“Der Schwabe in mir ist nie ganz zufrieden“

Im Gespräch: Bundespräsident Köhler

„Zur Freiheit gehört Ungleichheit“

Mindestlohn, Managergehälter, Parteiendemokratie und Populismus: Im F.A.Z.-Gespräch zieht der Bundespräsident eine politische Bilanz des Jahres 2007. Köhler äußert sich unzufrieden über die deutsche Reformpolitik und fordert von den Parteien „mehr Reformehrgeiz“.

Lesermeinungen zum Beitrag

02. Januar 2008 16:42

Aristokratischer Kapitalismus!

Herold Binsack (Devin08)

Ich glaube nicht, dass die menschliche Gesellschaft wirklich die Natur kopiert. Dies war nur bisher die einfachste Erklärung für den Barbarismus in allen Gesellschaften. Außerdem glaube ich nicht, dass in der Natur die Entwicklung nach „Diversitätsprinzipien“ (gisbert heimes) verläuft, sondern wohl eher nach dem passendsten Umgang mit „Überschüssen“, die die Evolution (die Photosyntese) in ihren bisherigen Funktionen haben obsolet werden lassen. Ich hätte gerne einmal die Gesellschaft gesehen, die sich in ihrem Bereich über den klugen Umgang mit ihren „Überschüssen“ Gedanken macht. Stattdessen räsoniert man (nicht nur der Bundespräsident) über die innovative Wirkung von Armut, denn wer arm ist, will reich werden, und das mache die Gesellschaft reich. Tatsache ist aber, dass ein bis zwei Drittel dieser Welt heute noch so arm sind, wie vermutlich schon vor tausend Jahren. Wo ist also der Beweis für diese Innovation? Auf der anderen Seite entwickeln wir langsam eine endogene Elite aus immer denselben Reichen, mit dem Ergebnis, dass wir uns zurück zu entwickeln scheinen: aristokratische Kapitalisten ist die innovativste Klasse in der Geschichte – bisher.

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02. Januar 2008 16:21

Herr Präsident: Ungleiche Freiheit?

Walter Wasilewski (wwasilewski)

Zur Freiheit gehört Ungleichheit ?
Eine wunderbare Formulierung. Sie hat nur den entscheidenden Fehler, sie dient zur Beruhigung und nicht der Klarstellung. Was meint Herr Köhler mit Freiheit? Die Meinungsfreiheit?
Ja diese ist in unserem Land sehr ungleich verteilt. Die Meinung der Auslese - die veröffentlichte Meinung- die Meinung Otto Normalverbrauchers , kann momentan nicht veröffentlicht werden der „Platz reicht nicht“ Die angepasste Meinung- darüber wird in vielen Redaktionen geklagt, kommt nur zu Wort wenn „richtig“ angepasst. Oder: „Abweichende Meinungen werden immer dann unterdrückt, wenn sie besonders wichtig sind“. (Roger Willemsen
Die Freiheit zu Änderungen ist begrenzt durch die Vorgabe der Verfassung -das GG- Änderungen sollten nicht durch flotte Sprüche begründet werden.
Wenn die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft in den Mittelpunkt gestellt wird, dann ist die Verfassung nicht mehr Ziel der Politik- Im Mittelpunkt des Wirtschaftslebens steht das Wohl des Menschen.: So die Verfassungen-
Der Schutz seiner Arbeitskraft hat den Vorrang vor dem Schutz materiellen Besitzes. Auch der gerechte Anteil an dem wirtschaftlichen Ergebnis aller Arbeit schafft Ungleichheit aber für den Menschen..
Freiheit ohne Gerechtigkeit ist keine Freiheit!
Walter Wasilewski

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02. Januar 2008 10:11

Der Mensch versteht sich immer noch nicht

gisbert heimes (gisbert4)

Natürlich kann man ein wunderbar funktionierendes System von Ungleichen denken. Und ein ebensolches von Gleichen.

Das Problem ist und bleibt das individuelle Bewußtsein eines nur kollektiv überlebensfähigen Wesens. Für den evolutionären Fortschritt war das der Natur entstammende und auf Diversität beruhende Konkurrenzprinzip unentbehrlich. Die entscheidende Frage ist, wann in der Evolution der Punkt erreicht ist, wo es in Untergang umschlägt. Und ob wir fähig sind, dies zu erkennen und zu steuern.

