Arbeitsmarkt

Koalition verschärft Hartz-Regeln

Die Koalition verschärft den Druck auf arbeitsunwillige Langzeitarbeitslose. Ihnen sollen bei dreimaliger Pflichtverletzung sämtliche Leistungen gestrichen werden können, beschlossen Union und SPD im Sozialausschuß des Bundestags.

Lesermeinungen zum Beitrag

01. Juni 2006 16:20

Die Würde des Menschen ist unter Finanzierungsvorbehalt

Herbert Winter (Tell59)

Bevor Harz IV in die geplante Richtung "reformiert" wird, muß noch Artikel 1 des GG mit diesem Satz geändert werden! Die Große Koalition macht‘s möglich. Es wäre nur konsequent.

Da wird zwar die Menschenwürde angeblich nicht angetastet, aber jetzt ziemlich unverhohlen die Zwangsarbeit proklamiert. Ich frage, wie das zusammenpaßt? Demnach hätten ja auch die Bolschewiken unter Stalin menschenwürdig gehandelt, als sie Millionen zur Zwangsarbeit nach Sibirien schickten. War ja im Grunde auch nichts anderes, als sich billige Arbeitskräfte zu besorgen und der Versuch, das Land dadurch finanziell zu sanieren.

Gleich kommt der Einwand, wo es denn bitte bei uns ein Gulag gäbe? Die Antwort ist einfach: als Metapher, versteckt, doch direkt nebenan. Nicht physisch wie das Original, dafür umsomehr psychisch existiert er, verteilt in allen Wohngebieten zwischen Nachbarn, die noch Arbeit haben. Man muß nur die Augen aufmachen und sehen WOLLEN.

Doch unsere verlogene, von Selbsttäuschung und Vorspiegelungen durchsetzte Gesellschaft die als einzige Götter Geld, Geiz und Neid anerkennt, stellt sich blind. So fühlt sie sich gut und sogar im Recht, sich selbst und andere zu betrügen.

Zunächst, und bevor das alles notwendig wäre, sollten die Vorschläge des Rechnungshofs abgearbeit werden. Dabei ließe sich ein Vielfaches der Mittel sparen, die durch verschärfte Hartz-Regeln gewonnen würden.

Oder falls nicht, sollte Hr. Kauder und Konsorten selbst Spargel stechen gehen!

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
31. Mai 2006 21:55

Ja, Populismus

Marcus Römer (mfroemer)

Sicher, den Einzelfall eines Verweigerers sehend, macht diese Maßnahme Sinn.
Aber ist es denn so, daß 5 Millionen unbesetze Stellen auf ihre Totalverweigerer warten?
Ich glaube ernsthaft, die Bundesregierung täte gut daran, zuerst die Rahmenbedingungen anzugehen, die Arbeitsplätze wieder ermöglichen und DANACH die Verweigerer bedenken.
Stattdessen wird nach wie vor in Deutschland Arbeit aktiv verhindert.

Ich glaube, die menschliche Seite der Arbeitslosendiskussion tritt immer mehr in den Hintergrund.
Es wird mehr und mehr ein Szenario aufgebaut, indem der Arbeitslose als Schädling und der Arbeitende als Nützlich dasteht. Daß die überwältigende Mehrheit der Arbeitslosen selbstverständlich lieber eine ordentlich Arbeit hätte, wird irgendwie vergessen. Aber die 1-2%, die tatsächlich nicht arbeiten wollen, bestimmen auf einmal das Bild des Arbeitslosen.

Maxime von Hartz sollte sein, Arbeitswillige in Arbeit zu bringen und nicht die wenigen Unwilligen zu bestrafen.

Wen, zur Hölle, hab' hab ich denn da gewählt??

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
31. Mai 2006 20:26

An Herrn Hoyer

Jan Carlos Quistorf (Jan_Carlos_Quistorf)

Es kommt darauf an, was man unter zumutbar versteht, ist eine Arbeit für, sagen wir einmal, 600 Euro im Monat unzumutbar? Ab wann ist ihrer Meinung nach die Zumutbarkeitsgrenze erreicht? Außerdem gibt es ja diverse zumutbare Jobs, wer als Arbeitsloser arbeiten will, der nimmt auch ein Arbeitsangebot an (denn unter 365 findet sich ohnehin nichts)! Die Bequemlichkeit ist das Hauptproblem! "Warum soll ich arbeiten, wenn ich mit 'nem bisschen weniger ohne zu arbeiten auskomme?!" Da liegt das hauptproblem, denn viele sind sich einfach zu gut, um aus eigener Sicht "niedere" Arbeit zu verrichten Aktuelles Beispiel: Spargelstechen -> wir hier in Braunschweig sitzen ja quasi "an der Quelle", doch in den letzten Jahren sind viele, vom Arbeitsamt geschickte Erntehelfer schlicht nicht erschienen, oder schon nach kurzer Zeit aufgrund von "Rückenschmerzen" wieder gegangen... Folge: Es kommen polnische Erntehelfer!

