Von Robert von Lucius
09. Juli 2008 Auf dem Kollegienwall und dem Neumarkt fahren sonst Busse auf dem Weg vom Hauptbahnhof Osnabrücks zur Altstadt, und auf der Großen Straße flanieren Fußgänger nahe dem Dom vor Kleiderläden und Straßencafés. Am Dienstag war alles anders: Fünfzig Krankenhausbetten legten den Verkehr lahm. Zum ungewohnten Bettenkorso verbanden sich Betreiber von Krankenhäusern, deren Mitarbeiter und die Stadt.
Zweimal schon hatte Osnabrück in jüngster Zeit auswärtige Augen auf seine Hospitäler gelenkt: mit einem geplanten Kinderkrankenhaus, das erstmals in Deutschland von der katholischen und der evangelischen Kirche gemeinsam getragen wird; und mit einer erfolglosen Klage des Bistums Osnabrück gegen das Land wegen der Privatisierung einer Landesklinik.
Nun wandten sich die Ärzte in der Stadt des Westfälischen Friedens gegen die Deckelung des Haushalts für Krankenhäuser. Auch in anderen niedersächsischen Städten sammelten sich Ärzte und Angestellte zum Protest.
Die Osnabrücker waren besonders symbolbewusst: Der Zug begann zwar schon um elf Uhr, ihre Forderung aber erhoben sie um fünf vor zwölf. Sie wandten sich, während ein Gesetzgebungsverfahren über die Zukunft der Krankenhausfinanzierung läuft, gegen die von der Politik angeblich verordnete Finanznot, wachsenden Leistungsdruck und Personalknappheit. Manche Krankenhäuser, sagten aufgebrachte Demonstranten in der Altstadt, könnten Stromrechnungen nur noch zahlen, wenn sie weitere Krankenschwestern oder Ärzte entlassen.
Auch der SPD-Oberbürgermeister Boris Pistorius kam zum Osnabrücker Bettenzug. Seine Partei hatte in den vergangenen Wochen kritisiert, in Europa kämen auf einen Mitarbeiter acht bis zwölf Patienten, in Deutschland dagegen 20; und bei den Fördermitteln stehe Niedersachsen am Ende der Bundesländer - jedes dritte der 200 niedersächsischen Krankenhäuser sei akut in seiner Existenz bedroht.
Text: F.A.Z.