Hamburg

Philharmonischer Katzenjammer

Von Frank Pergande

23. Juni 2008 Die Laeiszhalle, Hamburgs großer Konzertsaal mit dreitausend Plätzen und einer der besonderen Orte hanseatischen Bürgersinns, feiert gerade mit großem Programm sein hundertjähriges Bestehen. Ausgerechnet in dieser Feststimmung erreichte die Hamburger Öffentlichkeit die Nachricht, dass ihre Elbphilharmonie, die immerhin das künftige Wahrzeichen der Stadt werden soll, nicht nur teurer wird als bisher geplant, sondern auch erst später eröffnen soll.

Laeiszhalle und Elbphilharmonie gehören insofern zusammen, als sie künftig in einem gemeinsamen Betrieb vereint sind. Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) musste nun dieser Tage öffentlich eingestehen, dass die Elbphilharmonie, jener spektakuläre Glaskasten auf dem alten Kaispeicher B im früheren Hafengelände, den Spielbetrieb erst 2011 aufnehmen kann.

Ursprünglich sollte es in dem neuen Saal die ersten Veranstaltungen, wenn auch noch eingeschränkt, schon im Oktober 2010 geben. Man sei zu dem neuen Termin gekommen, so sagte es die Kultursenatorin, um dem Generalintendanten Planungssicherheit geben zu können. Ob das aber wirklich klappt?

Schon im November 2006 hatte Bürgermeister Ole von Beust (CDU) eingestehen müssen, dass das neue Konzerthaus 54,8 Millionen Euro teurer wird als vorgesehen. Wegen der Bedeutung des Konzerthauses, das zu den wichtigsten der Welt gehören will, empfahl Beust dennoch, an dem Bau festzuhalten.

In der Bürgerschaft bekam er dafür eine Mehrheit, auch die Grünen waren dafür. Und es gibt wohl auch eine Mehrheit der Hamburger für die Elbphilharmonie. Der Eröffnungstermin 2010 galt allerdings schon damals vielen als zu optimistisch.

Auf der Baustelle gibt es derzeit einen mehrwöchigen Terminverzug. Das verzögert nicht nur den Bau, es führt auch zu weiteren schwierigen Verhandlungen zwischen der Stadt und dem Auftragnehmer Hochtief. Ein Problem ist zudem die Kühlung, die eigentlich durch das Elbwasser möglich sein sollte, was aber nach einer neuen Richtlinie nicht mehr gestattet ist. Also muss ein neues Kühlsystem her.

Insgesamt sollte das Gebäude 241,3 Millionen Euro kosten, von denen die Stadt Hamburg 114,3 Millionen Euro beisteuert. Der Bund der Steuerzahler in Hamburg beziffert den Verlust, der durch den späteren Spielbeginn entstehen könnte, auf 11,5 Millionen Euro. Außerdem kritisiert der Verein, dass die Verzögerungen schon Anfang Mai für alle Verantwortlichen klar waren, aber erst jetzt darüber informiert wurde.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Bernd Helfert

 
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