Binz

Platznot in der Diaspora

Von Frank Pergande

17. Mai 2009 An diesem Montag trifft sich der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering (SPD), mit der katholischen Kirche. Vertreten wird die Kirche durch die Erzbischöfe von Hamburg (zuständig für Mecklenburg) und Berlin (zuständig für Vorpommern), Werner Thissen und Georg Kardinal Sterzinsky.

Kardinal Sterzinsky dürfte mit besonders guter Laune nach Schwerin kommen. Am Samstag war er in Binz auf Rügen und vollzog den ersten Spatenstich für die Erweiterung der Kapelle Stella Maris, Stern des Meeres. Stella Maris geht zurück auf ein katholisches Kinderferienheim in Binz. 1925 wurde ein erster kleiner Kapellenbau eingeweiht. Schon damals gab es das Problem, dass die katholische Gemeinde sehr klein ist, in „extremer Diaspora“ lebt, wie es in der katholischen Kirche heißt. Im Sommer aber reichen durch den Ferienverkehr die Plätze nie aus. Die Gemeinde wuchs, als die Bauarbeiten für das riesige „Kraft-durch-Freude“-Heim in Prora begannen und Bauarbeiter aus allen Teilen Deutschlands auf die Insel kamen. Am Ende des Krieges kamen zudem Flüchtlinge und Vertriebene auf die Insel, unter ihnen viele Katholiken.

Die Binzer Kapelle wurde in den sechziger Jahren vergrößert. Insgesamt 75 Plätze gibt es seitdem. Die Gottesdienste im Sommer jedoch sind so gut besucht, dass die Eucharistiefeier über eine Funkanlage ins Freie übertragen wird. Die Kapellenfläche soll nun auf insgesamt mehr als 200 Quadratmeter verdoppelt werden. Der Grundstein für die Erweiterung soll im September gelegt werden, in Verbindung mit der alljährlichen Marienwallfahrt nach Bergen.

Die Pläne lagen schon lange in der Schublade. Aber es fehlte das Geld. Die Baukosten betragen 750.000 Euro. Davon tragen nun das Erzbistum 250.000 und das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken 237.000 Euro. Zudem beteiligen sich der Landkreis Rügen und natürlich die Gemeinde selbst. Im Anbau wird es 170 Sitzplätze geben. Je nach Bedarf kann der Gottesdienstraum durch eine Schiebefront geteilt werden. Zusätzlich sollen ein Beichtzimmer sowie ein Windfang entstehen. In Binz leben etwa 300 Katholiken, auf der Insel sind es 1400, in Mecklenburg-Vorpommern 50.000.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Bernd Helfert

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