Von Frank Pergande
12. Mai 2008 Über die Barkassen im Hamburger Hafen gibt es immer wieder mal Streit. Hafenrundfahrten sind ein gutes Geschäft, und viele schwimmen im Wortsinn in diesem Markt. Wer immer an den Landungsbrücken entlangspaziert, wird von den Barkassenbetreibern heftig umworben. Tatsächlich sollte man sich vielleicht bald zu einer Fahrt auf einer der alten Barkassen entschließen, und zwar aus Wehmut. Denn bald ist es damit vorbei. Spätestens 2012.
Das Oberhafenamt hat im vergangenen Jahr - nach mehreren Unfällen - neue Sicherheitsbestimmungen durchgesetzt: Die Schiffe müssen unsinkbar sein. Bei einem Leck darf nur so viel Wasser in den Fahrgastraum gelangen, dass Bug und Heck an der Wasseroberfläche bleiben. Dazu müssen zusätzliche Lufttanks oder schnell schließbare Schotten eingebaut werden.
Unsinkbar heißt für viele Betreiber aber: unbezahlbar. Man rechnet mit einer halben Million Euro pro Schiff. Die großen Betreiber setzen deshalb gleich auf neue Schiffe. Die neuen Schiffe kosten deutlich mehr als zwei Millionen Euro. Nach und nach werden also die alten Barkassen aus dem Bild des Hamburger Hafens verschwinden, die Schiffe mit harten Holzbänken, von denen einige sogar noch aus den dreißiger, die meisten aber aus den fünfziger Jahren stammen.
Hier und da sieht man im Hafen auch schon die neue Schiffsgeneration. Die ist in der Tat schick und sicher. Sie bietet sechzig Plätze mit Klimaanlage, Verglasung rundum, Fußbodenheizung und GPS. In vier Jahren müssen alle Barkassen umgestellt sein.
Schon jetzt gilt eine andere Sicherheitsbestimmung, die vom Hafenkapitän auch kontrolliert wird: Bei Regen dürfen die Faltdächer – mit denen es ohnehin bald ganz vorbei ist – nicht mehr vollständig über das Boot gezogen werden, sondern nur noch maximal über zwei Drittel. So soll bei einem Unfall ein Fluchtweg bleiben. Allerdings sitzen dann auch die Gäste in dem einen Drittel oben ohne im Regen. Und Regen fällt in Hamburg nicht gerade selten. Die Barkassenkapitäne in einer hanseatischen Mischung aus Ärger und Fixheit haben auch dafür schnell eine Lösung gefunden: große Regenschirme.
Text: F.A.Z.
