Von Rüdiger Soldt
08. Mai 2008 Einwanderer zu integrieren fällt auch den Kirchen schwer: In Stuttgart sind die kroatische Gemeinde und das katholische Stadtdekanat über den kroatischen Popsänger Marko Perkovic in Streit geraten: Die kroatische Gemeinde lud den nationalistischen Sänger für ein Fronleichnamskonzert ein, der katholische Stadtdekan Michael Brock sagte das Konzert nach Protesten kurzerhand ab.
Perkovics Künstlername ist Thompson. Das ist der Markenname einer im Jugoslawien-Krieg benutzten Maschinenpistole aus britischer Produktion. Während des Kroatienkrieges ist Perkovic mit dem Lied Bataillon Cavoglave bekannt geworden, in dem er zum Kampf gegen die serbischen Tschetniks aufrief.
Heute seien seine Lieder harmloser, sagen die, die Perkovics romantischen Nationalpop verteidigen. Die Kritiker halten ihn für national borniert und rücken ihn in die Nähe der Ustascha, der kroatischen Faschisten, die im Zweiten Weltkrieg Hitler unterstützten.
Gari Pavkovic, der Stuttgarter Ausländerbeauftragte, selbst ein bosnischer Kroate, sagt, die Texte seien im Subtext nationalistisch und Gewalt verherrlichend, deshalb sei es zumindest befremdlich, wenn der Sänger bei einer kirchlichen Veranstaltung auftrete. Die kroatische Gemeinde in Stuttgart ist die größte im Südwesten.
13 000 Kroaten gibt es in der baden-württembergischen Landeshauptstadt, fast alle sind katholisch. Perkovics Lieder handeln von Heimat, Gott und Familie, bieten also Identifikationsstoff, weshalb die kroatischen Katholiken mit der Ausladung durch das Stadtdekanat nicht einverstanden sind.
2006 hat die katholische Kirche versucht, die ausländischen Missionen in deutsche Gemeinden zu integrieren. Die Messen werden in deutscher Sprache gefeiert. Doch offenbar ist eine Organisationsreform nur begrenzt in der Lage, die politischen und kulturellen Gegensätze zwischen deutschen und kroatischen Katholiken zu überwinden.
Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider, der jede Provokation dankbar annimmt, hat Perkovic gerade eingeladen, noch während der Fußball-EM nach Klagenfurt zu kommen. In Stuttgart soll das Konzert nun privat organisiert werden.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Bernd Helfert