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
31. Mai 2006 15:26

Staat verschlanken - sofort

Jürgen Rieger (Riegerparis)

Zum Nachdenken - ein paar Ideen:
1.) Bundestag auf maximal 300 Abgeordnete verringern;
2.) Länderparlamente dadurch abschaffen, daß Deutschland auf maximal 5 Bundesländer ohne Stadtstaaten reformiert wird.
3.) In der heutigen Umwelt unsinnige multiple Behörden durch Zentralisierung abschaffen (z.B. Bildung, Polizei e.t.c.).
4.) Beamtenpensionen incl. Politikerpensionen auf maximal das 6-fache der Durchschnittsrente beschränken - inklusive Anrechnung aller Zuverdienste und Gewinne aus Vermögen.
5.) Den gesamten Fahrzeugpark für Beamte - vor allem ab B 3 aufwärts - so ausforsten, daß angemessen bequeme aber preiswerte Fahrzeuge genutzt werden.

Dies sind nur einige Beispiele, wie man Millionen sparen könnte, die in Bildung und Arbeitsplatzförderung gehen können - und wo die von unseren Steuergeldern bezahlten Politiker endlich einmal mit Beispielen voran gehen können.

Natürlich ist Mißbrauch und Faulheit zu bekämpfen - ich habe eine 50 - 65 Stunden-Woche. Aber nur auf die zu schlagen, die noch arbeiten oder unschuldig arbeitslos sind ohne selbst die Zeichen der Zeit zu sehen = wir sind Pleite, hinken bildungsmäßig hinterher und haben uns in 10.000 Vorschriften einbetoniert - ist fahrlässig.

Doch noch nicht einmal die PDS wird sich dafür stark machen - Michel, wach auf.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
31. Mai 2006 13:22

Immer wieder erfrischend

Florian Falter (Falterschwinge)

wie unsere Politiker so über die Hartz-IVler denken. Würden sich doch alle Hartz-IVler ein Beispiel an unseren hart arbeitenden Politikern nehmen, unser Vaterland stünde besser da. Nicht nur opfern Politiker sich in der unmenschlichen Arbeit der Vertretung des Volkswillens auf, für die sie klar unterbezahlt werden! Nein, neben der zügigen Lösung der Probleme des Landes schaffen die wackeren Politiker es auch noch, unserer ächzenden Wirtschaft durch die Wahrnehmung mehrerer Aufsichtsratsposten unter die Arme zu greifen; selbst der Großfürst des Reformwillens Friedrich "alles-auf-einem-Bierdeckel" Merz nimmt nebenher noch Berateraufträge an. Da ist es nur zu verständlich, dass sie für die schöne Zeit nach der Parlamentariertätigkeit in ein goldenes Nest aus Pensionsansprüchen zurücksinken wollen, das ihnen jede Woche ein Mehrfaches dessen beschert, was die Hartz-IV-Schnorrer sich jeden Monat in die Tasche stecken. Natürlich ist da auch verständlich, dass die wackeren Volksvertreter in diesen Genuss schon mit Mitte 50 kommen wollen; Pension ab 67 wäre doch eine Verschwendung all der schönen Möglichkeiten, die sich im Ruhestand wohlpensioniert ergeben.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
31. Mai 2006 10:11

Der Blick von OBEN nach UNTEN

A. Rodi-Nohr (Steuerzahler)


Die Forderungen der CDU-Fraktion zur Kürzung der ALGII bei Arbeitsverweigung eines nicht existenzsichernden Arbeitsplatzes, ist ein Gebot der Zeit.

Das ist der letzte Schritt, den Arbeitsmarkt den Geboten der Freien Marktwirtschaft zu öffenen und der Sozialstaat kann seine Geldmittel ohne schlechtes Gewissen zur "Arbeitsplatzschaffung" in die Wirtschaft pumpen. Gerne bietet die Wirtschaft nicht existenzsichernde Jobs an und die Lebenshaltungkosten muß die Allgemeinheit übernehmen.

Ob mit diesen Maßnahmen dem Rest der Arbeiterschaft gedient ist, ist fraglich, aber der NEIDFAKTOR wird NOCH befriedigt und vernebelt den Wählern den Blick, die noch glauben von OBEN nach UNTEN blicken zu können.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
31. Mai 2006 10:06

Typisch Gewerkschaft

Andreas Seidl (ASeidl)

man beklagt den Mangel an Arbeitsplätzen und ist gleichzeitig der Hauptverhinderer in unserem Land, den deutschen Arbeitsmarkt international wettbewerbsfähig zu machen, indem man an Besitzständen klebt. Oft kommt es mir so vor als ob man nur um Gottes Willen keinen Irrtum oder Fehler zugeben möchte.

