28. Mai 2009 Für seinen Hubschrauberlandeplatz wirbt das Hotel Intercontinental auf dem Berchtesgadener Obersalzberg mit dem Slogan Luxus zum Abheben. Den Gästen wird verheißen, sich den Traum vom Fliegen in standesgemäßer Form erfüllen zu können: Champagner über der Watzmannwand, Latte Macchiato in Venedig oder zum Lunch nach Wien.
Kaum in Champagnerlaune dürfte indes Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) sein; denn das Hotel gehört der Bayern LB - und hat der Landesbank seit seiner Eröffnung 2005 nur Verluste beschert, die sich mittlerweile auf rund fünfzehn Millionen Euro summieren.
Betrieben wird das Hotel von einem Tochterunternehmen der Landesbank, die sich bei der Führung und Vermarktung der Intercontinental-Gruppe bedient. Weniger Repräsentationslust als der Versuch, für einen historisch kontaminierten Ort eine angemessene Nutzung zu finden, hatte die Staatsregierung zu dieser Investition bewogen. Der Obersalzberg war während der nationalsozialistischen Herrschaft nicht nur Hitlers Rückzugsort, sondern auch eine der Machtzentralen des Regimes.
Nationalsozialismus und Naturerlebnisse
Als die Amerikaner, die nach dem Krieg das Gelände zur Erholung ihrer Soldaten nutzten, dieses 1996 an Bayern übergaben, wurde eine zweigeteilte Strategie gewählt. Es wurde ein Dokumentationszentrum errichtet, in dem der Blick der Besucher auf die düstere Wirklichkeit des Nationalsozialismus gelenkt wird.
Zugleich sollte der Obersalzberg mit dem Hotelbau als ein Ort erhabener Naturerlebnisse rehabilitiert werden. Touristisch trivialisiert, gar verfälscht werden sollte seine Geschichte aber nicht; die Zimmer sind nicht nur mit den gängigen Accessoires des gehobenen Beherbungsgewerbes, sondern auch mit einer Dokumentation zum Nationalsozialismus ausgestattet.
Vier Jahre nach der Eröffnung ist die Bereitschaft der Staatsregierung, ein Hotel als geschichtspädagogische Maßnahme zu finanzieren, aber nicht mehr allzu groß. Fahrenschon spricht jetzt davon, mittelfristig wolle sich der Staat zurückziehen oder zumindest seine Beteiligung verringern. Ob dem Champagner dann auch ohne historischem Unterbau gefrönt werden darf, ist noch offen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp, dpa, dpa/dpaweb, F.A.Z., Jan Roeder
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