Duisburg

Stadtumbau am Hochofen

Von Reiner Burger

120 Häuser sollen in der nächsten Zeit abgerissen werden, um vor dem Stahlwerk einen Grüngürtel zu schaffen

120 Häuser sollen in der nächsten Zeit abgerissen werden, um vor dem Stahlwerk einen Grüngürtel zu schaffen

22. Mai 2009 Der Duisburger Stadtteil Bruckhausen liegt im Schatten der Hochöfen. Thyssen-Krupp betreibt dort den größten Stahlstandort Europas. Im neunzehnten Jahrhundert, als während der industriellen Revolution auch Duisburg schnell wuchs, habe man die Wohnungen für die Arbeiter im Ruhrgebiet gleich um die Schächte und Öfen „drapiert“, formuliert Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU).

Manche Gebäude stehen sogar unter Denkmalschutz und wären in anderen Quartieren begehrte Objekte. Zumindest in den Straßenzügen, die direkt ans Stahlwerk grenzen, wollen aber immer weniger Leute leben. Rund die Hälfe der Häuser steht leer.

Vor gut eineinhalb Jahren beschloss der Rat der Stadt deshalb das Projekt „Grüngürtel Duisburg-Nord“. 120 Häuser sollen in der nächsten Zeit abgerissen werden, um in Bruckhausen einen „Park vor der Haustür“ zu schaffen. Eine ganze Reihe von Gebäuden hat die Stadt schon aufgekauft. Für Mieter gibt es einen Sozialplan, um Beschwernisse beim Umzug möglichst auszugleichen.

Millionen-Spende von Thyssen-Krupp

Anders als die ostdeutschen Städte finanziert Duisburg Abriss und Umgestaltung von Bruckhausen nicht aus dem Bundesprogramm Stadtumbau. Als erste Stadt überhaupt hat Duisburg einen privaten Finanzier gewonnen: Die Hälfte der Kosten in Höhe von rund 72 Millionen Euro kann durch eine Spende von Thyssen-Krupp getragen werden; der Rest kommt von der EU.

„Wir bringen im Grunde nur zu Ende, was die Bürger durch ihren Wegzug angefangen haben - die Trennung von Industrie- und Wohnbebauung“, sagt der Oberbürgermeister. Während ein Bagger immer weitere Stücke aus dem Gebäude in der Bayreuther Straße greift, zeigt Sauerland Verständnis für die Wehmut mancher Bruckhauser.

Aber man gehe den einzig gangbaren Weg, um den verbleibenden Gebäudebestand und sein Umfeld aufzuwerten. Damit der Stadtteil auch in der Zeit des Umbruchs lebendig bleibt, wünscht sich der Oberbürgermeister künstlerische Zwischennutzungsprojekte auf den Brachflächen und Baulücken. Und dem erst kürzlich aufgestiegenen Fußballverein Bruckhausen, der bisher weitab spielen musste, stellt Sauerland ein neues Feld mitten im Viertel in Aussicht.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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