So gesehen wäre es besser, wenn der Bundespräsident et al. zu einer entsprechenden Bewußtseinsbildung beitrüge(n), statt über die Freiheit zur Ungleichheit zu räsonieren.

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02. Januar 2008 03:17

Gleichheit wäre ja Kommunismus

A. Malliki (a.malliki)

Zum Wohlstand gehört die Armut - ohne die Präsenz der Armut können wir Wohlstand nicht erkennen. Gibt es noch Luxus, wenn ihn jeder hat?

Wir bemessen unser Leben immer aus der Bewertung der anderen und wer schmutzige Finger bei der Arbeit bekommt ist in Zukunft Niedriglöhner und nicht mal mehr Wert in die Gesundheitsversorgung aufgenommen zu werden.

Diese Ungleichheit beflügelt die Wirtschaftszahlen und beschwert uns immer tiefere Arbeitslöhne bei einer staatlich subventionierten Binnenkaufkraft durch Sozialhilfe und Staatsverschuldung.

Köhler bläst zwar für die Wirtschaft ins richtige Horn, aber unser Staat überlebt das nicht.

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02. Januar 2008 02:55

"Ungleichheit gehört zur Freiheit"

A. Malliki (a.malliki)

Als Kreissparkassenchef muss diese Einstellung wohl verinnerlicht werden und in hohem Alter drängt sie noch mehr an die Oberfläche.

Eine sogenannte "Neiddebatte" führte damals zur Franz. Revolution. Da half Marie Antonetts dummer Vorschlag an die Armen: "Sollen Sie doch Kuchen kaufen, wenn sie sich das Brot nicht leisten können!" auch nicht weiter.

Denn das Verbot: "Du sollst nicht stehlen" stamm aus der Feder eines Besitzenden, genau so wie die Weisheit - Geld macht nicht glücklich.

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31. Dezember 2007 18:44

@Citizen_Kane: Stichwortgeber....

Wolfgang Schaefer (schaeferw)

... für meinen von Ihnen in Frage gestellten Beitrag ist nicht der von Herrn Steinbrück als Professor Unsinn geschmähte, sondern sind Beiträge in dieser Zeitung, dem Spiegel und dem Focus, sogar in einer Provinzzeitung konnte man das lesen.
Die Aufmachung der Artikel fiel traurigerweise mehr unter die Kategorie "Kleingedrucktes". Insofern muß ich den Ball wieder übers Netz geben: Um den von Ihnen geforderten "realistischen Blick auf die Lage" zu erhalten, wäre diese Anmerkung immer fällig, wenn ein Talkshow-Politiker von der Exportweltmeisterschaft spricht. Vielleicht unterhalten Sie sich ja gelegentlich mit Leuten, die Sie in diesem Forum garantiert nicht finden werden, da hören Sie diese Exportweltmeisterschaftstorheit häufig als Totschlagargument für Mindestlohn, mehr "Sotziale Geräschtischkeit", überproportionale Lohnabschlüsse, noch mehr Staatsausgaben, usw. usf. .
Wie weltfremd das alles ist, erfahre ich jeden Tag als Mitarbeiter eines mittelständischen Unternehmens, daß sich seinen Erfolg international hart erarbeiten muß. Leider: Die fetten, bequemen Jahre sind für Deutschland vorbei. Schön Reden verbessert nichts, im Gegenteil. Leider gibt es zu wenige Politiker wie Köhler, mit dem Mut das laut zu sagen.

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30. Dezember 2007 22:35

God save the Bundespräsident

B. Lehmann (lemdax1)

Es ist doch immer wieder beruhigend, in der heutigen Zeit von einem denkenden, vernünftigen Politiker zu lesen. Besonders hat mir sein Hinweis auf die verunsicherte Mittelschicht gefallen. Wann hatten wir eigentlich mal die letzte Debatte, die sich wirklich mit deren Belangen spürbar beschäftigt? Ich höre nur noch Neiddebatten gegen böse Spitzenmanager - dabei haben von einigen tausend Personen vielleicht gerade mal zwei Dutzend über´s Ziel hinausgeschossen- und über mehr Sozialtransfer vom Staat. Wo bleiben mal wahrnehmbare Debatten über die Belange der ganz normal arbeitenden Bevölkerung? Höre nix. Sehe nix. God save my Bundespräsident! Hoffentlich macht er noch eine weitere Amtszeit.