Die Ausbildungsplatzmisere ist eine direkte Folge des Abbaus der Industrieareitsplätze, denn für eine Produktion, die es nicht mehr gibt, braucht man auch keinen Nachwuchs.

Ein weiteres Glanzstück ist das Erntrüstet sein, daß nur die Hälfte der Betriebe ausbilden. Nun was erwartet man von den vielen 1 bis 3 Mann Betrieben in Deutschland? Solche Äusserungen sind plumpe Stimmungmache und tragen zur Lösung nicht bei oder beweisen, die Wirtschaftsstruktur in Deutschland nicht verstanden zu haben.

Zuletzt bleibt der Vorschlag alle Arbeitslosen über die Arbeitsagentur zu vermitteln. Die, die es nicht können sollen ihr Unvermögen noch zur Perfektion treiben? - Nein danke. Wenn ich mich auf die Arbeitsargentur verlassen hätte, wäre ich heute auch Hartz IV Empfänger!

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
31. Mai 2006 10:01

Ursachen und Wirkung, die 2te!

David Eichberg (wwaldii)

Es ist wie immer, die bösen Arbeitlosen sollen sich gefälligst um Arbeit bemühen. Und wenn Sie nichts finden?
Kann man die in die Türkei ausweisen???

Meiner Meinung sind doch Arbeitslose und vor allen Dingen Langzeitarbeitlose ganz klar WIRKUNGEN.

Als URSACHE ist die Unfähigkeit mehrerer Faktoren zu sehen, Arbeit in zumutbarer Entfernung und Entlohnung zu finden und diesen Leuten anzubieten. Nur die wenigsten werden Arbeit, die den oben genannten Faktoren entspricht, ablehnen.

Es müssen einfache, flexible und durchschaubare Bedingungen geschaffen werden, die es (kleinen) Unternehmen leichter macht Leute einzustellen.
Der wichtigste Punkt sind dabei natürlich die Lohnnebenkosten. Fast 20% Abzüge allein für die Rente, im Schnitt 13% (oder mehr) für Krankenkasse und so weiter....

Da muss endlich was passieren! Dort muss angesetzt werden die Arbeitslosen zu verprügeln weil sie keine Arbeit finden, ist Unfug.

Jeder normale Mensch geht nicht für 400 EUR arbeiten, wenn er 500 EUR Arbeitslosengeld (oder was auch immer) bekommt.

Ich selbst habe, Gott sei Dank, Arbeit! In meiner Heimat haben wir 25% offizielle Arbeitslosenquote, ich war selber Arbeitslos und weiss wie es ist, immer wieder gesagt zu bekommen: tut uns leid wir brauchen Sie nicht.

Sehr geehrte Damen und Herren Politiker, werdet endlich wach!!!

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
31. Mai 2006 09:19

Populismus!

Robert Prätzler (RobertPraetzler)

Grundsätzlich ist die Aussage richtig, dass Arbeitslose zu allen Arten von Arbeiten herangezogen werden sollten, wenn sie staatliche Hilfen erwarten. Das gilt natürlich erst für Langzeitarbeitslose, d.h. wenn sie nicht mehr Leistungen der Arbeitslosenversicherung empfangen.

Man fragt sich nur, was diese markigen Worte von Herrn Kauder sollen? Will er provozieren, oder sich beim "einfachen Volk" profilieren? Ein Mann, der dank seiner Parteimitgliedschaft von den Risiken Altersarmut und Arbeitslosigkeit nichts zu befürchten hat, sollte nicht so große Töne spucken.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
31. Mai 2006 08:22

Kauder: auch Manager sollen Spargel stechen...

Christian Hufnagl (chufnagl)

Der Beitrag von Herrn Kauder zeigt, wie unseriös Politik werden kann. Möge er doch mit gutem Beispiel vorangehen und mal eine Woche lang Spargel stechen gehen; dann würde er wenigsten glaubwürdig.

Es geht doch bei Langzeitarbeitslosigkeit nicht um Spargelstechen oder Toiletten putzen, sondern darum, daß neue Jobs ermöglicht werden. Was tat Herr Kauder hierfür bislang? Mehrwertsteuer erhöhen, Gesundheitskosten erhöhen, nachdenken, was noch erhöht werden kann.

Jämmerlicher Beitrag aus dem Dt. Bundestag.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
1 - 10 von 10 Lesermeinungen
Suche in Beitrag Lesername oder Login
Datum bis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche