Von Jasper von Altenbockum
11. Mai 2008 Der ehemalige Oberbürgermeister von Schwetzingen, der baden-württembergische Finanzminister Stratthaus, konnte es nicht fassen. Ich bin sprachlos, sagte er, als Bernd Kappenstein, sein Nachfolger in der Stadt des berühmten Schlosses und der noch berühmteren Schlossfestspiele, Ende 2006 bei der OB-Wahlen in der Stadt gegen Bernd Junker, Kandidat des Schwetzinger Wählerforums, verlor. Die CDU stand vor einem Scherbenhaufen.
Das Wählerforum (Räumt mit Unsinn auf!), eine Abspaltung der Freien Wähler, hatte zwar nur vier Sitze im Stadtrat. Aber die Popularität des Architekten und Ingenieurs reichte aus, um den Amtsinhaber knapp - mit nur 47 Stimmen Vorsprung - zu schlagen. Weder Kappenstein noch Junker waren darauf vorbereitet.
Jetzt gibt Junker auf. Der 54 Jahre alte Politiker teilte mit, aus gesundheitlichen und persönlichen Gründen habe er sich dazu entschlossen. Er sei sich bei seinem überraschenden Wahlerfolg bewusst gewesen, dass die Kommunalpolitik nicht leicht sei, sagte Junker. Heute, mit der Erfahrung aus mehr als einem Jahr Amtszeit, muss ich aber feststellen, dass die Aufgabe, die ich mir gestellt habe, unter den gegebenen Umständen für mich nicht lösbar ist.
Kappenstein war zum Zeitpunkt der Wahl Ende 2006 seit acht Jahren unangefochten im Amt, wenn auch Kritik wegen einer Erweiterung der Fußgängerzone laut geworden war. Junker, seit langem in der Schwetzinger Kommunalpoltiik aktiv, hatte damals eigentlich nur kandidiert, damit die Bürger eine echte Wahl hätten. Junker sah darin so etwas wie eine Bürgerpflicht.
Die Bürger belohnten ihn und ließen ihn doch im Stich: Junker gewann unter anderem deshalb die Wahl, weil die meisten Bürger und viele Kappenstein-Anhänger glaubten, die Wahl sei bei solch ungleichen Kandidaten schon entschieden - und zuhause blieben. Die Wahlbeteiligung lag unter 50 Prozent. So konnte David gegen Goliath gewinnen.
Junker hatte sich viel vorgenommen: Die Innenstadt sollte künftig nicht mehr durch Autos verstopft werden, die Kinderbetreuung sollte besser, der Nahverkehr gefördert werden. Damals, im Dezember 2006, sagte er tatendurstig: Es sei noch viel zu tun in Schwetzingen. Jetzt noch ein bißchen mehr.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Bernd Helfert
