23. Juli 2008 Immer noch hat Waltrop, die Stadt der Schiffshebewerke nördlich von Dortmund, eine Schuldenlast von mehr als 100 Millionen Euro. Das Städtchen mit knapp 30 000 Einwohnern muss dafür 5,4 Millionen Euro Zinsen im Jahr aufbringen. Trotzdem besteht die Aussicht, schon in drei Jahren, also 2011, einen ausgeglichenen Haushalt zu haben. Dann endlich können Schulden abgebaut werden.
Diese Perspektive hat die Stadt am Dortmund-Ems-Kanal ihrem eigenen Sparwillen, vor allem aber ihrem Sparberater Wilhelm Niemann zu verdanken. Den hatte Anfang 2006 der damalige Regierungspräsident Twenhöven ohne jede Grundlage in der Gemeindeordnung dorthin geschickt.
Obwohl Waltrop seit 2003 unter Nothaushaltsrecht stand, war die Skepsis in der Stadt groß. Man wollte den Berater nicht, er erschien wie ein Staatskommissar, den die Gemeindeordnung eigentlich vorsieht und der die kommunale Selbstverwaltung aufheben könnte.
Es war jedenfalls ein schwieriges Geschäft, das Niemann, der früher Bürgermeister in Rheine am nördlichen Rand Nordrhein-Westfalens war, zu erledigen hatte. Zuerst musste er das Vertrauen des Waltroper Rates gewinnen, in dem die SPD die Mehrheit stellt. Niemann gehört der CDU an. Das ging nur durch geduldiges Argumentieren und mit wohlüberlegten Vorschlägen, die zum Beispiel das Frei- und Hallenbad betrafen, das inzwischen geschlossen ist.
Nach und nach wendete sich die Stimmung. Widerstand wandelte sich in Zustimmung. Viel Lob und aufrichtige Anerkennung gab es in dieser Woche, als der neue Regierungspräsident von Münster, Paziorek, Niemann verabschiedete. Waltrop ist die Schulden zwar nicht los. Aber aus dem Nothaushalt ist ein Haushaltssicherungskonzept geworden, und demnächst kann es ein ganz normaler Haushalt sein.
Text: F.A.Z.