26. Dezember 2008 Die Stadt Künzelsau ist bekannt geworden, weil dort ein Unternehmen seinen Sitz hat, das die halbe Welt mit Schrauben und anderem Befestigungsmaterial versorgt. Die Geschäfte des Unternehmens in der Region Hohenlohe laufen sogar so gut, dass die Tochter des Schraubenkönigs Reinhold Würth im vergangenen Jahr die vorbildliche Privatschule Anne Sophie gründete - subventioniert mit einem zweistelligen Millionenbetrag aus der Würth-Stiftung.
In jüngster Zeit sorgt aber eine Baptistengemeinde in Künzelsau für Aufsehen. Im Neubaugebiet Taläcker, nur wenige Meter entfernt von der neuen Privatschule, unterhalten die Baptisten ein Gemeindezentrum, in dem unangemeldet fast 20 Schüler unterrichtet werden. Eltern unterrichten nach der kreationistischen Lehre - der biblische Schöpfungsbericht wird wörtlich genommen, die Evolutionstheorie abgelehnt.
Die Gemeindemitglieder sind größtenteils Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion. Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken, dieser Satz aus dem Matthäusevangelium steht an dem Künzelsauer Gemeindehaus. Nachdem die Behörden offenbar die Missachtung rechtsstaatlicher Grundsätze einige Zeit geduldet haben, hat das zuständige Regierungspräsidium Stuttgart die Eltern der Schüler nun aufgefordert, ihre Kinder entweder auf eine genehmigte evangelikale Privatschule oder eine staatliche Schule zu schicken. Die Eltern haben vom Regierungspräsidium ein Schreiben bekommen, das ihnen nach einem persönlichen Gespräch überreicht wird, sagt ein Sprecher des Regierungspräsidiums.
Spätestens nach den Weihnachtsfeiertagen erwarten die Schulaufseher eine Antwort der Eltern. Eigentlich dürfte es den Eltern nicht so schwer fallen, denn im benachbarten Öhringen gibt es eine genehmigte Christliche Grund- und Hauptschule. Auch diese Schule hatte allerdings erst nach mehrmaligen Aufforderungen der Schulbehörde examinierte Lehrer eingestellt und Stundenpläne vorgelegt. Die SPD sieht schon in der Genehmigung dieser Schule einen schlimmen Präzedenzfall. Ursula Kannenberg, der Dekanin des Kirchenbezirks Künzelsau, ist es innerhalb von vier Jahren nicht gelungen, Kontakt zu den Evangelikalen aufzunehmen: Die schotten sich ab.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: bpk / Jochen Remmer
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