Karlsruhe

Prinzip Adam

Von Rüdiger Soldt

04. Mai 2008 Bei vielen Kindern muss heutzutage James Bond als Rollenvorbild herhalten - mangels Vater. Die zunehmende Zahl von Scheidungen hat dazu geführt, dass viele Jungen ohne Väter aufwachsen müssen, weil das Sorgerecht zumeist den Müttern zugesprochen wird, und etwa die Hälfte aller Kinder von Scheidungseltern verliert nach der Trennung den Kontakt zu den Vätern. Hinzukommt eine Feminisierung in der Erziehung, etwa durch die geringe Zahl von Grundschullehrern.

Am Wochenende hielt die Väterlobbyorganisation „Väteraufbruch für Kinder“ (VAfK) in Karlsruhe ihren ersten Bundeskongress gegen die „erzwungene Vaterlosigkeit“ ab. Der Generationenforscher Gerhard Amendt kritisierte die „feministische Alleinerziehungspolitik“, der Mediziner Matthias Franz warnte davor, dass das Risiko, drogenabhängig zu werden oder Suizid zu begehen, für vaterlos aufgewachsene Kinder doppelt so hoch sei wie für Kinder, die von beiden Eltern erzogen wurden.

Die Organisation hat mittlerweile 3000 Mitglieder. In Baden-Württemberg gibt es sogar einen Landesverband.

Der Gründer des Väteraufbruchs, Franzjörg Krieg, will es nicht länger den Frauen allein überlassen zu definieren, was Gleichstellungspolitik ist: „Wir sind keine Maskulinisten, die sich über den Geschlechterkampf definieren. Unser Ziel ist das gemeinsame Sorgerecht von beiden Eltern für die Kinder.“ Im Familienministerium und in der gesellschaftlichen Diskussion werde den Vätern immer noch eine „Teilhabe an der Familienpolitik“ verweigert. „Wir wollen uns nicht länger von Frauen vordenken lassen, welches Selbstverständnis wir als Männer haben sollten“, sagt Krieg.

Die Diskussionen über eine übertriebene Feminisierung der Politik, wie sie die zahlreichen Männerinitiativen angestoßen haben, zeitigen erste politische Reaktionen: Die baden-württembergische Sozialministerin Monika Stolz (CDU) veranstaltete im April den ersten „Boys' Day“, um bei Jungen Interesse für soziale Berufe wie Erzieher oder Grundschullehrer zu wecken.

Der Realschullehrer Franzjörg Krieg findet den Boys' Day natürlich „super“. Als er an seiner Schule vor Jahren etwas Ähnliches organisiert habe, sei er verlacht worden.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

 
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