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30. Dezember 2007 18:54

Frieden, nicht Freiheit

Hans-Peter Muller (Khaled)

Brandt hatte wohl gesagt: "Frieden ist nicht alles, aber alles ist nichts ohne Frieden", was schon merkwuerdig genug ist. Das Koehlersche Zitat hoert sich eher so an, als stamme es von einem FDP-Politiker. Und dann, in welchem Zusammenhang wird so etwas gesagt? Derartige Zitate sind Sprechblasen ohne jede Bedeutung.

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30. Dezember 2007 18:51

zur Freiheit gehört Ungleichheit - auch Chancenungleichheit

claudia otlo (claudiao)

Das Arbeiterkind hat nicht weniger Chancen, weil es ein Arbeiterkind ist, sondern weil die Lebensrealität in einer Arbeiterfamilien eine andere ist als die in einer Wohlstandsfamilien, und ein deutsches Kind in aller erster Linie in seiner Familie aufwächst.

Der Moslem hat nicht weniger Chancen weil er Moslem ist, sondern weil sein Kultur- und Wertehintergrund ein anderer ist.

Frauen haben nicht weniger (Einkommens-)chancen als Männer, weil sie Frauen sind, sondern weil die Lebensrealitäten von Männern und Frauen, vor allen bei Elternschaft, in Deutschland komplett unterschiedlich sind.

Diese Unterschiede (Kulturkreis, Wertevorstellung, Geschlechterrollen usw.) werden auch nicht durch gleiche Bildung beseitigt. Auch gleiche Bildung ändert nichts daran, dass die Menschen auf unterschiedliche Arten erzogen werden (ihr Hintergrund ein anderer ist) und die Erwartungshaltung an sie eine andere ist.

Chancengleichheit lässt sich nicht dadurch erzeugen, dass man die tatsächliche Ungleichheit durch immer neue Subventions-, Förder und Ausgleichsprogramme repariert. Dadurch wird die Chancenungleichheit akteptable und erträglich gemacht, nicht beseitigt.

Deutschland will den Preis für Chancengleichheit nicht wirkich zahlen.

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30. Dezember 2007 18:09

Bundespräsident Köhler...

Klaus Zajac (crawler)

...ein Günstling,den Schröder zum IWF Direktor befördert hatte,lobt bis heute die "Agenda 2010"als" historisch",aber fordert 2003 gebieterisch "nachhaltige Refor -
men des Arbeits-,Sozial-u.Steuersystems"u. mischt sich zudem offen in Verhandlun -
gen der Tarifparteien ein.Wahr ist,der Fahnenträger des Neoliberalismus der IWF!
Dieser waschechte "Destruktive"empört sich im Herbst 2003 in einem Interview mit
der FAZ: "Es fehlt in D,land der Wille zur schöpferischen Zerstörung alter Struktu -
ren".
Köhlers Auftritt vor Arbeitgebern im März 2005: Vorfahrt für Arbeit,alles unterlassen,
was Arbeit verhindert,alles zulassen,was Arbeit schafft,Lohnzurückhaltung.Das war
kaum verklausuliert:Arbeitgeber - Position pur.Wenn Köhler von Dynamik redet,
dann im Zweifel von der Wirtschaft.Wenn er von Entwicklung redet,dann von der der Aktienkurse.Gerechtigkeit ja,aber nur soweit sie zum Gelingen des Wirtschaft -
ens beitragen.Köhler wird seine befristete Vollzeit-Stelle behalten u.weiter als Fehl -besetzung wirken.Weshalb einer,der immer u.nur marktliberal ist,es per se nicht
ausfüllen kann.Und weil diese Kluft gesehen u.gespürt wird,deshalb wirkt die Beset
-zung mit Köhler als anhaltend mißlungen.









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30. Dezember 2007 18:07

Und welchen Wert hat Freiheit? Immerhin wurde 2007 eine Menge davon ...

