Von Reiner Burger
09. Mai 2008 Canaletto gehört zu Dresden wie die Frauenkirche oder die Kuchenspezialität Eierschecke. Der venezianische Vedutenmaler Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, kam 1747 in die Hauptstadt des Kurfürstentums Sachsen. Canaletto erhielt den Auftrag, Dresden, das durch den enormen Baueifer August des Starken barocken Glanz bekommen hatte, auf Leinwand zu verewigen.
Heute kann man den bis 1754 entstandenen Hauptzyklus von 14 Dresdner Ansichten Canalettos in der Gemäldegalerie Alte Meister bewundern. Das bekannteste Bild ist der so genannte Canaletto-Blick.
Als 2005 der Streit über den Bau der Dresdner Waldschlösschenbrücke eine internationale Dimension erhielt, weil die Unesco das Weltkulturerbe Elbtal gefährdet sah, behauptete eine Hamburger Zeitschrift, die neue Brücke mache den Canaletto-Blick zunichte. Eine ebenfalls in der Hansestadt erscheinende Wochenzeitung titelte Canaletto kaputt.
Doch die Waldschlösschenbrücke überquert zwar eines Tages das Elbtal an einer sensiblen Stelle, der Canaletto-Blick auf die Dresdner Silhouette wird durch sie aber nicht beeinträchtigt.
Aktuell kann man sich besonders gut über den Caneletto-Blick vergewissern. Bellottos Bild Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke ist von Samstag an in einer Sonderausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen zu sehen. Als Rahmenprogramm gibt es dazu das Projekt Auf den Spuren Canalettos: Stilisierte Bilderrahmen aus Stahl finden sich in der Dresdner Altstadt vor drei Ansichten, die Bernardo Bellotto vor 250 Jahren in den Blick nahm. Der Canaletto-Blick ist im Vergleich zu den anderen Ansichten nach all den Jahren baulich verblüffend wenig verändert.
Und auch mit größter Anstrengung kann man durch den roten Rahmen am Neustädter Elbufer nicht bis zur Waldschlösschenbrücke sehen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
