24. März 2009 Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Horst Seehofer wird mindestens bis 2012 im Amt bleiben müssen, will er seinen Eintrag in die bayerischen Geschichtsbücher möglichst repräsentativ gestalten. Dann könnte er sein Wirken als großer Versöhner zwischen Altbayern und Franken im besten Wortsinne krönen und triumphal in Bamberg einziehen. Der seit langem erbittert geführte Streit über drei Kronen aus dem Bamberger Domschatz, die vor 200 Jahren nach München verbracht worden sind, soll 2012 Geschichte sein - mit der dauerhaften Ausstellung einer Replik einer der Kronen im fränkischen Rom, wie die Stadt an der Regnitz gerühmt wird.
Das Schicksal der Kronen - die Reliqienkronen des Kaisers Heinrich II. (973 bis 1024) und seiner Frau Kunigunde sowie die jüngere Frauenkrone - bewegt in Franken nicht nur Kunsthistoriker und Heimatpfleger. Sie sind zu einem Symbol für den Behauptungswillen eines Landesteils geworden, der mitunter argwöhnisch auf einen Münchner Zentralismus blickt; manche Heißsporne ziehen sogar Traditionslinien vom Kurfürsten Max IV. Joseph, dem späteren bayerischen König, unter dessen Herrschaft fast ganz Franken an Bayern fiel, bis hin zur Besetzung Tibets durch China.
Ein imperialer Vorstoß Edmund Stoibers, des Vorvorgängers Seehofers, die Kronen wenigstens leih- und zeitweise nach Franken zurückkehren zu lassen, krankte daran, dass sie nicht dem Freistaat, sondern der Wittelsbacher Landesstiftung gehören; so wurde es nach dem Ende der Monarchie bei der vermögensrechtlichen Auseinandersetzung zwischen dem Freistaat und den Wittelsbachern bestimmt.
Und die Landesstiftung, gestützt auf konservatorische Gutachten, stellte nur der Frauenkrone Reisepapiere aus; sie war 2007 in einer Ausstellung zum tausendjährigen Bestehen des Bistums Bamberg zu sehen. Dieser kleinen soll nun mit der Anfertigung der Replik der Heinrichskrone eine große Friedensgeste folgen; die Kosten, die auf einen sechsstelligen Eurobetrag im unteren Bereich geschätzt werden, trägt die Oberfrankenstiftung. Eine Vermessung durch einen 3-D-Scan soll für größte Detailtreue sorgen. Wer weiß, vielleicht werden die Franken über kurz oder lang sogar überzeugt sein, dass die Replik, die im Bamberger Diözesanmuseum zu sehen sein wird, schöner ist als das Original, das in der Münchner Residenz verwahrt wird.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Bayerische Schlösserverwaltung
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@Herrn Rabe - zu schön und einfach, um Ruhe zu schaffen
22:46Liebe Mitleidende, sollen wir mal weiterdenken?
22:41