27. Mai 2009 Die Fulda durchzieht die Stadt Kassel. Westlich des Flusses entwickelte sich die Stadt als barocke Residenz- und später als gründerzeitliche Industriestadt. Auf der Ostseite des Flusses lagen stets die armen Stadtteile. Die Unterneustadt, die mittelalterliche Stadterweiterung auf der östlichen Fuldaseite, lag nach ihrem Untergang in einer Bombennacht über ein halbes Jahrhundert brach, bis sie auf altem Grundriss, aber in aktueller Architektur wiedererrichtet wurde.
Zuvor war es Wilhelm II., der die Kasseler ans Wasser zog. Um - nicht frei von militärischer Absicht - die Liebe zum Wasser zu wecken, entstanden Rudervereine. Die Wassersportvereine siedelten sich in Kassel auf der Fuldawiese östlich des Auedamms an. Über die Jahre entstand ein Idyll, wie es in kaum einer anderen Stadt zu finden sein dürfte. Auf gut zwei Kilometer Länge haben 15 Wassersportvereine ihr Domizil errichtet.
Nun aber rücken Bautrupps an. Entlang der Fulda, auf einem zehn Meter breiten Streifen zwischen den Bootshäusern und ihren Stegen, soll ein Uferweg entstehen. Den Beschluss fasste zwar die Stadtverordnetenversammlung mit breiter Mehrheit, aber keiner steht dafür mit solch festem Willen ein wie Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD).
Die Stadt erwarb den Uferstreifen vom Land und baut dort nun - nach Ansicht ihrer Kritiker - in privater Angelegenheit und nicht als öffentliche Körperschaft mit allen Notwendigkeiten des Erstellens von Bebauungsplänen und der Bürgerbeteiligung.
Der Uferweg entsteht in Etappen, denn die Pachtverträge mit den Vereinen laufen unterschiedlich lang. Der Vertrag der Älteren Casseler Turngemeinde von 1848 etwa läuft bis 2022. Um die Bootshäuser vor ungebetenen Gästen zu schützen, soll zwischen den Häusern und dem Weg ein Zaun errichtet werden, der Spaziergänger und Ruderer voneinander trennen wird wie Zoobesucher von den Tieren.
In den Vereinen mit ihren 4000 Mitgliedern, und nicht nur dort, herrscht Unmut. Politisch droht der Uferweg für Hilgen zum Holzweg zu werden, denn das Unverständnis seiner Gegner richtet sich gegen ihn. In der SPD-Fraktion soll es Zweifel geben, ob der Weg jemals zu Ende gebaut wird.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa
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