Maria Böhmer

Die integrative Staatsministerin

Von Heike Schmoll

Maria Böhmer bezeichnet sich selbst als konservative Feministin

Maria Böhmer bezeichnet sich selbst als konservative Feministin

12. Juli 2007 Gedrängt hat sich Maria Böhmer gewiss nicht zum schwierigen Ressort der Integrationsbeauftragten im Kanzleramt. Um ein Haar hätte sie Bernd Neumanns Part übernommen und wäre Kulturstaatsministerin geworden. Inzwischen aber hat sie - trotz aller Dornen und Fallstricke - längst die Begeisterung gepackt.

Es fällt ihr als lebensfroher Rheinland-Pfälzerin nicht schwer, den Kontakt mit den Betroffenen zu suchen. Denn Integrationspolitik lasse sich nur mit den Einwanderern machen, ist sie überzeugt. Sie kennt die wichtigsten Integrationsprojekte der Stiftungen und Länder, und sie weiß längst, wie wichtig es wäre, eine gemeinsame Plattform für die Stiftungen und Initiativen zu schaffen.

Patriarchales häusliches Regiment

Aber sie lässt auch keinen Zweifel daran, dass die kulturelle und soziale Eingliederung nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten mit sich bringt. Ein freiwilliges Angebot für Deutschkurse hält sie für sinnlos - gerade für viele türkische Frauen, die als Analphabeten hierherkommen. Denn die Sprachkenntnisse sind längst als Dreh- und Angelpunkt jeglicher Integration erkannt worden.

Häufig liegen die Sprachhindernisse im patriarchalen häuslichen Regiment. Organisationen wie die Hertie Stiftung, die Mercator Stiftung oder die Bosch Stiftung widmen sich deshalb verstärkt den kulturellen Barrieren. Doch am Ende hängt alles an Ländern und Kommunen. Die Staatsministerin für Integration kann Bildungspaten installieren und Vorschläge unterbreiten, doch mit freiwilligen Selbstverpflichtungen ist es nicht getan.

Noch immer ein eigener Weinberg

Frau Böhmer bleibt trotzdem unverdrossen. Als Mathematikerin und Physikerin besitzt die 57 Jahre alte Pädagogikprofessorin aus Mainz Ausdauer. Sie stammt aus einer katholischen Winzerfamilie, hat das Keltern gelernt und koordinierte mit 14 Jahren die Erntehelfer ihrer Eltern. Sie besitzt noch immer einen eigenen Weinberg bei Alzey.

Gleichzeitig mit dem Beginn ihrer Lehrtätigkeit, die sie später an der Heidelberger Pädagogischen Hochschule fortsetzte, wurde sie 1982 für acht Jahre Frauenbeauftragte des Landes Rheinland-Pfalz. 1985 trat sie in die CDU ein und bereitete den Essener „Frauen-Parteitag“ mit Rita Süssmuth vor, bei dem sich erste Risse im traditionellen christlich-demokratischen Bild von Ehe und Familie zeigten. 1990 zog sie als Abgeordnete des Wahlkreises Frankenthal in den Bundestag ein, engagierte sich in den Sozialausschüssen der CDU und arbeitete am Grundsatzprogramm der Partei mit.

Katholikin, Frau und Pädagogin

Bekannt wurde Frau Böhmer vor allem durch ihr Engagement gegen die Forschung an embryonalen Stammzellen. Als Bundesvorsitzende der Frauenunion stärkte die zweimal wiedergewählte Frau Böhmer, die als Vertraute Angela Merkels gilt, ihre politische Stellung. So nähert sich Frau Böhmer, die sich selbst als konservative Feministin bezeichnet, den Integrationsfragen als Katholikin, Frau und Pädagogin.

Sie weiß, wie wichtig die frühe Sprachförderung in Kindergarten und Grundschule ist, wie schwierig es sein kann, Schulverweigerer doch noch zu einem Abschluss zu bewegen und vor allem dafür zu sorgen, dass sie eine Lehr- oder Ausbildungsstelle erhalten. Sie ist warmherzig-direkt, versteht es aber auch, politische Formeln gezielt einzusetzen und notfalls hart zu bleiben, ohne in Opportunismus zu verfallen.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung
Bildmaterial: dpa

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