Rolf-Dirk Maehler (RDMAEHLER1)

aufgegeben.
Mir fällt da nur ein Zitat von Johannes Gross im FAZ Magazin Nr. 836 vom 08.03.1996 ein: Alles Pathos der Freiheit ist auf ihre Erlangung gerichtet, auf den Kampf um die Freiheit. Ihr Besitz wird den Völkern rasch langweilig, es wächst die Bereitschaft, sie stückchenweise gegen Wohltaten einzutauschen.
Den Deutschen muß demnach die Freiheit schon sehr langweilig geworden sein! Und was sollen dann solche Beschreibungen? Auch die Restfreiheiten sind offenbar langweilig.

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30. Dezember 2007 17:34

@Wolfgang Schaefer (schaeferw) 30. Dezember 2007 14:53

Andreas Neubert (Citizen_Kane)

Ich kenne diese Argumentation, lassen Sie mich tippen: Stichwort "Basarökonomie" von Professor Sinn.

Es ist nur verwunderlich, dass die einzigen die dem deutschen Rekordexport international nichts Gutes abgewinnen können die Deutschen selber sind. Dieser amerikanische Ökonom den ich bereits zitiert hatte, kommt ja zu dem gleichen Schluß.

Es geht mir übrigens nicht darum uns zu "beweihräuschern", sondern einen realistischen Blick der Lage zu bekommen. Und das es da auch durchaus sehr positive Seiten an unserer Wirtschaft gibt, scheint einigen Interessengruppen in diesem Lande absolut nicht zu passen. (das Ifo-Institut des oben genannten Professors versteht sich da ja durchaus als Sprachrohr dieser Gruppen). Dass man an passender Stelle auch durchaus vieles bei uns kritisieren sollte und muss, bleibt davon ja unberührt.

Also bitte mal die Kirche im Dorf lassen, und nicht alles um 180 Grad ummünzen. Und selbst wenn wir in Wirklichkeit beim Export auf Platz 2 liegen sollten (nächstes Jahr ist es ja eh so weit wenn China aufholt) dann kann ich daraus im internationalen Vergleich weiß Gott keine Krise ableiten.

Das ganze Schlechtreden ist IMHO eher ein Fall für einen Psychoanalytiker denn für einen Ökonomen.

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30. Dezember 2007 17:20

Populismus? Nein, was ist das?

Karsten Cascais (karstencascais)

Allen wohl und Keinem weh, und natürlich das zur Weihnachts- und Jahresendzeit. Freiheit den Freien und Gleichheit den Gleichen, weniger Staat für die Starken, mehr Gerechtigkeit (= Umverteilung) für die Armen. Immerhin verleugnet der Bundespräsident noch nicht gänzlich seinen ökonomischen Sachverstand, wenn auch nur ganz verhalten (also Kinder, wenn ihr wirklich auf das gerade erst angefrorene Eis wollt...., es könnte durchaus zu eurem Schaden sein). Populismus, nein den gibt es wirklich nicht, wenn auch heute kaum ein Biertisch aus dem allertiefsten Hinterwald rascher und entschlossener auf alle in den Medien publizierte Lebenslagen reagieren könnte, als es unsere Top-Politiker tun. Nur keine Besonnenheit zeigen, das würde einem der Souverän als Führungsschwäche anlasten. Der Souverän, das ist das Wahlvolk, durch die Brille der Medien und Volksbefrager vermittelt, ist zwar Gott sei Dank nur ein entstelltes Zerrbild seiner selbst, aber um diesen Popanz seinen medial verdrehten Erwartungen gemäß zu tanzen, begreifen halt unsere Politiker als ihr erste und vornehmste Pflicht. Einen guten Rutsch!

