Schnickschnack bei der eigentlichen Arbeitssuche noch zeitlich behindert wird.

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08. Mai 2008 04:51

genau

Jerry Thomas (initial)

darum geht's - endlich merkt's mal jemand. Außer sanktionieren ist beim jobsenter (tut mir leid, so buchstabiere ich das nun mal) keine andere aktion bekannt. die leute sind einfach kaum erreichbar (telefonisch schon gar nicht) und alles dauert ewig. wer sich bemüht wird nur frustriert und ständig bedroht, dass man was falsch machen könnte und für negative konsequenzen gerade stehen müsste. keiner traut sich zu bewegen, weil man am ende schlechter dastehen könnte. qualifizierte beratung findet nicht statt. jobs werden nur per computerautomatismus gesucht, und das auch nur im tätigkeitsfeld des letzten jobs. völlig ignoriert wird, welche zusatzqualifikationen man angegeben hat oder was man sich sonst noch zutraut. totalversager auf ganzer linie, was die ureigenste aufgabe betrifft, die jobvermittlung. und die "kunden" sind diejenigen, die es ausbaden müssen, weil alle nur auf ihnen rumhacken.

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07. Mai 2008 19:11

Wer hätte das gedacht?

Paul Schächterle (paulimausi)

Zitat: "Meistens handele es sich bei den geförderten Tätigkeiten um reguläre Aufgaben der öffentlichen Hand. Mit den Ein-Euro-Jobs sollten somit reguläre 'Arbeitskräfte eingespart oder ein haushaltsbedingter Personalmangel ausgeglichen werden'. […] Es handelte sich dabei überwiegend um eine Mitnahme von Fördermitteln." Wer hätte das gedacht?

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