09. Juni 2009 Mit Wein kann man viel falsch machen, das fängt schon beim Anbau an. Im Frühjahr des vergangenen Jahres pflanzte die Gemeinde Großpösna südlich von Leipzig 1300 Reben der Sorten Müller-Thurgau und Grauburgunder an. Ziel des 0,3 Hektar kleinen Weinbaugebietes war jedoch weniger die Kelterei als vielmehr die Renaturierung des ehemaligen Tagebaus Espenhain. Das Ufer des hier entstehenden Störmthaler Sees eigne sich besonders für den Weinanbau, empfahl die Partnergemeinde Maikammer aus Rheinland-Pfalz. So kamen wir überhaupt erst auf die Idee, sagt Großpösnas Bürgermeisterin Gabriela Lantsch.
In diesem Jahr tragen die Reben nun die ersten Träubchen, doch statt Vorfreude auf die Ernte zog kürzlich Ernüchterung ins Rathaus ein. Sachsens Landwirtschaftsminister Frank Kupfer schickte der Gemeinde einen Bußgeldbescheid über 3700 Euro, weil die Reben illegal gepflanzt seien. In Sachsen gibt es Rebrechte nur im Elbtal zwischen Pillnitz und Diesbar-Seußlitz, sagt Ministeriumssprecher Andreas Kunze. Andere Weinanbaugebiete verstießen gegen die EU-Weinmarktverordnung. Laut Bürgermeisterin Lantsch aber soll der Wein gar nicht vermarktet werden. Wir würden zwar gern Rebrechte erwerben, bekommen sie aber nicht mit der Begründung, keine Weinbautradition zu haben. Um die Reben nun irgendwie zu retten, hat sie zu einem Trick gegriffen und das Weinbaugebiet in 33 Parzellen geteilt, die von Einwohnern gepachtet wurden, da bis zu 100 Quadratmeter Weinbau rebrechtfrei sind. Das Interesse ist riesengroß, die Leute machen mit, und es schweißt die Region zusammen, sagt Frau Lantsch.
Ministeriumssprecher Kunze verweist derweil auf die Gesetze. Daran müssen wir uns halten. Die nachträgliche Aufteilung in Parzellen sei eine nicht zulässige Hintertür. Die Gemeinde will jetzt die Strafe erst mal zahlen, praktisch aber müsste sie die Reben roden, um nicht jährlich höhere Bußgeldbescheide zu riskieren. Noch aber behält sie sich auch eine Klage gegen das Ministerium vor. Das wiederum hat einen Tipp parat: Statt Rebtrauben solle die Gemeinde doch einfach Tafeltrauben anbauen, für die keinerlei Beschränkungen gelten. Und obendrein könne es dafür sogar Fördergeld geben - von der EU.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
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