Ulm

An Europas Hauptstraße

Von Rüdiger Soldt

06. Juli 2008 Der Beitritt Rumäniens und Bulgariens zur Europäischen Union hat den Donau-Raum stärker ins historische Bewusstsein gebracht. Von zehn Donau-Anrainerstaaten sind sechs Mitglied der EU - man könnte dem ungarischen Schriftsteller György Konrád folgen und in der Donau eine „Hauptstraße Europas“ sehen.

Ulm liegt an dieser Hauptstraße; in der ebenfalls baden-württembergischen Stadt Donaueschingen hat der europäische Fluss seinen Ursprung. Seit Samstag hat das neue Donau-Bewusstsein nun einen Ort: Im alten Gästehaus der früheren freien Reichsstadt Ulm residiert die „Europäische Donau-Akademie“.

Die Mitarbeiter schauen selbstverständlich auf den Fluss. Sie wollen mit einem Etat von etwa 250 000 Euro die Akademie aufbauen und zur Bildung einer europäischen Identität beitragen. Es soll Projekte zur Migration im Donau-Raum, zur Energietechnik oder zum Hochwasserschutz geben.

„Unser Vorbild sind die evangelischen Akademien, nur dass wir uns mit der Geschichte, der Kultur und der Wirtschaft des Donauraums beschäftigen“, sagt der Akademieleiter Peter Langer. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sieht in der Akademie sogar einen Ort, an dem sich „europäischer Geist“ entwickeln werde.

Die Akademie kooperiert mit der deutschsprachigen Andrassy-Universität in Budapest und soll auch ein wenig die Leerstelle füllen, die mit der Auflösung des EU-Stabilitätspaktes für Südosteuropa entstanden ist. Deshalb sprach bei der Eröffnung auch der österreichische Vizekanzler Erhard Busek. Die Kooperation der Donau-Staaten sei mittlerweile besser als die Bürokratie der EU, sagte er bei der Eröffnungsfeier am Wochenende.

Die Landesregierung betreibt schon seit vielen Jahren so etwas wie eine baden-württembergische Donau-Außenpolitik. Ministerpräsident Oettinger (CDU) hat in diesem Jahr Ungarn, Rumänien und Bulgarien besucht, um sich für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Kooperation einzusetzen.

Ein Problem ist allerdings immer noch nicht gelöst: Heinrich Fürst zu Fürstenberg, der wegen Kokainerwerbs zu einer Geldstrafe verurteilt worden ist, lässt Touristen derzeit nur noch über eine steile Treppe zur Donau-Quelle in seinem Park vordringen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

 
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