Von Reiner Burger
02. Juli 2008 Die Masseneistraße 1 im Großhartauer Ortsteil Seeligstadt ist nicht leicht zu finden. Versteckt im tiefen Wald liegt die ehemalige Kaserne der Nationalen Volksarmee. Seit den neunziger Jahren bringt der sächsische Landkreis Bautzen im Seeligstädter Wald die ihm zugewiesenen Asylbewerber unter.
Immer wieder hat die Ausländerbeauftragte des Landes Friederike de Haas (CDU) das Heim nicht nur wegen seiner abgeschiedenen Lage, sondern auch wegen seines allgemeinen baulichen Zustands als inakzeptabel bezeichnet. Als sie das Heim nun abermals besuchte, sieht sie sich in ihrer Kritik bestätigt. Beim Blick in die heruntergekommenen Duschen meinte sie: Das ist ja furchtbar.
Auch Amnesty International hat sich mittlerweile eingeschaltet. Die Menschenrechtsorganisation moniert unter anderem die Randlage und dass die Waren im Kiosk auf dem Gelände deutlich teurer als üblich seien.
Der Großhartauer Bürgermeister Jens Krauße (SPD) möchte das Heim dagegen unbedingt auf seiner Gemarkung behalten. Auch alle Parteien im Gemeinderat sind für das Asylbewerberheim. Die derzeit noch rund 140 vorwiegend alleinstehenden jungen Männer gelten als Einwohner, für die Großhartau Umlagen aus dem sächsischen Finanzausgleichssystem bekommt.
In Zeiten des Bevölkerungsrückgangs lohnt es sich also, alle Schäfchen beisammenzuhalten. Krauße sagt, anders als anfänglich sei die Unterkunft mittlerweile auch in der Bevölkerung akzeptiert. Freilich sei es mit der Integration der Asylbewerber nicht weit her. Der private Betreiber Wolfgang Schmidt findet, die Abgeschiedenheit habe sogar Vorteile: Damit sich die Leute aus 20 Nationen verständigen können, müssen sie schnell Deutsch lernen.
Nach dem Rundgang liest die Ausländerbeauftragte de Haas den Herren die Leviten. Die veranschlagten 200 000 Euro Sanierungskosten reichten bestenfalls für neue Sanitäranlagen. Ohne umfassende Renovierung wäre das eine Fehlinvestition. Eindringlich forderte sie den anwesenden Landrat des neu gebildeten Großkreises Bautzen, Michael Harig (CDU), auf, andere Standorte wie etwa das wegen der zurückgegangenen Asylbewerberzahlen ebenfalls nicht ausgelastete Heim in Kamenz zu prüfen.
Text: F.A.Z.