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30. Dezember 2007 16:22

„Zur Freiheit gehört Ungleichheit“

Volkmar Grombein (Solitaire)

Herr Köhler sagt:"Wir können die Bürger ruhig ernst nehmen. Ich schätze ihren gesunden Menschenverstand hoch ein. Meine Erfahrung ist: Die Leute wollen mitdenken, und wenn sie richtig angesprochen werden, dann machen sie mit."
Die Frage ist doch, warum tut das denn niemand? Warum wird der Sachverstand der Bürger permanent konterkariert durch irgendwelche Lobby-Verbände und deren Sprachrohre? Und die Politik lässt sich fleißig vor deren Karren spannen. Schlimmer noch, die sogenannten "Wirtschaftsweisen" fungieren als Berater der Bundesregierung. Mindestens vier der fünf Institute stehen den Arbeitgebern nahe. Entsprechend groß ist der Widerspruch zu dem oben erwähnten Zitat. Natürlich gibt es Ungleichheit, die wird und muss es auch weiterhin geben. In jedem Unternehmen gibt es Hierarchien, die wird es auch immer geben. Kein Packer kann die Arbeit eines Entwicklers übernehmen. Aber der nächste Absatz in Köhler Interview zeigt schon seinen nächsten Widerspruch auf:"Mindestlöhne gibt es auch anderswo, und bislang ist das Abendland nicht untergegangen. Aber es gibt Risiken, denn ein Mindestlohn, der von den Arbeitgebern im Wettbewerb nicht gezahlt werden kann, vernichtet Arbeitsplätze.

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30. Dezember 2007 14:53

@Citizen_Kane: Die angebliche Exportweltmeisterschaft...

Wolfgang Schaefer (schaeferw)

...ist die am häufigsten zitierte Halbwahrheit in der veröffentlichen Meinung, am liebsten von Leuten, die meinen, wir hätten schon zu viel reformiert und seien viel besser als von den sogenannten Neoliberalen angemeckert wird.
Wahr ist: Nehmen wir zu den Waren noch die Überschüsse aus dem Dienstleistungsexport hinzu, so sind wir heute nur noch Nummer 2.
Noch wichtiger aber ist, diese "Exportweltmeisterschaft" genauer unter die Lupe zu nehmen: Viele von den Waren, die wir "exportieren", werden zu immer geringeren Teilen in Deutschland selbst produziert, falls sie überhaupt noch von hier exportiert und nicht direkt von der verlängerten Werkbank zum Kunden geschickt werden. Also ist diese Exportweltmeisterschaft der Waren hohl: Der deutsche Wertschöpfungsanteil an diesem Rekord ist seit Jahren rückläufig. Und das ist das, was uns wirklich zu denken geben sollte, statt uns mit der Schaumkrone "Exportweltmeisterschaft" selbst zu beweihräuchern.
Wenn der Bundespräsident mehr Reformehrgeiz einfordert, hat nicht zuletzt diesen Sachverhalt gemeint.

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30. Dezember 2007 14:42

Ganz genau Herr Bundespräsident!

Peter Müller (teufelstein)

"Die Gesellschaft wird nicht durch Nivellierung der Einkommen, sondern durch Chancengerechtigkeit zusammengehalten."

Für die einen die Rendite und für die anderen die Chancen. Ich kann diese elende Politrethorik nicht mehr hören.

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30. Dezember 2007 13:30

Freiheit

Eberhard Ottlinger (Ottlinger)

Jawohl Herr Köhler,
zur Freiheit gehört Wellness für Kinder und Kinderarmut, Herr Ackermann und mein Nachbar mit Hartz 4, Nazis und Kommunisten und zum krönenden Abschluß,
Politiker welche den Bezug zur Realität längst verloren haben.
Besonders "Ungleich" sind Sie Herr Köhler, der Sie ein Volk repräsentieren sollten und
nicht wissen wer denn das Volk ist.
Ein weiteres gnadenloses Jahr Herr Köhler
Eberhard Ottlinger

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30. Dezember 2007 12:40

Ungleichheit ist nicht Ungerechtigkeit

Ogdan Ücgür (Ogdan)

Man muß unseren Präsidenten Köhler loben - wie so oft scheint er der einzige zu sein, der über das klein-klein der Tagespolitik die großen Aufgaben der Politik im Blick hat.

Ein fundamentaler Rechtsgrundsatz ist, daß gleiches gleich, aber ungleiches ungleich behandelt werden muß. Daher gibt es z. B. für die gleiche Tat mit den gleichen Ergebnissen im Strafrecht auch unterschiedliche Strafen für den Täter.

