Sandstedt

Schmutzige Wäsche

Von Robert von Lucius

Bürger protestieren gegen Dekonta

Bürger protestieren gegen Dekonta

19. Juni 2008 Eine Wäscherei spaltet Sandstedt: Nur 1800 Menschen wohnen im Ort hinter dem Weserdeich. 1500 von ihnen aber haben mit Unterschriften gegen die Ansiedlung der Wäscherei protestiert, und 500 kamen zu einem Protestmarsch gegen den Bau und damit auch gegen ihre Bürgermeisterin Susanne Puvogel.

Diese verweist auf Schulden der Samtgemeinde Hagen, zu der Sandstedt gehört, und auf Investitionen von 15 Millionen Euro, die 50 Arbeitsplätze und Gewerbesteuer brächten. Die Stadtverwaltung bezichtigt die Bürgerinitiative und den Gemeindepastor der Hetze und Panikmache. Die Demonstranten wiederum werfen der Gemeinde und vor allem dem Betreiber Lügen vor.

Die geplante Wäscherei im Gewerbegebiet will nicht Hemden und Socken waschen, vielmehr sollen radioaktiv verseuchte Schutzkleidung, Atemmasken und Werkzeuge entgiftet werden, die aus Kernkraftwerken und aus Labors der Nuklearmedizin stammen. Einen wachsenden Bedarf sieht die Betreiberfirma Dekonta - eine Tochtergesellschaft von Eon - wegen des geplanten Ausstiegs aus der Atomenergie.

Schon jetzt will sie zwischen acht und zwölf Tonnen Schutzkleidung wöchentlich waschen. Mittelfristig, so behaupten zumindest die Anwohner, plane das süddeutsche Unternehmen, auch Anlagenteile aus dem Abbau von Kernkraftwerken zu entseuchen, wofür das erworbene riesige Grundstück an der Autobahn zwischen Bremen und Bremerhaven spreche. Der Projektleiter bestreitet Vorwürfe, hier sei ein „Atomzwischenlager“ geplant.

Die Gemeinde sagt, die Anlage sei ungefährlich - alle Grenzwerte würden eingehalten. Bisher war Sandstedt allenfalls durch einen Leuchtturm, die nahe einstige Sommerresidenz der Bremer Bischöfe und als Geburtsort eines Marschdichters bekannt - bald könnte es aber auch, so die Sorge, als „Atomdorf“ Bekanntheit erlangen.

Zudem glauben die Demonstranten den Finanzberechnungen ihres Gemeinderats nicht: Der Betreiber, der Dienstleistungen in Gebäuden, Kommunen und Atomkraftwerken anbietet, zahlt nach den Vorwürfen der Bürgerinitiative teils so geringe Löhne, dass Beschäftigte noch Anspruch hätten auf Beihilfen der Gemeinde.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

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