UN-Sonderberichterstatter Muñoz

Dreistes Urteil über das deutsche Schulsystem

Von Heike Schmoll

Es geht darum, die frühkindliche Förderung weiterzuentwickeln

Es geht darum, die frühkindliche Förderung weiterzuentwickeln

21. März 2007 Was manchen Bildungsforscher jahrzehntelang beschäftigt und ausführlicher Studien bedarf, glaubt der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung Muñoz in einem flüchtigen Blick auf das deutsche Schulsystem leisten zu können. Das ist nicht nur dreist, es ist in hohem Maße unlauter.

Denn es handelt sich, wie die Empfehlungen zeigen, um die Wiederholung der Pisa-Befunde und bruchstückhafte Eindrücke eines gut einwöchigen Besuchs. Darauf hatte die Republik gewartet. Noch mehr aber auf eine neuerliche Schulformdebatte, die von einem Vertreter des internationalen Gesamtschulkartells angezettelt wird.

„Menschenrechtsverletzungen“

Außer Klischees hat Muñoz wenig anzubieten - leider

Außer Klischees hat Muñoz wenig anzubieten - leider

Welches andere Land besitzt ein vergleichbar schwach ausgeprägtes Selbstbewusstsein und lässt sich von einem Professor aus Costa Rica, der kaum des Deutschen mächtig ist, die Leviten lesen? In Frankreich jedenfalls wäre dieser Abgesandte mit Nichtachtung gestraft worden - und zwar zur Recht.

Seine Vorschläge lassen jegliche Sachkenntnis vermissen. Wenn es Muñoz wirklich darum ginge, den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg aufzulösen, könnte er nicht ausgerechnet das „Homeschooling“ vorschlagen, wodurch die Selektivität erst recht gefestigt würde, weil eine Durchmischung der sozialen Schichten im Klassenzimmer überhaupt nicht mehr stattfände.

Noch peinlicher ist, dass sich Muñoz damit auch noch zum Sprecher des sogenannten Netzwerks „Bildungsfreiheit“ macht, das ihm zu Beginn der Stippvisite zur Verfestigung seiner Vorurteile einen Bericht über „Menschenrechtsverletzungen im deutschen Bildungssystem“ übergeben hatte. Darin forderte das Netzwerk, den Sorgerechtsentzug bei häuslichem Unterricht aufzuheben.

Keine Vorschläge für frühkindliche Förderung

Doch die deutsche Schulpolitik kann sich weder mit Schulformdebatten noch mit Außenseiterthemen aufhalten: Es geht darum, die frühkindliche Förderung weiterzuentwickeln, um die unterschiedlichen Ausgangslagen der Schulanfänger anzunähern.

Dazu gehört die gezielte Sprachförderung ausländischer Kinder in vorschulischen Einrichtungen unter Einbeziehung der Eltern. Vielleicht könnte der Sonderberichterstatter dazu zielführende Vorschläge unterbreiten. Doch damit ist nach diesem klischeehaften Bericht nicht mehr zu rechnen.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung
Bildmaterial: AP, dpa

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