In einer freien Gesellschaft hat jeder sein Schicksal weitgehend selbst in der Hand. Jeder kann etwas aus sich machen - oder auch nicht. Unterschiedliche Begabungen, Lebensglück und Voraussetzungen (Erbe, Elternhaus) führen eben zu unterschiedlichen Lebensstilen und Möglichkeiten.

Die Ungleichheit ist Ausdruck von Vielfalt und Freiheit. Es wird z. B. eben nicht jeder dazu gezwungen Moslem zu sein, Fleisch zu essen, zu arbeiten, in den Alpen oder an der Nordsee zu wohnen oder den Standesberuf seines Vaters auszuüben etc. pp. - dafür gestaltet sich das Leben für jeden individuell anders.

Gleichheit darf es nur im Sinne von Chancengleichheit und im Sinne von Gleichheit vor dem Gesetz geben - alles andere wäre zutiefst ungerecht!

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30. Dezember 2007 11:29

der Horst widerspricht sich ja selbst

George Orwell (1984_ist_aktuell)

"zur Freiheit gehört Ungleichheit" und "Köhler beklagt Ungleichheit"
- ja was denn nun?

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30. Dezember 2007 10:08

Das wir nicht alle gleich sind...

Michael Fichtner (ebaristo)

ist normal, allein schon auf Grund von unterschiedlichen Bildungsniveau und auch von der gesellschaftlichen Struktur, da es immer Produktionshelfer, Arbeiter, Techniker, Ingenieure und Manger geben muss und jeder seine Funktion hat. Aber es ist nicht normal, wenn Manager Millionen verdienen, in dem Sie Stellenabbau betreiben und Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit treiben und selber dafür noch mit Millionen belohnt werden. Arbeiter muss immer mehr verdienen als ein Arbeitloser, aber auch der Arbeitslose muss von dem Geld, was er vom Staat bekommt leben können und auch einen Anreiz zur Aufnahme von Arbeit haben. Aber wenn jemand eine Arbeit ablehnt, weil er dann weniger Geld hat als an Arbeitslosengeld, dann ist nicht das Arbeitslosengeld zu hoch, sondern der angegebene Lohn zu niedrig. Wenn jemand 35 Stunden arbeitet, muss er von dem Geld leben können, ohne staatliche Zuschüsse. Ein Ingenieur bekommt zwischen 3.500 - 6.000 Euro pro Monat, was normal ist für einen Studierten, egal welcher Studienrichtung. Ich finde die Höchstgrenze von Gehältern sollte beim Gehalt des Regierungschef liegen und ein Manager sollte daher vergleichbar verdienen und nicht nochmal das 10 fache von Frau Merkel.

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30. Dezember 2007 07:03

Deutsche Paranoia.

Andreas Neubert (Citizen_Kane)

>>Deutschland muss sich für seine Wettbewerbsfähigkeit noch stärker ins Zeug legen. <<

Der Chefökonom der US-Bank Goldman-Sachs äußerte sich vor einigen Jahren mal in der "Zeit" zum Thema. Er attestierte den Deutschen eine Paranoia in Sachen Wettbewerbsfähigkeit. Deutschland ist das Land, dass weltweit am meisten Güter und Dienstleitungen exportiert. Kein Land ist so konkurrenzfähig wie Deutschland. Er fragte sich damals, wie konkurrenzfähig die Deutschen denn noch werden möchten, ob wir vielleicht noch Kühlschränke in die Antarktis verkaufen möchten?

Er wies völlig zu recht darauf hin, dass wir mal besser unseren schleppenden Binnenmarkt im Auge behalten sollten. Sollte die Weltkonjunktur einbrechen, sind wir auf eine funktionierende Binnenkonjunktur angewiesen. Köhler täte gut daran, sich mal dieser Realität zu stellen, statt ständig den Teufel der vermeintlich fehlenden deutschen Konkurrenzfähigkeit an die Wand zu malen.

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30. Dezember 2007 01:49

Gute und fundierte Meinung

K Zinser (klaus_zinser)

Mit Horst Köhler hat dieses Land eine gute Wahl getroffen. In dem Interview gibt er viele und fundierte Antworten. Er äußert seine eigene Meinung. Auch wenn dies für viele Parteipolitiker nicht immer bequem ist.

Es bleibt zu hoffen, daß er für eine weitere Periode das Amt des Bundespräsidenten innehat.

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